Revanche geglückt: Schweden-Fraktion schiesst den EV Zug zum Sieg

Der EV Zug bezwingt den EHC Biel in einer ereignisreichen Partie mit 4:3 und grüsst wieder von der Tabellenspitze. Der Videobeweis spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Philipp Zurfluh
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Die Zuger mit Carl Klingberg feiern das 2:1 gegen Biel. Der EVZ hat die Tabellenführung wieder übernommen.
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Die Zuger mit Carl Klingberg feiern das 2:1 gegen Biel. Der EVZ hat die Tabellenführung wieder übernommen.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Spielt er oder nicht? Diese Frage stellten sich wohl viele EVZ-Anhänger vor der Partie am Samstagabend gegen den EHC Biel. Die Rede war von Verteidiger und Leitwolf Raphael Diaz. Nachdem der 34-Jährige bereits einen Tag zuvor gegen die Seeländer pausieren musste, konnte der Chefstratege auch im Heimspiel nicht mittun. Er laboriert an einer Unterkörperverletzung, wie es im Eishockeychargon so schön heisst. Später meinte EVZ-Trainer Dan Tangnes zur Causa Diaz: «Wir wollten kein Risiko eingehen, weil er nicht 100 Prozent fit ist.» Diaz werde aber wohl am Freitag im Gotthard-Derby gegen Ambri wieder auflaufen, ergänzte der Trainer. So mussten andere Spieler in die Bresche springen und Verantwortung übernehmen – und sie taten es. Allen voran die drei Schweden im Zuger Dress.

Während die Defensive der Zentralschweizer 24 Stunden zuvor von den Bielern oftmals übertölpelt wurde, machte sie in der nicht ganz ausverkauften Bossard Arena einen solideren Job. Dennoch schlichen sich immer mal wieder Scheibenverluste bei den Zugern ein. «Wir müssen in der Defensive noch konzentrierter zur Sache gehen», sagte der EVZ-Coach nach dem Spiel.

EV Zug antwortet nach Rückstand postwendend

Im Gegensatz zur Affiche am Vorabend verzichteten die Teams im ersten Drittel auf ein Torspektakel. Das Spiel war intensiv und ausgeglichen. Auf Seiten der Zuger liess vor allem Topscorer Grégory Hofmann immer wieder seine Klasse aufblitzen und sorgte mit seinen Rushes für Gefahr vor Gästetorhüter Jonas Hiller. Entgegen des Spielverlaufs brachte Biels Mike Künzle die Gäste in Führung. Die Antwort des Heimteams kam postwendend: Der schwedische Stürmer Carl Klingberg reagierte nach einem Abpraller von Jonas Hiller am schnellsten. 30 Sekunden vor Ablauf des ersten Drittels hätte Lino Martschini die Zuger in Front bringen können, doch Jonas Hiller zeigte im 1-gegen-1-Duell, warum er einer der besten seines Fachs ist. Der rechte Beinschoner verhinderte das 2:1.

Das zweite Drittel geizte mit Höhepunkten bis zur 36. Minute. Dann konnte Oscar Lindberg zur Führung einnetzen. Scorte der Schwede tags zuvor noch in Unterzahl, so war er nun in Überzahl erfolgreich. Die Zuger liessen die Bieler Angriffsbemühungen meist in ihrem Keim ersticken, ansonsten war Meister-Goalie Leonardo Genoni zur Stelle.

Vier Tore in den letzten zehn Minuten

Im Schlussdrittel machte es den Anschein, als hätte das Heimteam alles unter Kontrolle. Das Zuger Publikum sehnte bereits den Schlusspfiff herbei. Doch plötzlich ertönte Jubel im spärlich gefüllten Gästesektor. Aus dem Nichts kamen die Bieler in der 51. Minute zum Ausgleich. Dabei hatte mit David Ullström ein weiterer Schwede seinen Stock im Spiel. Seinem Shorthander war ein Puckverlust der Zuger vorausgegangen. Das Heimteam war aber um eine Antwort nicht verlegen. Nur eine Minute riss es die Zuschauer von den Sitzen. Die vermeintliche 3:2-Führung durch Sven Senteler wurde von den Unparteiischen überprüft. Nach Videokonsultation wurde der Treffer gegeben. Ein knapper aber korrekter Entscheid. Doch Trainer Antti Törmänen nahm die Coaches Challenge. Er wollte eine Offsideposition überprüfen lassen. Nach erneutem Videostudium entschied das Schiedsdrichtergespann endgültig auf Tor.

Motivationsspritze für die nächsten Spiele

Wegen der misslungenen Challenge musste ein Bieler auf die Strafbank. Der Schwede Erik Thorell nutzte dies aus und bezwang Jonas Hiller mit einem satten Schuss. Die Schiedsrichter mussten erneut Videostudium betreiben, weil Jonas Hiller monierte, dass er behindert wurde – erfolglos. Der Anschlusstreffer des Ex-Zugers Damien Brunner markierte den Schlusspunkt einer ereignisreichen Partie.

«Es war sicher nicht eines der besten Spiele von uns, doch das Wichtigste sind die drei Punkte. Es war ein Sieg unserer mentalen Stärke», meinte Dan Tangnes. Der Erfolg würde viel Selbstvertrauen geben. Der Trainer freute sich vor allem für Torschütze Erik Thorell: «Er hatte während der langen Verletzungspause keine einfache Zeit. Aber jetzt kommt er immer besser in Form.» Carl Klingberg, der auf Seiten des EV Zug zum Mann des Spiels erkoren wurde, sagte mit trockenem Humor: «Wir Schweden hatten einen schönen Abend.»

Zug - Biel 4:3 (1:1, 1:0, 2:2)
7048 Zuschauer. - SR Hebeisen/Salonen, Altmann/Obwegeser. - Tore: 10. Künzle (Ullström) 0:1. 11. Klingberg (Hofmann, Alatalo) 1:1. 35. Lindberg (Alatalo/Ausschluss Fey) 2:1. 51. Ullström (Forster/Ausschluss Kreis!) 2:2. 52. Senteler (Martschini/Ausschluss Kreis) 3:2. 54. Thorell (Lindberg, Alatalo/Ausschluss Zehnder) 4:2. 56. Brunner (Ullström, Rajala/Ausschluss Zryd) 4:3. - Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Zug, 8mal 2 Minuten gegen Biel. - PostFinance-Topskorer: Hofmann; Rajala.

Zug: Genoni; Schlumpf, Geisser; Morant, Alatalo; Thiry, Zryd; Stadler; Martschini, Lindberg, Thorell; Klingberg, Kovar, Hofmann; Simion, Senteler, Zehnder; Langenegger, Albrecht, Leuenberger.

Biel: Hiller; Moser, Kreis; Rathgeb, Forster; Sataric, Salmela; Fey; Fuchs, Ullström, Rajala; Riat, Neuenschwander, Schneider; Brunner, Nussbaumer, Künzle; Tanner, Gustafsson, Tschantré; Kohler.

Bemerkungen: Zug ohne Bachofner, Bougro, Diaz, Schnyder und Zgraggen, Biel ohne Cunti, Hügli, Lüthi, Pouliot und Ulmer (alle verletzt). - Timeout Biel (59.). - Pfostenschüsse: Lindberg (13.), Hofmann (44.), Martschini (52.)