Eishockey
Zwei Checks – zwei unterschiedliche Strafmasse im Playoff-Final: Der ehemalige Einzelrichter sagt «unverständlich»

Das zweite Final-Spiel erhitzt im Nachgang die Gemüter. Im Zentrum stehen zwei Fouls im Schlussdrittel. Während Zugs Santeri Alatalo aus dem Verkehr gezogen wird und eine Spiel-Sperre aufgebrummt bekommt, kommt Genfs Roger Karrer straffrei davon.

Philipp Zurfluh
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Siegt der EV Zug am Freitagabend, gewinnt er zum zweiten Mal nach 1998 den Meistertitel. Doch die Genfer werden nochmals alle Kräfte mobilisieren, damit die Serie nicht bereits nach drei Spielen zu Ende geht. Es ist ein Playoff-Final auf Biegen und Brechen: Zug und Genf schenken sich keinen Zentimeter, die Gangart wird ruppiger und gehässiger. In der zweiten Final-Partie in Genf gingen die Emotionen richtig hoch, vor allem im Schlussdrittel. Für eine unschöne Aktion sorgte Zugs Santeri Alatalo in der 49. Minute mit einem Check mit dem Unterarm gegen den Kopf des Genfer Topskorers Henrik Tömmernes. Ein Foul, das von den Schiedsrichtern Mark Lemelin und Marc Wiegand ungeahndet blieb. Die Servettiens waren erbost über diesen unerlaubten Körpereinsatz.

Die Aktion von Alatalo gegen Tömmernes im Video.

Youtube

Der Verteidiger wurde von der Disziplinarkommission vorsorglich für ein Spiel gesperrt, wie die Liga am Donnerstagmorgen mitteilte. Gleichzeitig wurde gegen den 30-Jährigen ein ordentliches Verfahren eröffnet.

Genfs Mittelstürmer Tanner Richard fand danach deutliche Worte und übte scharfe Kritik an der Leistung der Schiedsrichter:

«Man wird nicht viele Leute finden, die zufrieden waren mit den Schiedsrichter-Leistungen.»

An die Referees adressiert, doppelte er nach: «Wenn du den Helden spielen willst, dann spiel den Helden, aber dann spiel ihn für 60 Minuten.» Richard sagte aber auch: «Wir haben nicht wegen der Schiedsrichter verloren. Wir müssen für noch mehr Verkehr vor dem Zuger Tor sorgen. Wir müssen uns noch mehr anstrengen.»

Timo Helbling, Hockey-Experte beim TV-Sender «Mysports» und ehemaliger EVZ-Verteidiger griff nach dem Spiel die Referees frontal an: «Es gibt keine Entschuldigung dafür, so etwas nicht zu sehen. Das ist eine Szene, die matchentscheidend sein kann, wenn Tömmernes, der Genfs wichtigster Spieler ist, unter Umständen nicht mehr weiterspielen kann, wenn er eine Hirnerschütterung erleidet.»

Karrer kommt ohne Strafe davon

Enerviert darüber, dass Alatalo weiterspielen durfte Foul, ergriff Genfs Roger Karrer in der 58. Minute zur Selbstjustiz. Während Zugs Topskorer Jan Kovar sich im Zweikampf mit Daniel Winnik befand, checkte Karrer Zugs Mittelstürmer kopfvoran in die Bande:

Sein Einsatz am Freitag soll aber nicht gefährdet sein. Karrer wurde wegen Bandencheck mit einer Zwei- plus Zehnminutenstrafen sanktioniert. Während Alatalo mindestens für ein Spiel aus dem Verkehr gezogen wird, hat Karrers rüde Attacke keine Folgen. Bei der sportlichen Führung des EV Zug schüttelt man über das ungleiche Strafmass den Kopf.

Unsere Zeitung weiss: Die Szene mit dem Foul von Karrer an Kovar wurde an den Player Safety Officer (PSO) zur Begutachtung weitergeleitet. Dieser hatte sich das Foul angeschaut, aber nicht für nötig befunden, einen Antrag an den Einzelrichter zu stellen.

Darüber haben sich nicht nur viele Mitglieder der EVZ-Entourage geärgert, sondern auch der ehemalige Einzelrichter Reto Steinmann (2004 bis 2016), wohnhaft im Kanton Zug. Er fühlt sich dem Grundsatz «servir et disparaître», dienen und abtreten, zum ersten Mal seit seinem Rücktritt vor fünf Jahren nicht verpflichtet. Dies infolge grossen Ärgers über die Handhabung der Causa Karrer:

«Dass diese Aktion keine Spielsperre nach sich sieht, ist für mich unverständlich und nicht nachvollziehbar.»

Für Steinmann ist offensichtlich: Der Vorfall ist von der objektiven Gefahr für den Gegner und von der Verwerflichkeit her mindestens gleichzusetzen mit dem Fall Alatalo. «Die Justiz der Liga hätte sich viel Kritik ersparen können, wäre der Fall Karrer vom PSO ebenso mit einem Antrag an den Einzelrichter zur Beurteilung weitergeleitet worden», so Steinmann. Timo Helbling äusserte sich am Mittwoch nach dem Spiel mit folgenden Worten: «Der Check von Karrer war gleich schlimm, wenn gar noch schlimmer.»

Für den EVZ-Trainer Dan Tangnes gilt die volle Konzentration der sportlichen Leistung: «Wir spielen und gewinnen für Alatalo.»

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