Sportchef Kläy kratzt die Kurve

LZ-Sportchef Andrea Ineichen zu den Playoff-Verstärkungen für den EV Zug

Andreas Ineichen, Sportchef
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LZ-Sportchef Andreas Ineichen. (Bild: Corinne Glanzmann)

LZ-Sportchef Andreas Ineichen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Eigentlich ist es egal, wie die neuen Ausländer des EV Zug heissen und was sie im Playoff taugen. Zumindest für Reto Kläy, den Sportchef der Zuger. Mit der gestrigen Verpflichtung der Finnen Matti Järvinen (27) für den Sturm und Jussi Markkanen (41) als Absicherung für Stammgoalie Tobias Stephan hat er beim NLA-Dritten für den nötigen Support im Hinblick auf die entscheidende Meisterschaftsphase gesorgt (beide mit Vertrag bis Saisonende) und seine eigene Position im Verein in Sicherheit gebracht.

Warum? Trotz zwei 3:5-Niederlagen in den letzten beiden Spielen gegen Davos und Lugano: Der EV Zug hat nach dem Playoff-Debakel im Frühjahr 2016 die Erwartungen bislang deutlich übertroffen. Im Kampf mit den Branchenleadern Bern und ZSC Lions kann er noch immer Qualifikationssieger werden oder sich als Zweiter nach wie vor ein Ticket für den nächsten Bewerb der Champions League sichern. Der EVZ als volatile Spektakel-Truppe ist passé – in den letzten Wochen und Monaten hat er sich mit einem auf die Fähigkeiten des Teams massgeschneiderten System, harter Arbeit und einer Mentalität, die das Wort Aufgeben nicht im Vokabular führt, den Respekt der Konkurrenz erarbeitet. Dieser EVZ scheint tauglicher zu sein fürs Playoff als die letzten beiden Ausgaben. Und diese erfreuliche Entwicklung ist vor allem das Verdienst von Trainer Harold Kreis.

Also was, wenn es Kläy wie in der letzten Saison nicht gelungen wäre, Verstärkung fürs Playoff zu beschaffen? Im Misserfolg wäre seine eigene Personalie ins Zentrum gerückt. Als Sportchef hätte er dreimal in Folge ein Ausscheiden des EVZ in den Viertelfinals zu verantworten gehabt. «Das hätte ein zünftiges Theater gegeben», ist sich Kläy bewusst.

Den nächsten Playoffs hat der EV Zug eine noch grössere Bedeutung gegeben, als sie für die Bewertung der Güte eines Saisonverlaufs ohnehin schon haben.Früh in dieser Qualifikation hat der EV Zug kommuniziert, dass Vertragsverhandlungen mit den Trainern (Harold Kreis und Assistent Waltteri Immonen) und den Ausländern (Captain Josh Holden, Jarkko Immonen und Carl Klingberg) erst nach dem im März beginnenden Meisterschaftsfinale aufgenommen werden. Ihre Verträge laufen im Mai dieses Jahres aus. Gleichzeitig hat der Klub das ganze Vorgehen zur Chefsache (im Namen von CEO Patrick Lengwiler) erklärt. Da kann es nun wirklich nicht schaden, wenn der Sportchef seine eigene Haut vor möglichen Sturmschäden bewahrt – oder diese im Glanze des Ruhms sonnen lässt. Kläy hat die Kurve im Finale der Qualifikation gekratzt. Er hat alles unternommen, ob es nun so oder so rauskommt.

Die Verantwortung fürs gute Gelingen liegt seit gestern erst recht bei Kreis und seinen Mannen. Ob das den Cheftrainer nervös macht? Nein, davon ist nicht auszugehen. Die Saison hat ihn gestählt. Denn Kreis ist seit Saisonbeginn sportlich betrachtet ein «dead man walking». Dass es der 58-jährige Deutsch-Kanadier als EVZ-Trainer bis in den Februar geschafft hat, ist schon ein kleines Wunder. Die Skepsis im EVZ-Umfeld war und ist nach zweifachem Out in den Playoff-Viertelfinals gross, und die Rückendeckung hat ihm die sportliche Leitung der Zuger früh entzogen.

Kreis ist als zweifacher Meistertrainer (2006 mit Lugano, 2008 mit den ZSC Lions) nicht auf der Brotsuppe dahergeschwommen. Aber jetzt muss er liefern mit seinem EVZ-Team.