Staerkle: «Ich träume vom Meistertitel

Beim EV Zug beginnt mit dem Saisonstart gegen Davos (Freitag, 19.45, Bossard-Arena) ein neues Zeitalter. Im Interview spricht Präsident Roland Staerkle über die Lohnspirale und seinen Optimismus.

Interview Nicola Berger
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Roland Staerkle, der Präsident des EV Zug. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Roland Staerkle, der Präsident des EV Zug. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Roland Staerkle, mit welchen Gefühlen steigt der EVZ-Präsident in die neue Saison?

Roland Staerkle:Ich bin nicht euphorisch, aber optimistisch. Ich freue mich darauf, dass es endlich wieder losgeht.

Rund um den Klub wirkt es, als hätte es die desolate Saison 2013/14 nie gegeben.

Staerkle:Bei mir ist das vergangene Jahr schon noch präsent. Aber ich bin davon überzeugt, dass es sich nicht wiederholen wird.

Mit Harold Kreis ist ein neuer Trainer da, mit Reto Kläy ein anderer Manager. Wie stark hat der Wechsel der sportlichen Führung den Verein verändert?

Staerkle: Der Umbruch war nötig und kam zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin sehr glücklich, dass Harold Kreis jetzt bei uns an der Bande steht.

Was ist unter ihm anders als bei Doug Shedden?

Staerkle:Er hat einen anderen Wortschatz, einen anderen Charakter, ein anderes Auftreten. Dadurch hat sich auch die Mentalität der Mannschaft verändert. Kreis kann sehr gut mit Menschen umgehen.

Wie äussert sich das?

Staerkle: Kreis hat eine sehr integrative Art und nimmt sich für alle Zeit. Er strahlt gleichzeitig Offenheit, Gelassenheit und Seriosität aus.

Auf dem Platz Zug ist Seriosität ja praktisch das Geschäftsmodell. Da scheint Kreis perfekt zu passen.

Staerkle: Das kann man so sehen, ja.

Der Trainer coacht die teuerste EVZ-Equipe der Vereinsgeschichte. Wie kommt es, dass der Verwaltungsrat gerade auf diese Saison hin so umfassende Investitionen bewilligt hat?

Staerkle: Das hat verschiedene Faktoren.Die Initialzündung war sicherlich, dass es uns im Winter 2012 gelang, Tobias Stephan unter Vertrag zu nehmen.

Ohne den Stephan-Transfer wäre also vieles anders gekommen?

Staerkle:Das ist möglich, ja. Nun versuchen wir, das Puzzle zu vervollständigen.

Die Lohnkosten steigen, dazu hat der EVZ letztes Jahr zwei Restaurantbetriebe übernommen und die Hockey Academy aus dem Boden gestampft. Wie bezahlen Sie das alles?

Staerkle:Nach dem Einzug in die Bossard-Arena mussten wir Kredite zurückzahlen. Diese Altlasten sind nun weitgehend getilgt. Wir haben in den letzten Jahren seriös gearbeitet und ein gewisses Polster geschaffen. Aber wir sind weiterhin auf das Mäzenatentum und auf Gönner angewiesen. Und natürlich habe ich die Hoffnung, dass mit guten Leistungen der Zuschauerschnitt angehoben werden kann.

Ihr Verwaltungsratskollege Hans-Peter Strebel hat eine Million Franken à fonds perdu für die Academy gespendet. Deckt er auch den Fehlbetrag im Budget des Profiteams?

Staerkle: Sein Engagement konzentriert sich sehr stark auf die Academy und den Nachwuchsbereich. Seine Grosszügigkeit hinterlässt aber an vielen Stellen im EVZ wertvolle und generöse Spuren.

Die Lohnspirale dreht unaufhaltsam gegen oben. Ärgert Sie das?

Staerkle: So ist das Geschäft, wir bewegen uns in einer freien Marktwirtschaft. Es gibt zwei Optionen: Entweder wir zahlen die Löhne, bleiben kompetitiv und spielen um die Meisterschaft. Oder wir holen B-Spieler sowie Nachwuchskräfte und revidieren das Saisonziel auf den Klassenerhalt.

Die Verträge von Leistungsträgern wie Reto Suri und Santeri Alatalo laufen aus, bei beiden wird eine Lohnerhöhung fällig. Gibt es beim Budget noch Raum nach oben?

Staerkle:Das haben wir noch nicht besprochen. Aber im Prinzip haben wir jetzt einen Grundstock erreicht, bei dem es nicht endlos nach oben gehen wird. Man wird Prioritäten setzen müssen.

Der alte Trainer Doug Shedden steht noch immer auf der Lohnliste.

Staerkle: Das ist richtig. Nach meinen Informationen stand er schon mehrfach kurz vor einem Engagement. Ich hoffe, dass er bald einen Job findet, das würde ich ihm gönnen. Man darf nicht vergessen, dass wir ihm viel zu verdanken haben. Es ist einfach so, dass nach sechs Jahren ein Schnitt nötig war.

Was, wenn sich die Horrorsaison wiederholt und der EVZ abermals mit einem Minus abschliesst?

Staerkle: Daran verschwende ich keinen Gedanken. Aber ich kann sagen: Wir sind für alle Fälle gewappnet.

Also müssten Sie auch dann nicht auf dem Postplatz betteln gehen – wie Sie es einmal als Bonmot formulierten?

Staerkle: Absolut nicht, nein (lacht).

Sie führen den EVZ nun im neunten Jahr als Präsident an und haben immer betont, in Ihrer Ära einen Meistertitel feiern zu wollen. Sehen Sie die Meisterschaft nun am Horizont?

Staerkle:Man kann das nicht planen, es müssen viele Zahnräder ineinandergreifen. Aber natürlich träume ich vom Titel, das ist doch normal.

Das Saisonziel ist mit einem Platz unter den ersten sechs Teams moderat formuliert.

Staerkle: Das stimmt, aber man darf nicht vergessen: Die Saison wird kein Selbstläufer. Es wird Hochs und Tiefs geben. Es geht darum, dass wir uns eine gute Ausgangslage fürs Playoff schaffen. Dort wollen wir angreifen.