Deshalb ist der 25:1-Rekordsieg des EV Zug gegen den EHC Raron nicht arrogant

Die Zuger haben im Cup-Sechzehntelfinal dem 2.-Ligisten aus dem Wallis die Limiten klar aufgezeigt. Den hohen Sieg als respektlos zu kritisieren, ist jedoch nicht gerechtfertigt.

Philipp Zurfluh
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Philipp Zurfluh, Sportredaktor

Philipp Zurfluh, Sportredaktor

Historisch! Der EV Zug überfährt in den Cup-Sechzehntelfinals den EHC Raron aus der 2. Liga. Der 25:1-Rekordsieg geht in dieser Höhe absolut in Ordnung. Die Aluminiumtreffer miteingezählt, hätte Zug die 30 vollgemacht. Der Klassenunterschied von vier Ligen war in allen Belangen sichtbar. Und dies obwohl der Cupsieger von 2019 während des Spiels zwei bis drei Gänge zurückschaltete, und weitgehend auf Checks verzichtete.

In den sozialen Kanälen wird nun eifrig über das Torfestival diskutiert. «Respektlos», «arrogant», «unsportlich» sind einige der Ausdrücke, die den EV Zug wegen des Kantersiegs anprangern. Darf man einen Klub beschuldigen, wenn er mit einem überheblichen Auftritt und unprofessionellen Einstellung den Underdog vorführt? Ja! Darf man einer Mannschaft Respektlosigkeit vorwerfen, wenn sie gegen eine um vier Ligen schlechter klassiertes Team ihr Leistungsniveau abruft? Nein!

Wo kämen wir hin, wenn sich eine Mannschaft für einen (zu) hohen Sieg rechtfertigen oder gar entschuldigen muss? Alles andere als ein klarer Sieg gegen Raron hätte Fragen aufgeworfen und die Zuger hätten sich rechtfertigen müssen.

Man muss klar festhalten: Auf dem Eis duellierten sich Amateure und Nationalspieler. Es wäre gar legitim gewesen, hätte Trainer Tangnes Top-Shots wie Hofmann, Kovar oder Diaz zu Hause gelassen und das Team mit Junioren ergänzt. Dann aber wären die Zuger mit Vorwürfen wegen mangelnder Wertschätzung konfrontiert worden.

Übermut und Grosstuerei bei den Profis? Fehlanzeige. Das stellte auch Raron-Trainer Jan Zenhäusern nach dem Spiel fest. Vorbildlich und ohne Starallüren hätten sie sich verhalten – und hinterher noch Autogramme geschrieben. Auch beim Publikum war kein Murren zu vernehmen. Es freute sich über Spitzeneishockey in der Walliser Provinz.

Der EHC Raron hat Grösse und zeigt Klasse, lobt die Einstellung des übermächtigen Kontrahenten: Man müsse dem EV Zug Respekt zollen für die gute Einstellung zum Wettbewerb. Man habe das auch schon anders gesehen. Dem EV Zug kann man keinen Vorwurf machen. Wer Mitleid erwartet hat, muss in Sachen Sportgeist nachsitzen.