Reportage

Neue Eiszeit ist angebrochen: EVZ-Spieler bestreiten erstes offizielles Training im Spitzensportzentrum OYM

«Einzigartig, gigantisch und umfassend»: Die EVZ-Spieler loben die Trainingsinfrastruktur in höchsten Tönen. Ein Besuch an dem Ort, wo die Sportstars von morgen reifen sollen.

Philipp Zurfluh
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EVZ-Torhüter Leonardo Genoni auf dem Weg aufs Eis.
20 Bilder
Yannick Zehnder zieht aufs Tor los.
EVZ-Assistenztrainer Josh Holden bespricht sich mit dem Staff.
Speedtraining der ersten Mannschaft.
Journalisten nehmen einen Augenschein im OYM.
Lauf- und Schusstraining der EVZ-Spieler.
Yannick Zehnder (links) und Jérôme Bachofner bei einer Pause.
Yannick-Lennart Albert (rechts) sprintet mit Teamkollegen um den Puck.
Leonardo Genoni, Tobias Geisser und Sven Senteler (von rechts) bei einer Pause.
Die Spieler besprechen sich.
Topskorer Grégory Hofmann auf dem Weg zum Eis.
EVZ-Cheftrainer Dan Tangnes mit Maske.
Szene aus dem Training.
Blick in die Halle im Sportzentrum OYM in Cham.
Schuss aufs Tor.
Lockere Stimmung bei den EVZ-Spielern auf dem Eis.
Josh Holden spricht zu den Spielern.
Szene aus dem Training.
Hans-Peter Strebel, Verwaltungsratspräsident des EVZ, nimmt im OYM einen Augenschein.
EVZ-Sportchef Reto Kläy im OYM.

EVZ-Torhüter Leonardo Genoni auf dem Weg aufs Eis.

Bild: Patrick Hürlimann, Cham, 10. Juni 2020

EVZ-Trainer Dan Tangnes ist selten um einen lockeren Spruch verlegen. So auch nicht am Mittwochmorgen beim ersten Mannschaftstraining im Spitzensportzentrum OYM (On you marks) in Cham, als er einen Teil der rund eineinhalbstündigen Trainingseinheit von der Tribüne aus verfolgt. «Den Spielern tut es gut, wenn sie mich nicht jeden Tag hören und sehen müssen», scherzt der charismatische Norweger.

Auf dem Eis geben stattdessen die Assistenztrainer Klas Östman und Josh Holden den Takt vor. Die Hygiene- und Schutzmassnahmen sind nicht mehr so streng wie beim Trainingsstart am 11. Mai, als die Spieler die Anlage nur in Dreiergruppen und zeitlich gestaffelt benutzen durften. Die Stimmung unter den 21 Spielern – darunter ein paar Gastspieler – ist locker, dennoch wird konzentriert zu Werke gegangen. Captain Raphael Diaz, der an diesem Morgen im Athletikraum schwitzt, ist nicht der einzige Abwesende. Die ausländischen Spieler weilen derzeit noch in ihrer Heimat. Sie werden gegen Ende Juli in Zug erwartet. «Die Spieler sind froh, dass sie auf dem Eis wieder Vollgas geben können. Sie mussten sich lange genug gedulden», sagt Dan Tangnes.

Josh Holden, Assistenztrainer des EVZ, leitet das Training.

Josh Holden, Assistenztrainer des EVZ, leitet das Training.

Bilder: Patrick Hürlimann (Cham, 10. Juni 2020)

Der erste Teil des Trainings ist durch spielerische Elemente geprägt, gegen Ende wird an der Kondition gefeilt. Die geladenen Medienvertreter halten die Aktionen in Bild und Ton fest. «Die Schonzeit ist vorbei», meint Stürmer Sven Senteler. «Es ist ein tolles Gefühl, zusammen mit der Mannschaft auf dem Eis zu stehen.» Er zeigt sich tief beeindruckt vom OYM. Es biete alles, was das Sportlerherz begeht. «Es ist alles unter einem Dach, der Komplex ist gigantisch und umfassend.» Vor allem der Kraftraum habe ihn ins Staunen versetzt:

«Ich habe nicht mal gewusst, dass es überhaupt so viele verschiedene Geräte gibt.»

Bei 280 Geräten auf 3000 Quadratmetern würde wohl so mancher Fitnessstudio-Inhaber vor Neid erblassen.

