Walter Vattolo – wertvoller Wasserträger

Walter Vattolo (57) engagiert sich seit 18 Jahren als ehrenamtlicher Helfer im EV Zug, bis zu 500 Stunden wendet er pro Saison auf. Die Organisation ist auf Leute wie ihn angewiesen.

Sven Aregger
Drucken
Teilen
Walter Vattolo arbeitet für den EVZ gegen 500 Stunden pro Saison. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. August 2018))

Walter Vattolo arbeitet für den EVZ gegen 500 Stunden pro Saison. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. August 2018))

Für Walter Vattolo ist der EV Zug eine Herzensangelegenheit. Er ist nahe des alten Herti-Stadions aufgewachsen, jede freie Minute verbrachte er im Umfeld des Hockeyklubs. Er sagt: «Meine Leidenschaft für das Eishockey, für den EVZ ist gross.» So gross, dass er sich seit 18 Jahren ehrenamtlich in der Organisation engagiert. Gemeinsam mit den Brüdern Roland und Hans Sennrich gehört er zum Statistikteam. In der Meisterschaft erfassen sie auf einem Tablet die statistischen Werte der Zuger Spieler: Eiszeiten zum Beispiel, Schüsse und Grosschancen, Checks und Bullys. Diese Zahlen dienen dem Coaching-Staff als Hilfsmittel, wenn er die Spiele analysiert.

Seit einigen Jahren ist Vattolo auch als Medienbetreuer tätig. Vor den Spielen informiert er die Journalisten über die Zuger Aufstellung, nach Matchende vermittelt er den Medien die Trainer und Spieler für Interviews. Der 57-Jährige ist praktisch an jedem Meisterschaftsspiel dabei, 400 bis 500 Stunden wendet er jede Saison für den EVZ auf. Nach einem Auswärtsspiel kann es vorkommen, dass er sich um 4 Uhr schlafen legt und ein paar Stunden später schon wieder im Büro sitzt. Vattolo ist Personalverantwortlicher und Leiter des Sozial- und Gesundheitsamtes der Gemeinde Unterägeri, überdies amtet er als stellvertretender Gemeindeschreiber. Oft arbeitet er auch am Samstag, wenn er für EVZ-Auswärtsspiele das Büro an Werktagen früher verlassen muss. «Während der Saison bleibt kaum mehr Zeit für soziale Kontakte», sagt er. «Aber ich leiste gerne einen Beitrag für den EVZ, wenn ich dem Klub damit helfen kann.»

Familiäre Basis gehört zur Unternehmenskultur

Der EV Zug ist auf Leute wie Walter Vattolo angewiesen. Rund 300 ehrenamtliche Helfer unterstützen die Organisation jede Saison. Sie engagieren sich etwa als Nachwuchstrainer oder Schiedsrichter, als Speaker oder Zeitnehmer, im Sicherheitsbereich oder im Ticketing. «Ehrenamtliche Helfer sind für den EVZ auch heute noch sehr wertvoll und wichtig», sagt die Kommunikationsverantwortliche Marisa Hürlimann. Die familiäre Basis durch diese Funktionäre und durch die breite Unterstützung in der Region sei Teil der Unternehmenskultur. Hürlimann betont, dass es ohne die vielen Helfer schwierig wäre, den Spielbetrieb zu tragbaren Kosten aufrechtzuerhalten. «Beim Nachwuchs wäre ein Betrieb sogar unmöglich. Dies würde den Kostenrahmen komplett sprengen.»

«Ehrenamtliche Helfer sind für den EV Zug auch heute noch sehr wichtig.»

Marisa Hürlimann, Kommunikationsverantwortliche EV Zug

Walter Vattolo spürt die Wertschätzung des Vereins, gerade die Klubverantwortlichen würden grosse Dankbarkeit zeigen. Insbesondere den Rollenwechsel findet er interessant. Während er im Beruf eine Führungsposition bekleidet, ist er beim EVZ ein kleines Rädchen im Getriebe, «ein Wasserträger», wie er es ausdrückt. Er sieht den ehrenamtlichen Einsatz als eine Bereicherung, als eine Lebensschule. «Hier lernt man, was Teamgeist bedeutet. Es geht darum, dass charakterlich unterschiedliche Typen an einem Strang ziehen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen.»

Bis zum zweiten Titel will Vattolo weitermachen

Und manchmal gehen sogar Träume in Erfüllung. Vattolo war schon lange ein Bewunderer von Henrik Zetterberg, als der Superstar plötzlich in der Garderobe stand. Der Schwede verstärkte den EVZ während des NHL-Lockouts 2012/13. «Ich hätte nie geglaubt, dass er einmal in Zug spielt. Seine Bodenständigkeit und Arbeitsmoral haben mich tief beeindruckt. Er hatte absolut keine Sonderwünsche und Starallüren», erinnert sich Vattolo.

Walter Vattolo hat noch einen anderen Traum, und der ist noch nicht wahrgeworden: der Traum vom zweiten Meistertitel der Klubgeschichte. Bis zum Titel wolle er im EV Zug weitermachen, hat er sich einmal zum Ziel gesetzt. Wie lange das dauern wird, da gehen die Ansichten auseinander. Vattolo selber sagt: «Es wäre schön, wenn es in den nächsten fünf Jahren klappen würde.» Für den EVZ jedenfalls wären die Meisterehren möglicherweise mit dem Wermutstropfen verbunden, dass der verdiente Helfer Walter Vattolo in den Ruhestand tritt – auch wenn er den Klub weiterhin im Herzen tragen wird.