«So wenig Emotionen wie auf den Zuschauerrängen» – Der EV Zug verteidigt desolat und verpasst den Qualifikationssieg

Weil die Zuger im Geisterspiel gegen die ZSC Lions mit 4:1 verlieren, sind die Zürcher Qualifikationssieger. Im Playoff-Viertelfinal bekommt es der EV Zug mit Fribourg-Gottéron zu tun.

Philipp Zurfluh aus Zürich
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Vor leeren Zuschauerrängen verliert der EV Zug den Spitzenkampf gegen die ZSC Lions.

Vor leeren Zuschauerrängen verliert der EV Zug den Spitzenkampf gegen die ZSC Lions.

Bild: Claudio Thoma/freshfocus (Zürich, 29. Februar 2020)

In der 32. Minute hatte EVZ-Trainer Dan Tangnes genug gesehen. Während des Time-Outs nahm sich der Norweger die Spieler zur Brust und appellierte inständig an seine Mannschaft. Vorausgegangen war die 4:0-Führung der ZSC Lions, und dies mit gütiger Mithilfe der Zuger Verteidigung, die Goalie Leonardo Genoni an diesem Abend nicht zum ersten Mal im Stich liessen. Denis Hollenstein hatte alle Zeit und versenkte den Puck. Der erste Zuger Treffer in der 33. Minute durch Dario Simion war nicht mehr als Resultatkosmetik. Der Stürmer hatte zuvor 24 Spiele in Serie nicht mehr getroffen. Er ist nicht der einzige Zuger, der in einem Formtief steckt. Die Leistungen waren zuletzt enttäuschend. Bei vier der letzten fünf Partien verliessen die Zuger als Verlierer das Eis.

Ein angefressener EVZ-Sportchef redete nach dem Spiel Klartext:

«Wir müssen definitiv über die Bücher. So kann es nicht weitergehen», meinte Reto Kläy. «Auf dem Spielfeld hatten wir so wenige Emotionen wie auf den Zuschauerrängen. Jammern hilft jetzt auch nicht weiter. Es ist so, wie es ist.»
Leere Zuschauerränge im Zürcher Hallenstadion.
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Leere Zuschauerränge im Zürcher Hallenstadion.
Der Zürcher Reto Schaeppi (links) gegen den Zuger Sven Senteler.
Der Zürcher bejubeln den Qualifikationssieg.
Der Zürcher Pius Suter (rechts) erzielte sein 30. Saisontor.
ZSC-Spieler Maxim Noreau (rechts) stoppt den Zugs Topskorer Grégory Hofmann.
Die Zuger Lino Martschini (unten) und Oscar Lindberg stehen sich selbst im Weg.
Stürmer Denis Hollenstein jubelt nach dem vierten Tor der Lions.
Topskorer Pius Suter hat gut Lachen. Er schliesst die Saison als bester Skorer aller National-League-Teams ab.
Leere Zuschauerränge beim Einmarsch der Spieler ins Hallenstadion.
Leere Zuschauerränge im Zürcher Hallenstadion.
Leere Zuschauerränge im Zürcher Hallenstadion.
Information auf einer Tafel vor dem Zürcher Hallenstadion.
Leere Zuschauerränge im Zürcher Hallenstadion.
Leere Zuschauerränge im Zürcher Hallenstadion.

Leere Zuschauerränge im Zürcher Hallenstadion.

Bild: Walter Bieri/Keystone

«Bissed, kämpfet, macheds platt, de 1. Platz ghört id Limmatstadt», stand auf einem Banner, der in den oberen Rängen des Hallenstadions aufgehängt wurde. Die Zürcher nahmen sich diese Worte zu Herzen und waren über weite Strecken des Spiels die bessere Mannschaft. Der langzeit-verletzte EVZ-Spieler Fabian Schnyder, der die Partie auf der Medientribüne verfolgte, meinte: «Die Zürcher waren uns immer einen Schritt voraus, wir haben es ihnen zu einfach gemacht.»

Auf einem weiteren Banner war geschrieben: «Kein Meister ohni Playoffs». Doch genau dieses Szenario könnte eintreffen. Denn das Coronavirus, welches dazu führte, dass die beiden letzten beiden Runden in der Qualifikation ohne Publikum stattgefunden haben, gefährdet auch die Playoff-Spiele. Über das weitere Vorgehen in Bezug auf die Playoffs, die eigentlich am Samstag, 7. März, beginnen, entscheiden Liga und die Klubs im Rahmen einer ausserordentlichen Ligaversammlung am kommenden Montag, 2. März.

