NHL-JUNGSTAR: «Ich habe keine Garantie, dass ich es schaffe»

Heute Freitag hebt das Flugzeug mit Nummer-1-Draft Luca Sbisa nach Philadelphia ab. Diesmal reist der Oberägerer ohne Ängste.

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Der 18-jährige EVZ-Junior Luca Sbisa im Dress der Philadelphia Flyers am Zugersee. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Der 18-jährige EVZ-Junior Luca Sbisa im Dress der Philadelphia Flyers am Zugersee. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Luca Sbisa, am Freitag machen Sie sich, wie letztes Jahr, in Richtung Übersee auf. Mit was für Gefühlen tun Sie es diesmal?
Luca Sbisa: Letztes Jahr stand ich einige Ängste aus. Ich wusste damals nicht, was auf mich zukommt. Diesmal gehe ich mit grosser Vorfreude nach Philadelphia. Aber so richtig realisiert habe ich meine neue Situation noch nicht. Das wird dann aber sicher so weit sein, wenn ich im Flieger sitze.

Sie wurden von Philadelphia als Nummer 1 gedraftet. Das passierte auch schon Michel Riesen und Luca Cereda. Beide setzten sich aber nicht durch.
Sbisa: Ich habe keine Garantie, dass ich es schaffe. Das weiss ich. Aber mit dem Draft habe ich eine Bestätigung erhalten. Riesen und Cereda hatten sicher Talent, ich weiss aber nicht, woran sie scheiterten. Ich werde meine Chance erhalten. Dann sehen wir, was herauskommt.

Wie gut passen Sie zum wahrscheinlich härtesten Team?
Sbisa: Die Spielweise gefällt mir. Die Flyers dominieren körperlich fast jeden Gegner, und haben Erfolg damit. Ich spiele hart und kreativ, passe deshalb gut in dieses System.

Hatten Sie bereits die Gelegenheit, mit Trainer John Stevens zu sprechen?
Sbisa: Er hat mir nach dem Draft in Ottawa die Hand geschüttelt und mich gefragt, wie mein erstes Jahr in Amerika war. Er ist ein junger Trainer, der sich in die Spieler hineinzuversetzen vermag. Vorher sah ich ihn nur am Fernsehen. Als ich Stevens dann live vor mir sah, machte es bei mir «wow».

Weshalb sind Sie mit Ihren 18 Jahren vielen Altersgenossen so viel voraus?
Sbisa: Mit knapp vier Jahren liessen die Eltern meine Schwester und mich von einer Eiskunstlauflehrerin schulen. Danach hatte der ehemalige EVZ-Nachwuchschef Wolfgang Haldi und Elite-Trainer Leo Schumacher grossen Anteil an meiner bisherigen Karriere.

Wie viel Respekt wurde Ihnen im ersten Jahr als Schweizer entgegengebracht?
Sbisa: Anfangs im Camp ging es hart zu und her. In Kanada gelten die Europäer als «Weicheier». Da wird nicht unterschieden, ob du Russe, Schwede oder Schweizer bist. Ab und zu gab es im Training Schlägereien. Es beruhigte sich, als die Saison begann und die Positionen bezogen waren. Danach entwickelten sich auch Freundschaften.

Wie viel bedeutet es, dass sich Mark Streit als erster Schweizer Feldspieler in der NHL durchsetzen konnte?
Sbisa: Streits Name wird an erster Stelle vor den Schweizer Goalies genannt. Er hat zweifellos Türen geöffnet und ist auch deshalb mein Vorbild.

Interview René Barmettler / Neue Luzerner Zeitung