Strenge Kontrollen: EVZ verärgert Gästefans

«Wir fühlen uns wie Verbrecher», klagt der Fan-Delegierte des HC Davos. Grund dafür sind die strengen Sicherheitskontrollen in der Bossard-Arena. Der EVZ überlegt sich nun sogar, die Ausweise der Gästefans zu kontrollieren und diese zu fotografieren.

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In der vergangenen Saison haben die Davoser Fans in der Bossard-Arena noch mit Doppelhaltern gefeiert. (Bild: Keystone)

In der vergangenen Saison haben die Davoser Fans in der Bossard-Arena noch mit Doppelhaltern gefeiert. (Bild: Keystone)

Die Eishockeyfans des HC Davos sind aufgebracht. Die Davoser spielen am 21. Oktober in der Bossard-Arena, und die Fans der Bündner hätten dafür «ein Choreo- und Doppelhalterverbot auferlegt erhalten», sagt Fandelegierter Remo Pinchera. Ein Doppelhalter ist eine Fahne, die an zwei Stangen befestigt ist und mit zwei Händen gehalten wird; eine Choreo bezeichnet die Show der Fans zu Beginn eines Matchs.

«Ebenfalls wird von uns verlangt», so Pinchera, «dass wir unser Fanmaterial anmelden und vor dem Spiel ‹untersuchen› lassen.» Solche Einschränkungen seien unverständlich. «Wir fühlen uns wie Verbrecher, nicht wie Eishockeyfans, die Fankultur wird zerstört», sagt Pinchera. Auch im Fanforum des HCD werden die Massnahmen heftig kritisiert. Kein Verständnis gibt es vor allem für die Tatsache, dass die Vorschriften nicht für die Anhänger des EVZ gelten.

Nur nomale Fahnen sind erlaubt
EVZ-Sicherheitschef François Stocker kann die Aufregung jedoch nicht verstehen. «In Zug gilt seit drei Jahren die Regel, dass jegliches Fanmaterial der Gäste bewilligt werden muss.» Stocker verweist auf die Liste der verbotenen Gegenstände, die der Klub der National League Anfang Saison übermittelt hat. Diese wiederum leitete die gesammelten Vorschriften der Vereine an alle Fandelegierten weiter. Auf der Liste des EV Zug ist ersichtlich, dass in der Bossard-Arena vom Megaphon bis zu Schirmen vieles nicht erlaubt ist – «solange wir dafür keine Bewilligung erteilen», sagt Stocker. Normale Fahnen könnten beispielsweise fast alle ins Stadion genommen werden, «aber Doppelhalter wollen wir keine im Gästesektor.»

Auswärtige Fans fotografieren?
Stocker verteidigt das Vorgehen des Klubs. «Es geht um die Sicherheit und die Kosten, die dadurch entstehen.» Gerade der jüngste Kantonsratsentscheid, dem EVZ die polizeilichen Leistungen zu 60 Prozent in Rechnung zu stellen, erfordere drastische Massnahmen. «Wir haben keinen Spielraum und müssen hart durchgreifen, damit der EVZ am Ende nicht wegen ruinöser Sicherheitszahlungen zu Grunde geht», sagt Stocker. Und erhält Unterstützung vom EVZ-Fandelegierten Mario Vassanelli. «Unsere Fans verursachen zu Hause kaum Kosten, die Gäste treiben diese in die Höhe.» Aus diesem Grund überlegt sich der Klub auch, die Personalausweise der Gästefans zu kontrollieren und diese zu fotografieren.

Der Sicherheitschef erntet mit diesen Plänen gleich nochmals heftige Kritik. «Wie soll das gehen? Wir kommen jeweils mit 300 bis 400 Leuten nach Zug. Da dauert es ewig, bis alle im Stadion sind», sagt Andy Bernhardsgrütter von den ZSC Lions. Gleich argumentiert Remo Pinchera. «Ich habe nichts zu verbergen, aber weshalb soll ich mich fotografieren lassen?»

Ablehnung gegen eine solche rigorose Sicherheitskontrolle kommt auch aus den eigenen Reihen. Im Fanforum des EVZ heisst es «Blödsinn, Riesenaufwand», «unmenschlich» und «sehr übertrieben». Mario Vassanelli kann verstehen, dass sich eigene Fans gegen solche Massnahmen wehren. «Aber die Sicherheit geht vor.»

Doch was, wenn es den Gästefans reicht und sie nicht mehr an EVZ-Heimspiele reisen? Dass es bereits in wenigen Tagen zu einem Boykott kommen könnte, lassen Aussagen im HCD-Fanforum erahnen. «Bleibt zu Hause», appelliert einer, «wir sollten einen Text formulieren und die (Gäste)-Fans dazu aufrufen, die Bossard-Arena zu meiden», lautet ein anderer Beitrag. EVZ-Fan Reto Graf hält es für gut möglich, dass es einst zu einem Boykott kommen könnte. Im Hinblick auf das anstehende Spiel gegen den HCD beruhigt Remo Pinchera aber noch: «Am 21. Oktober kommen wir nach Zug.» Ob die Fans jedoch für den nächsten Match in die Zentralschweiz reisen, müsse noch diskutiert werden.

Yvonne Anliker / Neue ZZ

Den ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie in der Zuger Ausgabe der «Zenralschweiz am Sonntag» vom 16. Oktober.