Übernehmen Sie die Krisen-Aufarbeitung?

Patrick Lengwiler, CEO des EV Zug

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Patrick Lenwiler, CEO des EV Zug, in der Bossard-Arena. (Archivbild Stefan Kaiser)

Patrick Lenwiler, CEO des EV Zug, in der Bossard-Arena. (Archivbild Stefan Kaiser)

Patrick Lengwiler, wie ordnen Sie als Chef der operativen Ebene im EV Zug das Playoff-Aus in vier Spielen ein?

Patrick Lengwiler: Da sind wir alle gleicher Meinung: Wir haben kein Playoff-Hockey gespielt – eine brutale Enttäuschung. Wenn man mit dem Sommertraining zehn Monate darauf hinarbeitet und dann in acht Tagen rausfliegt, dann ist das noch viel brutaler.

So etwas passierte dem EVZ vor 15 Jahren das letzte Mal, damals traf den Verein ein regelrechtes Erdbeben. Wie stehen die Chancen auf eine Wiederholung?

Lengwiler: So eine Aktion wird bestimmt nicht passieren. Ohne alte Wunden aufreissen zu wollen, muss man sagen, dass der Verein noch viele Folgejahre unter diesen Ereignissen gelitten hat. Was ich aber versichern kann: Wir werden nicht einfach so zum Alltag übergehen.

Der EV Zug braucht also kein externes Gremium, um Selbstkritik zu üben und die richtigen Schlüsse aus dem sportlichen Tiefgang zu ziehen?

Lengwiler: Nein, wir sind selbstkritisch genug, um diese Aufgabe selber übernehmen zu können. Dafür brauchen wir keinen Support von aussen.

Übernehmen Sie die Führung in einer selbstkritischen Aufarbeitung?

Lengwiler: Das ist Teil meiner Verantwortung. Ich darf auch sagen, dass im EVZ vieles gut und richtig läuft, für die Zukunft haben wir vieles gut aufgegleist. Aber sicher ist auch: Die Profis stiften die Identität, und die haben 0:4 verloren. Also geht es nun darum, die richtigen Schlüsse zu ziehen und die notwendigen Massnahmen zu treffen.

Aber Spieler trotz weiterlaufenden Verträgen nicht mehr beschäftigen zu wollen, kann ins Geld gehen. Und der EVZ hat sich in ökonomischen Dingen zuletzt verantwortungsbewusst gezeigt. Steht Ihnen eine Kriegskasse zur Verfügung?

Lengwiler: Die wichtigste Frage ist: Was müssen wir ändern? Wovon sind wir überzeugt, dass es zielführend ist? Mit einem solchen Antrag gelange ich dann an den Verwaltungsrat. Dass das Geld kosten wird, ist klar. Die Frage ist: Was können wir bestreiten, was nicht? Am Tag nach dem Ausscheiden möchte man vieles aus den Emotionen heraus entscheiden, aber das darf man bei wichtigen Entscheiden nicht. Es muss nicht schnell sein, aber richtig.

Können Sie beziffern, welche finanziellen Auswirkungen das Aus nach zwei Playoff-Heimspielen hat?

Lengwiler: Das ist noch schwierig abzuschätzen. Wir haben unser Budget auf drei Heimspiele in den Viertelfinals ausgerichtet, alles, was besser ist, wäre ein Erfolg und in die Zukunft investiert worden.

Also fehlt ein Heimspiel. Wie viel ist ein solches wert?

Lengwiler: Zwischen 150 000 und maximal 200 000 Franken.

Dafür fallen aber nun Prämien für eine Halbfinal- oder gar eine Finalqualifikation der Spieler und Trainer weg.

Lengwiler: Der Basislohn ist bei uns auf eine Viertelfinalqualifikation ausgerichtet. Erreicht die Mannschaft den Halbfinal oder gar den Final, werden Prämien fällig. Aber die sind gesamthaft nicht so hoch wie die Einnahmen aus den Heimspielen für den Verein. Der Basislohn wird hingegen reduziert, wenn das Playoff verpasst wird.

Sie haben den Trainern bereits am Tag nach dem Ausscheiden die weitere Zusammenarbeit garantiert. Dabei hat auch deren Autorität und Glaubwürdigkeit unter dem Ausscheiden gelitten. Warum diese Massnahme?

Lengwiler: Dass in unserer Situation die Trainerdebatte in den Medien aufkommt, ist im Spitzensport normal. Wir sind jetzt dreimal hintereinander nicht über die Viertelfinals hinausgekommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig, das haben Sie in Ihrem Kommentar vom Freitag treffend analysiert. Wir haben es nicht geschafft, Playoff-tauglich zu spielen. Unsere Leistungsträger blieben unter Form, es ist uns schon unmittelbar vor den Playoffs nicht gelungen, unser bestes Hockey abzurufen. Wir konnten den Schalter nicht umdrehen, leider.

Mit was für Auswirkungen rechnen Sie für den Saisonabo-Verkauf für die nächste Saison?

Lengwiler: Schwierig abzuschätzen. Vielleicht trifft der eine oder andere Kunde in den ersten Emotionen auch einen Entscheid, den er mit Distanz nicht mehr so fällen würde. Wir müssen unsere Zuschauer von dem überzeugen, was wir machen. Vor allem mit Arbeit.

ain