TRAINER: Doug Shedden: «Zug ist ein schöner Flecken»

Doug Shedden ersetzt Sean Simpson an der Bande des EV Zug. Die beiden kennen sich seit über 30 Jahren und sind gute Freunde.

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Doug Shedden. (Bild Lehtikuva/Marja Airio)

Doug Shedden. (Bild Lehtikuva/Marja Airio)

«Doug Shedden ist die ideale Besetzung für den EVZ. Er spielt das Hockey, das zu uns passt – kanadisch und aggressiv. Er führt die Mannschaft konsequent, eine Eigenschaft, die wir als Vorgabe an unseren neuen Trainer stellten.» Das sagt der EVZ-Sportmanager Patrick Lengwiler, angesprochen auf die Verpflichtung des kanadischen Trainers. Shedden hat beim EV Zug einen Zweijahresvertrag unterschrieben, mit einer Option auf ein weiteres Jahr. Shedden zu seinem Engagement beim EVZ:

Sie sind, wie man hört, ein Freund von Sean Simpson. Was hat er Ihnen über den EVZ gesagt?
Doug Shedden: Sean und ich sind sehr gute Freunde, wir kennen uns seit mehr als 30 Jahren. Ich habe mich gar nicht wohl gefühlt in der Situation als möglicher Nachfolger meines Freundes. Darum überliess ich die Entscheidung dem Klub. Letztlich ist aber Sean für mein Engagement mitverantwortlich, hat er mir doch sehr viel positives über den EVZ berichtet.

Wen kennen Sie sonst noch bei Zug?
Shedden: Trevor Meier kenn ich schon recht lange. Schade, verlässt er den EVZ.

Sie waren Coach von Josh Holden, bei den St. John's Meaple Leafs in der AHL. Was können Sie unseren Lesern über ihn erzählen?
Shedden: Ich bin ein grosser Fan von Holden und sicher, dass er dem EVZ viel bringen wird. Die Supporter werden an ihm bestimmt ihre Freude haben.

Kennen Sie auch Dale Mc Tavish?
Shedden: Nein, ich habe Mc Tavish «nur» spielen sehen, als ich vor drei Wochen in Zug war. Er hat mich sehr beeindruckt.

Und Paul di Pietro?
Shedden: Ach, ich kenne Paul schon ewig. Er hat mir erzählt, dass ich sein Idol gewesen sei, als ich in den 80er-Jahren bei den Sault Ste. Marie Greyhounds gespielt habe. Da war er erst etwa zehn Jahre alt.Wir sind uns dann immer wieder begegnet, wie zum Beispiel beiden Maple Leafs. «Pauli» ist ein ulkiger und fröhlicher Kerl. Wir werden bestimmt zusammen viel Spass haben.

Was wissen Sie über das Schweizer Eishockey?
Shedden:  Ich war 1992/93 ein halbes Jahr in Davos und habe da nicht viel Anderes als anderswo gesehen. Möglicherweise ist im Mentalen ein geringer Unterschied festzustellen.

Und jetzt wechseln Sie vom schönen Finnland in die Schweiz. Was wissen Sie über unser Land?
Shedden:  (lacht) Die Schweiz ist sicher «heller» als Finnland, wo im Moment die Tage sehr kurz sind. Ihr habt ein wunderschönes Land mit Bergen und Seen, ein herrlicher Ort um zu leben und zu arbeiten. In der Schweiz werden nun zwei meiner Töchter aufwachsen und in die Schule gehen. Die Dritte studiert in Nordamerika.

Was wissen Sie über Zug?
Shedden: Ich war, wie gesagt, vor drei Wochen da und ich war sehr angetan. Zug ist ein wirklich schöner Flecken Erde.

Was wissen Sie über den EVZ?
Shedden: Zug stellt ein konkurrenzfähiges Team, das ja im Moment den dritten Platz der Liga belegt. Mehr kann ich aber erst sagen, wenn ich eine Weile mit dem Team gearbeitet habe.

Was sind Ihre Erwartungen in Zug und mit dem EVZ?
Shedden: Ich muss mir zuerst ein Bild machen und kann erst dann meine Erwartungen und Möglichkeiten definieren.

Hat Travis Green in Ihrem Team Platz?
Shedden: Sportmanager Patrick Lengwiler und ich werden uns an den Tisch setzten und jede Position und jeden Spieler genau analysieren und anschauen. Dann werden wir entscheiden, wen wir wo brauchen können, oder eben nicht.

Haben Sie denn ein paar gute Spieler in Ihrem «Hosensack», die Sie nach Zug mitnehmen können?
Shedden: Ich habe einige Spieler im «Hosensack». Es gehört zu meinem Metier, viele gute Spieler zu kennen, und mich mit ihnen regelmässig in Verbindung zu setzten.

Was erwarten Sie von der Weltmeisterschaft als Trainer der Finnen?
Shedden: Das ist im Moment äusserst schwer abzuschätzen. Finnland hat enorm viele gute Spieler, die in der NHL beschäftigt sind. Darum kommt es sehr darauf an, welche Teams die Playoffs verpassen, und welche Spieler dann für die Nationalmannschaft zur Verfügung stehen. Wir haben zwar hier in Finnland ebenfalls viele gute Spieler, die können jedoch mit den finnischen Superstars der NHL nicht mithalten.

Charly Keiser, Neue Zuger Zeitung

Doug Shedden: Ein Pokerface für den EVZ

Seine Doppelfunktion als Trainer von Jokerit Helsinki und der finnischen Nationalmannschaft verdankt Doug Shedden – seiner Nationalität. «Weil die WM in Kanada stattfindet», erklärt Tom Ratschunas, einer der besten Kenner des Suomi-Eishockeys, «wollte der Verband einen Kanadier als Nationalcoach.» Sein Assistent Jukka Jalonen wird nach dem Saisonende zum Chef befördert.

Obwohl bei einer Umfrage 60 Prozent der Fans gegen ein nichtfinnische Lösung bei der Nationalmannschaft waren, behauptet sich Shedden mit seinem Team in der Eurotour der besten vier Mannschaften sehr gut. Finnland liegt hinter Russland an zweiter Stelle noch vor Tschechien und Erzrivalen Schweden. Shedden sorgte jedoch zuletzt für Aufregung als er die 44-jährige Legende Raimo Helminen für das Spiel gegen Tschechien nominierte, damit dieser mit 331 Länderspielen finnischer Rekordinternationaler werden kann.

Shedden, ein leidenschaftlicher Golfspieler, hat in der NHL einige Highlights erlebt. Einer davon war, dass er von 1984 bis 1986 in Pittsburgh an der Seite von Superstar Mario Lemieux stürmen durfte. Seine Spielerkarriere beendete er in der Saison 1992/93 in Bozen und in Davos in der NLB. In 15 Matches für die Bündner erzielte er 13 Tore und 21 Assists. Bei Rücktritt war Shedden erst 32 Jahre alt, eine Knieverletzung verunmöglichte jedoch eine weitere aktive Tätigkeit.

Der 46-Jährige gilt als ruhiger und sympathischer Typ, der auf der Spielerbank nie ausrastet, sondern mit einem Pokerface den Gegner irritiert. Jokerit hätte ihn gerne behalten, doch der Wunsch in die Schweiz zu kommen war grösser. Nach der Finalteilnahme im Vorjahr verlangen die Kluboberen diesmal den Meistertitel. Titelverteidiger Kärpät Oulu bestätigt aber erneut seine Stärke und führt die Tabelle souverän an. Vielleicht wird aber diesmal die perfekte Defensivorganisation von Jokerit zum gewünschten Ziel führen.

SAJ