PLAYOFFS: EVZ-Holden: Vom Versager zum Helden

EVZ-Captain Josh Holden verschiesst gegen Genf einen Penalty, steht bei zwei Gegentoren auf dem Eis. Doch am Schluss ist er der Mann der Stunde – und all das Vorherige ist nur noch Statistik.

Marco Morosoli
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Lieber ein 1:0 als ein 7:6: Josh Holden plädiert für defensive Vorsicht. (Bild: Keystone (Zug, 4. März 2017))

Lieber ein 1:0 als ein 7:6: Josh Holden plädiert für defensive Vorsicht. (Bild: Keystone (Zug, 4. März 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Den EVZ-Kanadier Josh Holden (39) kann anscheinend nichts aus der Ruhe bringen. Auf die Frage, ob sein Nervositätspegel in den Zeiten der Playoffs höhere Werte erreiche, gibt der Captain mit schon fast stoischer Gelassenheit zur Antwort: «Wir sind nicht mehr unter Druck als ein Arzt im Spital. Das Spielen ist ja schliesslich unser Job. Da ist das Umgehen mit Druck Alltag.»

Das hat Holden am vergangenen Samstag eindrücklich unter Beweis gestellt. In der 17. Minute verschiesst er einen Penalty kläglich, doch in der 8. Minute der Verlängerung steht der Kanadier goldrichtig im Slot und schiesst das siegbringende 3:2 für sein Team. Aus dem Penaltyversager ist unvermittelt ein Held geworden. Das sind die Geschichten, die die Zuschauer lieben. Vergessen ist, dass Holden letztlich mit einer Minus-1-Bilanz vom Eis geht.

Ein Scheitern könnte Holden den Job kosten

In der derzeitigen Playoff-Viertelfinalserie gegen Genève-Servette geht es für den EVZ um viel. Die Zentralschweizer wollen nach einer Durststrecke von vier Jahren endlich wieder einmal in die Halbfinals vorstossen. Ein neuerliches Scheitern in dieser Serie könnte auch Holden seinen Job in Zug kosten. Doch an solche Szenarien verschwendet er derzeit keine Gedanken: «Ich schaue nur von einem Tag auf den nächsten. Was in einem Jahr ist, kümmert mich derzeit wirklich nicht.»

Viel lieber redet er darüber, wie er und seine Teamkollegen heute in Genf (20.15 Uhr, RTS 2) aufzutreten gedenken: «Wir wollen den Zuschauern zeigen, was wir können.» Und in dieser Hinsicht gibt es durchaus noch Verbesserungspotenzial. Aufgefallen ist, dass die Zuger während des ersten Playoff-Spiels oftmals schon bei der Angriffsauslösung aufliefen. Dies, weil die Genfer ein starkes Forechecking betreiben und so das Zuger Tempo bremsen. Jeder Zentimeter Eis muss so regelrecht zurückerobert werden. Diesem Kampf müssen sich die Zuger besser stellen als am Samstag. Der Schlüssel, um auch in Genf bestehen zu können, ist für Holden so oder so defensive Vorsicht: «Wir müssen zuerst unser eigenes Tor beschützen, die Chancen für Treffer kommen dann von alleine.» Ihm sei ein 1:0 oder ein 2:1 lieber als ein gefährlicher Ritt, der mit einem 7:6-Sieg ende.

Dass es in Genf für Zug nicht einfach werden wird, verschweigt Holden nicht: «Das Team von Chris McSorley spielt schnell und geht hart auf den Mann.» Doch dem gelte es entgegenzuhalten. «Wir dürfen einfach nie aufgeben, denn jede Sekunde kann zählen.» Und mit engen Spielen habe sein Team ja Erfahrungen aus der Qualifikation, in welcher die Zentralschweizer oftmals eine bereits verloren geglaubte Partie in der Schlussphase noch gekehrt haben. «Das zeigt, dass wir Moral haben», sagt Holden. Diese Fähigkeit hat die Zuger auch am Samstag vor einem Playoff-Fehlstart bewahrt.

Nur Senteler schoss häufiger aufs Tor

Holden ist bereit, auch in Genf wieder alles zu geben. Im ersten Spiel hat er bei einer Spielzeit von 20 Minuten und zwei Sekunden insgesamt fünfmal auf das Tor von Servette-Keeper Robert Mayer geschossen – und einmal getroffen. Nur Sven Senteler hat mehr Torschüsse (6) abgegeben. Und wenn es Holden gelingt, seinen Bully-Gewinnwert von 46 Prozent zu verbessern, dürfte dem EV Zug auch geholfen sein. Holden selber hat ein gutes Gefühl: «Wir wissen, was wir noch verbessern müssen.»

Viertelfinals. 2. Runde. Heute, 19.45: Davos – Lausanne. Lugano – ZSC Lions. – 20.15: Servette – Zug (RTS 2). Biel – Bern.