Interview

Tobias Geisser ist zurück aus Amerika: «Die Rückkehr nach Zug ist eine Herzensangelegenheit»

Am Dienstag spielt Tobias Geisser in Lausanne erstmals nach seiner Rückkehr aus Nordamerika wieder für den EVZ.

Yannick Ringger
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Tobias Geisser (rechts) bei einem Einsatz für die Hershey Bears.

Tobias Geisser (rechts) bei einem Einsatz für die Hershey Bears.

Bild: Randy Litzinger/Getty (Hershey, 28. November 2018)

Seit gut einer Woche trainiert Tobias Geisser wieder in Zug, nachdem der EVZ den Verteidiger bis Ende Saison von der Organisation der Washington Capitals ausleihen konnte. Der 20-Jährige hat sich unter Harold Kreis 2017/18 als EVZ-Stammspieler durchgesetzt. Danach wagte Geisser den Sprung nach Übersee, wo er bei den Hershey Bears in der American Hockey League eingesetzt wurde. Nach einer soliden ersten Saison musste er zuletzt hartes Brot essen: Nur siebenmal wurde er in dieser Saison eingesetzt – die fehlende Spielpraxis ist der Hauptgrund für die vorzeitige Rückkehr in die Schweiz.

Wie fühlt es sich an, wieder in Zug zu sein?

Tobias Geisser: Es ist sehr schön. Ich habe mich sehr gefreut, als ich das Telefon mit dem Vollzug des Wechsels erhalten habe. Ich freue mich auf die Familie, die Kollegen, aber auch das Team und die Tatsache, dass ich wieder Eishockey spielen kann. Ich kenne schon alles hier und es ist schön zurückzukommen. Die Rückkehr nach Zug war für mich eine Herzensangelegenheit.

Wie ist der Entscheidungsprozess zur Rückkehr zum EVZ abgelaufen?

Das hat sich im Verlauf der Saison entwickelt. Die Coaches in Hershey haben mich nicht viel eingesetzt. So habe ich eine Entscheidung getroffen, die die Beste für meine sportliche Entwicklung sein soll. Es kann immer schnell gehen mit Verletzungen oder Transfers, aber die aktuelle Situation in Hershey hat meine Entwicklung nicht gefördert.

Vollzog sich der Wechsel nach Ihrem Entschluss schnell?

Ja, das war eine Sache von wenigen Tagen. Innert so kurzer Zeit das Umfeld zu wechseln, war eine neue Situation für mich. Ich habe noch nie einen Klub während der Saison gewechselt. Es ist sicher eine Herausforderung, damit mental umzugehen. Aber die Zuger Verantwortlichen helfen mir gut, das Team hat mich gut aufgenommen. Es hilft zudem, dass ich die meisten Mannschaftskollegen aus vergangenen Jahren und dem Training im Sommer kenne.

CEO Lengwiler spricht Klartext

ue Der EV Zug hat sich den Titel in Meisterschaft, Cup und Champions Hockey League zum Ziel gesetzt. Aber noch vor dem Jahreswechsel musste er sich von zwei Wettbewerben vorzeitig verabschieden: Im Cup-Viertelfinal verlor er als Titelverteidiger gegen die Rapperswil-Jona Lakers, in der Champions League scheiterte er in der Runde der letzten acht an Mountfield HK. Dem EVZ bleibt also nur noch die Meisterschaft. Im Newsletter des Klubs findet CEO Patrick Lengwiler deutliche Worte: «Innert zwei Wochen haben wir zwei K.-o.-Spiele klar verloren. Topteams gewinnen solche Spiele – es zeigt uns auf, dass wir noch kein Topteam sind und noch viel Arbeit vor uns haben, wenn wir zum Playoff-Start ein solches sein wollen.» Vor Weihnachten bestreiten die Zuger noch vier Partien. Heute in Lausanne wird der zuletzt angeschlagene Stürmer Sven Leuenberger wieder dabei sein. Auch die Offensivkräfte Sven Senteler und Erik Thorell, die wegen Verletzungen längere Zeit ausgefallen sind, stehen vor dem Comeback. «Sie hinterlassen im Training einen guten Eindruck. Jetzt warten wir auf den Entscheid der Ärzte», sagt Trainer Dan Tangnes. «Ich hoffe, dass beide noch in dieser Woche wieder spielen werden.» (ars)

Sie haben diese Saison viele Spiele auf der Tribüne verbracht. Haben Ihnen die Coaches der Hershey Bears begründet, weshalb Sie nicht mehr eingesetzt wurden?

