Tabellenführung ist weg – Überragender Pius Suter schenkt dem EV Zug vier Tore ein

Die ZSC Lions gewinnen mit 4:1 und entthronen den EV Zug. Die Zürcher fallen durch Effizienz auf – die Zuger durch ein schwaches Powerplay.

Philipp Zurfluh
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ZSC-Topskorer Pius Suter und Christian Marti haben Grund zum Jubeln.

ZSC-Topskorer Pius Suter und Christian Marti haben Grund zum Jubeln.

Bild: Marc Schumacher / freshfocus (Zug, 22. Februar 2020)

Eine Minute vor Ende des Spiels verlassen viele enttäuschte Zuschauer fluchtartig die Bossard-Arena. Soeben hatte Stürmer Pius Suter zum 4:1-Endstand getroffen. Es war sein vierter persönlicher Treffer in diesem Spiel und war die definitive Entscheidung im Duell der beiden heissen Titelaspiranten. Der Topskorer der Zürcher war der herausragende Akteur an diesem Abend. Mittlerweile ist der 23-Jährige bei 29 Saisontoren und insgesamt 51 Skorerpunkten angelangt – eine überragende Bilanz. Die Topskorer-Krone wird ihm wohl kaum mehr zu nehmen sein.

«Diese vier Tore sind kein Zufall. Er arbeitet unglaublich hart in den Trainings. Ich gönne es ihm von Herzen», meinte ZSC-Goalie Lukas Flüeler nach dem Spiel, der mit 24 abgewehrten Schüssen eine starke Partie zeigte. Der Tatsache, dass die ZSC Lions dem EV Zug die Tabellenführung weggeschnappt haben, misst der Goalie wenig Bedeutung bei. «Klar steht man am Schluss gerne zuoberst, doch bei Playoff-Start beginnt alles wieder von vorne.» Laut Flüeler habe das Spiel bereits Playoff-Charakter gehabt. Aber: «Wir brauchen noch die letzten beiden Partien, um am 7. März definitiv bereit zu sein», ergänzte der sichere Zürcher Rückhalt. Dann wird die erste Runde der Playoff-Viertelfinals ausgetragen.

Zu wenig gemacht aus den Überzahlsituationen

Anders sah die Gemütslage auf Zuger Seite aus. «Wir hätten genug Chancen gehabt, um die Partie in andere Bahnen zu lenken. Vor allem in doppelter Überzahl haben wir zu wenig kreiert», sagte Captain Raphael Diaz. Während 14 Minuten konnten die Zuger in Überzahl agieren –  erfolglos. «Wir müssen im Abschluss wieder effizienter werden. Das war sicher einer der Faktoren, die zur Niederlage beigetragen haben.» Die Position in der Rangliste sei zweitrangig. «Wir müssen uns nur auf uns konzentrieren und am Dienstag gegen Fribourg wieder besser spielen.»

Die Vorzeichen standen eigentlich gut, dass der EV Zug mit einem Sieg gegen die ZSC Lions den Vorsprung in der Tabelle hätte ausbauen können. Die vier bisherigen Direktduelle gingen alle zu Gunsten der Zuger aus. Doch schon nach nicht mal zwei gespielten Minuten musste der EVZ einem Rückstand hinterherrennen. Goalie Leonardo Genoni war gegen einen präzisen Schuss von Pius Suter ins hohe Eck machtlos. Dem Powerplay-Tor war ein Beinstellen von Oscar Lindberg vorausgegangen. Für Goalie Genoni endete mit diesem Gegentor eine eindrückliche Serie. 131 Minuten am Stück hatte der 32-Jährige in Heimspielen das Zuger Gehäuse sauber gehalten.

3 Zuger Strafen in den ersten sieben Minuten

Was im ersten Drittel zu reden gab, waren beidseitig Undiszipliniertheiten, die die Startphase prägten und somit wenig Spielfluss zu Stande kam. Beide Mannschaften mussten je drei Zwei-Minuten-Strafen absitzen. Nach sieben Minuten musste mit Raphael Diaz bereits der dritte Zuger auf der Strafbank Platz nehmen. Die Zentralschweizer machten sich selbst das Leben schwer mit teilweise haarsträubenden Puckverlusten, welche dazu führten, dass die ZSC Lions immer wieder gefährlich vor dem Zuger Tor auftauchten. Das Schussverhältnis von 16:6-Torschüssen für die ZSC Lions untermauerte dies.

Thomas Thiry erzielt ersten Saisontreffer

Eine schöne Premiere erlebte an diesem Abend Thomas Thiry. Der EVZ-Verteidiger, der zum SC Bern wechselt, erzielte in der 24. Minute den Ausgleichstreffer und sein erstes Saisontor. Wer dachte, dass mit dem Ausgleich mehr Ruhe und Genauigkeit ins Zuger Aufbauspiel kommt, hatte sich getäuscht. Pius Suter wurde von seinem kongenialen Sturmpartner Garrett Roe herrlich freigespielt. Suter liess sich nicht zweimal bitten und vollendete in Manier eines Topskorers. Die Zuger bekundeten im zweiten Drittel Pech mit der Torumrandung. Grégory Hofmann und Dario Simion waren die Sünder. 30 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels zeigte Meister-Goalie Genoni eine Wahnsinns-Parade. Auf eine mirakulöse Art und Weise verhinderte er den dritten Zürcher Treffer.

Der Genoni-Reflex hätte die Wende hervorbringen können. Die Zuger warfen nochmals alles in die Waagschale und setzten ZSC-Goalie Lukas Flüeler unter Beschuss. Der Ausgleich der Zuger wäre zu diesem Zeitpunkt nicht verdient gewesen, doch sie sündigten im Abschluss. Mann des Spiels Pius Suter sorgte mit zwei Toren ins verwaiste Zuger Gehäuse für den Endstand. Es war letztmals Ende Oktober der Fall, als der EV Zug in zwei aufeinanderfolgenden Spielen das Feld als Verlierer verlassen musste.

Zug - ZSC Lions 1:4 (0:1, 1:1, 0:2)
7117 Zuschauer. - SR Stricker/Hungerbühler, Kovacs/Ambrosetti.

Tore: 2. Suter (Pettersson, Noreau/Ausschluss Lindberg) 0:1. 24. Thiry (Leuenberger) 1:1. 28. Suter (Roe, Chris Baltisberger) 1:2. 59. Suter (Marti/Ausschluss Lindberg; Roe) 1:3 (ins leere Tor). 60. (59:07) Suter (Ausschluss Lindberg; Roe) 1:4 (ins leere Tor).

Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Zug, 7-mal 2 Minuten gegen ZSC Lions.

Zug: Genoni; Diaz, Zgraggen; Thiry, Alatalo; Schlumpf, Geisser; Zryd, Stadler; Klingberg, Lindberg, Martinsen; Martschini, Kovar, Hoffman; Simion, Senteler, Bachofner; Leuenberger, Albrecht, Zehnder.

ZSC Lions: Flüeler; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Chris Baltisberger, Roe, Suter; Bodenmann, Krüger, Hollenstein; Pettersson, Diem, Sigrist; Simic, Schäppi, Pedretti.

Bemerkungen: Zug ohne Schnyder und Morant (beide verletzt) sowie Thorell (überzähliger Ausländer), ZSC Lions ohne Blindenbacher, Prassl, Wick und Ortio (alle verletzt) sowie Jakola und Pettersson Wentzel (überzählige Ausländer). - Pfosten: 31. Martschini, 35. Simion. - 58:00 Timeout Zug, anschliessend bis 58:09 sowie ab 58:59 bis 59:07 ohne Torhüter.