Während es auf dem Eis schon zur Sache geht, wird abseits nichts dem Zufall überlassen. Beim Eingang werden Fiebermessungen durchgeführt, das Tragen von Schutzmasken ist Pflicht.

Hans-Peter Strebel, der Chef höchstpersönlich, lässt es sich nicht nehmen, an diesem Morgen die Medienschaffenden willkommen zu heissen. Das OYM ist sein Werk, sein Herzensprojekt. Der EVZ-Präsident spricht von einem «riesengrossen Benefit» für die Sportszene. Er bedauert, dass die offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten Ende März abgesagt werden mussten. «Ein Wermutstropfen», sagt der Visionär, der das Projekt als Privatmann finanziert hat. «Leider ist es nicht möglich, die Tage der offenen Tür nachzuholen, da sonst der laufende Betrieb gestört wird.» Fast 10’000 Anmeldungen seien eingegangen. Corona machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.

Hans-Peter Strebel.

Hans-Peter Strebel.

Im OYM sind die vier Leistungsteams (National League, Swiss League, U20-Elit, U17-Elit) untergebracht. Sie können fast während des ganzen Jahres auf dem Eis trainieren. Es gibt es ein grössenverstellbares Eisfeld, das vom europäischen Mass auf das kleinere nordamerikanische Feld reduziert werden kann – und das innert drei Stunden.

EVZ-Trainer beeindruckt von wissenschaftlicher Betreuung

Die Orientierung zu behalten, ist in diesem 100 Millionen Franken teuren Komplex nicht ganz einfach. «Man gewöhnt sich mit der Zeit daran, aber ich habe mich auch schon verlaufen», sagt Dan Tangnes. Auf das OYM angesprochen, gerät er ins Schwärmen. «Alles wird genau auf jeden einzelnen Sportler ausgerichtet. Es fehlt an nichts.» Vor allem die wissenschaftliche Betreuung der Athleten beeindrucken den 41-Jährigen. «Sie hilft, die Spieler noch leistungsfähiger zu machen.» Dass man in den Räumlichkeiten eine Schutzmaske tragen muss, daran hat sich Dan Tangnes mittlerweile gewöhnt. Der bestens gelaunte Trainer scherzt: «Gut möglich, dass unsere Ohren in ein paar Wochen denjenigen von Elefanten sehr ähneln.»

Abseits des Spielfelds gilt Maskentragpflicht – auch für EVZ-Trainer Dan Tangnes.

Abseits des Spielfelds gilt Maskentragpflicht – auch für EVZ-Trainer Dan Tangnes.

Nico Gross schnuppert EVZ-Luft

Einer unter den 21 Spielern ist der 20-jährige Nico Gross. Der Youngster mit EVZ-Vergangenheit liess sein Talent zuletzt während drei Saisons in Kanada bei den Oshawa Generals in der Ontario Hockey League aufblitzen. Eine Rückkehr zu den Zugern ist für den Verteidiger eine «interessante Option». «Ich hatte immer eine gute Beziehung zum EV Zug. Er ist wie mein zweites Zuhause.» Noch bis August wird der Verteidiger die Spitzensport-RS in Magglingen absolvieren. Ob er seine Karriere in Übersee fortsetzt, ist ungewiss: «Ich stehe im Austausch mit meinem Agenten und mache mir keinen Druck. Ich werde mir das in Ruhe überlegen.»

Beim Training ist auch der ehemalige Zuger U20-Elit-Spieler Marco Forrer mit von der Partie. Der Verteidiger verstärkt den Kader der EVZ Academy für die Swiss League-Saison 2020/21. «Die Infrastruktur ist einzigartig», schwärmt der 23-Jährige, der zuletzt fünf Jahre in der National League bei Fribourg und Davos im Einsatz war, aber immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. «Ich möchte bei der Academy eine Leaderrolle übernehmen und mich für Einsätze in der National League empfehlen», so Forrer.

Im Juli werden die Spieler in den Genuss von drei Wochen Ferien kommen. Auch Dan Tangnes wird sich dann eine Auszeit gönnen und mit seiner Familie nach Schweden reisen, bevor dann im August die heisse Phase der Saisonvorbereitung in Angriff genommen wird. «Die Vorfreude auf die neue Saison ist riesig», sagt der EVZ-Trainer. «Und das OYM bietet uns die besten Rahmenbedingungen, um beim Saisonstart bereit zu sein.»

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