Von sich aus haben sie mir nie Gründe angegeben. Mit der Zeit habe ich sie gefragt. Es ist schwierig zu sagen, denn ich finde, dass ich die Leistung immer gebracht habe. Das Problem ist, dass sie viel zu viele Spieler unter Vertrag hatten und es somit schwierig war, alle zufriedenzustellen, da jeweils nur sechs Verteidiger spielen können. Die Coaches haben mir auf Nachfrage schon Gründe genannt. Aber Gründe findet man immer.

Wie sind Sie mit dieser schwierigen Situation ­umgegangen?

Es ist sicher frustrierend, wenn man viel trainiert, aber nicht belohnt wird. Die Familie hat mir viel geholfen in jener Zeit, auch mit dem Agent und anderen Spielern, die in einer ähnlichen Situation waren, habe ich viel gesprochen.

Im Hinblick auf Ihre Zukunft in Hershey klingt dies nicht vielversprechend. Hoffen Sie nun darauf, dass sich in Hershey etwas ändert oder dass Sie ein Zugeständnis seitens der Organisation für mehr Spielpraxis erhalten?

Selbstverständlich hoffe ich, dass sich etwas ändert. Auch das Management der Organisation hat mir gesagt, dass Änderungen vorgenommen werden müssen. Was genau passieren wird, ist jedoch unklar. Im Sommer werde ich abwägen müssen, wie die Situation aussieht und dann weiterschauen. Allerdings hat mich die Organisation (der Washington Capitals, Anm. d. Red.) unter Vertrag und entscheidet letztlich, wo ich spielen werde.

Haben Sie rückblickend das Gefühl, dass Sie noch ein paar Jahre in Zug hätten bleiben sollen, um erst dann den Sprung nach Nord­amerika zu wagen?

Nein, dieses Gefühl habe ich nicht. Letztes Jahr konnte ich extrem viel profitieren und spielen. Es war eine tolle Erfahrung, sich in einem anderen Land zurechtzufinden. Auch auf dem Eis habe ich viele Fortschritte gemacht.

Wovon habe Sie am meisten profitiert?

Der Konkurrenzkampf in Nordamerika ist sicher nochmals viel höher. Mental stellt das eine Herausforderung dar. Du musst in jedem Spiel und Einsatz voll bereit sein. Auf dem Eis habe ich ein neues Spielsystem gelernt. Neben dem Eis musste ich vieles selber organisieren, beispielsweise mit der Wohnung, dem Auto oder der Versicherung. Das hilft einem, selbstständiger zu werden. Zudem habe ich gelernt zu kochen.

Haben Sie sich auch einsam gefühlt – so alleine in einem anderen Land und Umfeld?

Am Anfang sicher. Aber alle Spieler, die dort sind, haben ihr Zuhause verlassen. Insofern ist es eine Zweckgemeinschaft von Menschen mit demselben Ziel. Dies hilft, um einander zu unterstützen. Mit einem Mitspieler habe ich sogar im selben Gebäude zusammengewohnt.

Sprechen wir noch kurz über die unmittelbare Zukunft in Zug. Welches sind Ihre persönlichen Ziele für den Rest der Saison mit dem EVZ?

Ich möchte eine wichtige Rolle im Team übernehmen und mich möglichst gut entwickeln. Ich hatte schon ein paar Treffen mit Trainer Dan Tangnes, damit ich mich an das Spielsystem gewöhnen kann.