EV Zug im ersten Drittel kalt erwischt

Die Marschrichtung für den EV Zug war eigentlich klar: Sie wollten mit einem Auswärtserfolg den Qualifikationssieg unter Dach und Fach bringen. EVZ-Trainer Dan Tangnes erreichte an der Bande sogleich Betriebstemperatur und coachte lautstark sein Team. In der Anfangsphase war der EV Zug etwas präsenter. Doch mit der ersten gefährlichen Chance gingen die ZSC Lions in Führung. Denis Hollenstein war der Torschütze. Keine guten Noten verdiente sich dabei die Defensive der Gäste.

Nach dem Treffer ging bei den Zugern gar nichts mehr. Viel zu viele Fehlpässe prägten das Aufbauspiel. Die Zuger fanden kein Mittel, um ZSC-Goalie Lukas Flüeler ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Offensiv war der EV Zug über weite Strecken inexistent. Auf der anderen Seite zeigten die Zürcher eine unglaubliche Effizienz. Simon Bodenmann erhöhte in der 15. Minute auf 2:0. Leonardo Genoni liess sich dabei in der nahen Ecke erwischen.

ZSC-Stürmer Pius Suter zeigte in der 26. Minute, warum er saisonübergreifend der beste Stürmer war. Mit Tempo stürmte er auf Genoni los und versenkte den Puck kaltblütig in Manier eines Topskorers – es war sein 30. Saisontreffer. Suter tritt manchmal während eines Spiels nur wenig in Erscheinung. Aber wenn, dann heisst es Alarmstufe Rot für den Gegner. Ihn zeichnet eine unglaubliche Cleverness aus. Mit seinem 30. Saisontreffer sicherte sich der 23-Jährige auch den Sieg in der Topskorer-Wertung. Seit Damien Brunner (2012) ist er der erste Schweizer Spieler, der sich zum Topskorer der National League schiesst und damit alle Ausländer hinter sich lässt.

«Es tut weh»

Auf der anderen Seite war von Zugs Topskorer Grégory Hofmann fast nichts zu sehen. Ihm stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: «Es tut weh, dass wir die Tabellenführung nicht verteidigen konnten.» Er hofft, dass die kommenden Tage der Mannschaft helfen werden, um wieder neue Energie zu tanken.

«Eishockeyspielen ohne Publikum macht keinen Spass. Hoffentlich erhalten wir in den Playoffs wieder Unterstützung von den Fans.»

Ob sich seine Hoffnung bewahrheiten wird, steht noch in den Sternen.

ZSC Lions - Zug 4:1 (2:0, 2:1, 0:0)

Keine Zuschauer. - SR Wiegand/Fluri, Kaderli/Schlegel. - Tore: 9. Hollenstein 1:0. 15. Bodenmann (Hollenstein) 2:0. 26. Suter (Geering) 3:0. 32. Hollenstein (Bodenmann) 4:0. 33. Simion (Thorell, Alatalo/Ausschluss Berni) 4:1. - Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 7mal 2 Minuten gegen Zug. - PostFinance-Topskorer: Suter; Hofmann.

ZSC Lions:
Flüeler; Noreau, Marti; Jakkola, Geering; Trutmann, Berni; Phil Baltisberger; Pettersson, Krüger, Suter; Bodenmann, Diem, Hollenstein; Chris Baltisberger, Prassl, Wick; Sigrist, Schäppi, Pedretti; Simic.

EV Zug: Genoni; Diaz, Morant; Thiry, Alatalo; Zgraggen Geisser; Zryd, Stadler; Klingberg, Kovar, Hofmann; Martschini, Lindberg, Thorell; Simion, Senteler, Bachofner; Leuenberger, Albrecht, Zehnder.

Bemerkungen:
ZSC Lions ohne Roe (krank), Blindenbacher und Ortio. Zug ohne Schnyder, Schlumpf (alle verletzt) und Martinsen (überzähliger Ausländer). - Timeout Zug (32.). - 47. Pfostenschuss Chris Baltisberger. - Zug ab 58:50 ohne Goalie.