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Im dritten Playoff-Spiel ist doch alles so, wie es immer war: Der SCB spielt meisterhaft, der EVZ schwächelt

Die Zuger verlieren das dritte Spiel im Playoff-Final 1:4. Der SCB spielt erstmals wie ein Meister und führt im Finale 2:1. Hat sich Zug überschätzt?
Klaus Zaugg, Bern
Geschlagen: EVZ-Torhüter Tobias Stephan beim Berner Treffer zum 3:1. Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 16. April 2019)

Geschlagen: EVZ-Torhüter Tobias Stephan beim Berner Treffer zum 3:1. Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 16. April 2019)

Ist alles, was in den letzten Monaten gesagt, geschrieben und gesendet worden ist, doch nicht wahr? Wir neigen dazu, Klischees zu verwenden. Also abgenutzte Redensarten. Dazu gehören bei einer Auseinandersetzung zwischen Zug und Bern etwa folgende Analysen:

  • Mit Tobias Stephan ist es einfach nicht möglich, eine Meisterschaft zu gewinnen.
  • In den Playoffs tanzt Lino Martschini nicht mehr.
  • Der SCB ist unter Kari eine Hockeymaschine, die unerbittlich zum Sieg rollt.

Ach, wie aufregend war es, als wir nach dem ersten Finalspiel sagen konnten: eine neue Zeit is angebrochen. Vergesst die alten Klischees.

Die Zuger siegen 4:1. Tanzmaus Lino Martschini wirbelt im Ehrengewand des Playoff-Topskorers zu zwei Assists. Tobias Stephan ist besser als Leonardo Genoni. Das alte Bern geht unter und in Zug entsteht eine neue Hockeydynastie. Das war am letzten Donnerstag. Vor fünf Tagen.

Und jetzt ist auf einmal wieder alles so, wie es schon immer war. Bereits in der 13. Minute versenkt SCB-Vorkämpfer Tristan Scherwey den Puck zum 3:1. Noch bevor auch nur 20 Minuten gespielt sind gelten die Klischees wieder.

  • Mit Tobias Stephan ist es einfach nicht möglich, eine Meisterschaft zu gewinnen.
  • In den Playoffs tanzt Lino Martschini nicht mehr.
  • Der SCB ist unter Kari eine perfekte Hockeymaschine, die unerbittlich zum Sieg rollt.

Die zwei ersten SCB-Treffer sind haltbar. Lino Martschini tanzt nicht mehr und vergibt eine goldene Chance zum 2:2. Und die SCB-Maschine rollt unaufhaltsam dem Sieg entgegen.

Die Zuger kommen nie ins Spiel. Dabei sind die Hockeygötter gnädig. Leonardo Genoni wird von Carl Klingberg zum 1:1 überlistet (7.).

Der Treffer kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Nach gängigen Klischees ein Tor, das den SCB aus dem Tritt bringen und den EV Zug beflügeln müsste. Aber nichts passiert. Die SCB-Maschine stottert nicht einmal. Sie läuft einfach weiter. Nicht einmal sechs Minuten später steht es 3:1. Aus. Vorbei. Ein gewöhnlicher SCB genügt, um fortan das Spiel zu kontrollieren.

Zwei Erklärungen für das verlorene Spiel

Wie ist dieser Untergang möglich? Wie kann es sein, dass alles, was wir im Laufe dieser Playoffs gehört, gesehen und gelesen haben – Zug ist bereit für den Titel und hat viel mehr Energie, dem SCB wird die stärkere Beanspruchung im Viertel- und Halbfinale zum Verhängnis – nicht wie ein Irrtum klingt?

Es gibt zwei Punkte. Der eine ist tröstlich für Zug. Der andere hingegen nicht. Der tröstliche: es war «nur» dieses eine Spiel. Bereits morgen bekommen die Zuger eine neue Chance. Wir sollten uns hüten, eine Mannschaft aufgrund einer Niederlage bereits abzuschreiben. Zug ist ein Drittel völlig missraten und hat nun zwei Finalspiele verloren. Aber noch lange nicht den Titelkampf.

Der zweite Punkt ist weniger erfreulich. Die Zuger haben sich nach dem 4:1 in Bern überschätzt. Gewiss, eine gewagte, ja polemische Behauptung. Aber es gibt eine Episode, die sie untermauert. Sie spielt im Zuger Hockeytempel am letzten Samstag. Eine Stunde vor der zweiten Partie. Ein freundlicher Chronist plaudert mit einem Mitglied des inneren EVZ-Führungszirkels mit Zugang zur Kabine und Vertrauensverhältnis mit Cheftrainer Dan Tangnes. Was denkst Du, wer gewinnt heute Abend? Wer gewinnt die Meisterschaft? Der Zuger, der sicherlich seinen Namen nicht hier lesen möchte, sagt mit heiliger Überzeugung, der Final werde 4:0 enden. - 4:0? Nicht möglich! Der Gegner ist der SCB! D- och, doch, wir sind so viel besser. Mit Glück kann der SCB eine Partie gewinnen. - Nichts ist in den Zeiten der Playoffs gefährlicher als Selbstüberschätzung.

Der SCB hat nun zweimal gewonnen. Schaffen die Zuger die Wende, dann werden wir diese Episode noch einmal aufwärmen. Als wunderbares Beispiel für das neue, gesunde, meisterliche Selbstvertrauen, das unter Dan Tangnes Einzug gehalten hat. Meister kann ja nur werden, wer an die eigenen Stärken glaubt.

Bern - Zug 4:1 (3:1, 0:0, 1:0)

17'031 Zuschauer (ausverkauft). - SR Wiegand/Stricker, Wüst/Kaderli. - Tore: 4. Moser (Arcobello, Untersander/Ausschluss Diaz) 1:0. 8. (7:12) Klingberg (Everberg, Roe) 1:1. 9. (8:40) Arcobello (Andersson) 2:1. 13. Scherwey (Mursak, Haas/Ausschluss Roe) 3:1. 58. Arcobello 4:1 (ins leere Tor). - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Bern, 6mal 2 Minuten gegen Zug. - PostFinance-Topskorer: Arcobello; Roe.

Bern: Genoni; Untersander, Burren; Krueger, Blum; Andersson, Beat Gerber; Colin Gerber; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Boychuk, Mursak, Ebbett; Sciaroni, Heim, Scherwey; Berger, Haas, Bieber; Kämpf.

Zug: Stephan; Diaz, Morant; Thiry, Alatalo; Schlumpf, Zgraggen; Zryd; Klingberg, Roe, Everberg; Martschini, McIntyre, Suri; Lammer, Senteler, Simion; Leuenberger, Albrecht, Schnyder; Zehnder.

Bemerkungen: Bern ohne Almquist (gesperrt), Kamerzin, Grassi (beide verletzt), Marti und Brügger (beide überzählig), Zug ohne Flynn, Widerström und Stadler (alle überzählig). Pfostenschuss Suri (38.). Tor von Scherwey nach erfolgreicher Coaches Challenge wegen Offsides aberkannt (57.). Zug von 57:48 bis 57:57 ohne Torhüter.

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