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Interview

Yannick-Lennart Albrecht: «Ohne Druck landet man in der Komfortzone»

Verteidiger Miro Zryd (23) und Stürmer Yannick-Lennart Albrecht (24) wechselten auf die neue Saison von den SCL Tigers zum EVZ. Sie sagen, wie sie ihren Abgang in Langnau erlebt haben und welche Perspektiven sie in Zug sehen.
Sven Aregger
Das ehemalige Langnauer Duo Miro Zryd (links) und Yannick-Lennart Albrecht hat in

Das ehemalige Langnauer Duo Miro Zryd (links) und Yannick-Lennart Albrecht hat in

Miro Zryd und Yannick-Lennart Albrecht, Sie studieren Wirtschaftswissenschaften an der gleichen Fernuniversität, spielten seit den Elite-Junioren gemeinsam bei den SCL Tigers und unterschrieben letzten Herbst fast zeitgleich beim EV Zug. Alles nur Zufall?

Miro Zryd: Wir haben beide das Gymnasium absolviert und uns deshalb darüber unterhalten, was wir neben dem Eishockey noch machen könnten. Das Studium der Wirtschaftswissenschaften hat uns beiden gepasst.

Yannick-Lennart Albrecht: Was den Wechsel betrifft, habe ich nicht gewusst, dass Miro mit Zug verhandelt. Bevor der Transfer bei ihm offiziell bestätigt wurde, hatte ich dem EVZ bereits fix zugesagt. Wir haben uns also nicht abgesprochen.

Ist in der gemeinsamen Zeit in Langnau und beim Studium eine Freundschaft entstanden?

Albrecht: Wir kennen und verstehen uns gut. Miro weiss viel über mich, ich weiss viel über ihn. Wir sind beide ruhige Typen, bei Teamreisen übernachten wir häufig im gleichen Hotelzimmer.

«Ich kannte zunächst niemanden beim EVZ, deshalb habe ich mich gefreut,dass Yannick auch in die Zentralschweiz wechselt.»

Miro Zryd, Verteidiger EV Zug

Welche Rolle spielt es, dass Sie das neue Abenteuer in Zug nun zusammen in Angriff nehmen können?

Zryd: Ich kannte zunächst niemanden beim EVZ, deshalb habe ich mich gefreut, dass Yannick auch in die Zentralschweiz wechselt.

Albrecht: Für uns beide ist es der erste Wechsel als Profis. Es macht sicher vieles einfacher, wenn man an einem neuen Ort schon ein bekanntes Gesicht trifft.

Langnau hat Ihnen für eine Vertragsverlängerung eine Lohnerhöhung angeboten. Im beschaulichen Emmental hätten Sie in Ruhe zu absoluten Führungsspielern reifen können. Was sprach dennoch für Zug?

Zryd: Ich hatte das Gefühl, dass ich mich in Zug besser weiterentwickeln kann. Und ich traute mir zu, mich beim EVZ durchzusetzen. Albrecht: Der EVZ ist eine neue Challenge. Ich brauchte eine Veränderung, aber ich sagte mir, dass nur ein Wechsel zu einem Top-4-Klub Sinn mache. Der EV Zug hat grosse Ambitionen und ein riesiges Potenzial, deshalb hat es für mich gestimmt.

Spielstarke Neuzugänge

Verteidiger Miro Zryd (186 cm/88 kg) hat im Nachwuchs des Erstligisten EHC Adelboden mit Eishockey begonnen. In der Saison 2013/14 wechselte er zu den Eilte-Junioren der SCL Tigers und erhielt ein Jahr später einen Profivertrag. Letzte Saison wurde der 23-Jährige erstmals für das Schweizer Nationalteam berücksichtigt, er bestritt vier Testspiele vor der WM. EVZ-Sportchef Reto Kläy beschreibt den Berner als spielstarken Verteidiger,der defensiv und offensiv Impulse bringen kann.Miro Zryd stammt aus einer sportlich erfolgreichen Familie: Grosstante Annerösli wurde 1970 Ski-Abfahrtsweltmeisterin, Vater Björn gewann als Curler mehrere Medaillen an nationalen Titelkämpfen.

Center Yannick -Lennart Albrecht (190 cm/92 kg) stiess 2009 von Visp zum Langnauer Nachwuchs, 2014 debütierte er mit dem Profiteam in der Swiss League.Kläy preist ihn als «intelligenten,physisch und spielerisch starken Spieler». Der 24-jährigeWalliserbestrittbisher elf Spiele für das Schweizer Nationalteam. Im Sommer wurde er von Trainer Patrick Fischer für Prospect Camp aufgeboten, zudem absolvierte er in Magglingen die Spitzensport RS. Albrecht unterschrieb in Zug für drei Jahre, Zryd für zwei Jahre.(ars)

Klub und Fans in Langnau waren dennoch enttäuscht über den Wechsel. Mussten Sie sich rechtfertigen?

Albrecht: Natürlich hätten sie uns gerne behalten. Wir haben dem Klub viel zu verdanken, in Langnau erhielten wir die Möglichkeit, uns in der National League zu etablieren. Aber alle, die etwas von Eishockey verstehen, können unsere Beweggründe nachvollziehen und gönnen uns den Wechsel. Spieler kommen und Spieler gehen, auch in Langnau – so ist das Business.

Zryd: Ich hatte den Eindruck, dass wir gegen Ende der Saison weniger Kredit genossen bei den Fans. Sobald wir unterschrieben hatten, sind die kritischen Stimmen lauter geworden. Wenn ich einmal kein Topspiel abgeliefert hatte, bin ich darauf angesprochen worden. Das war vorher nie der Fall.

In Langnau hiess es, Zryd und Albrecht hätten nach der Vertragsunterzeichnung nicht mehr ihr ganzes Können abgerufen.

Albrecht: Keiner spielt absichtlich schlecht. Nach der Unterschrift kam ich weniger zum Einsatz, aus welchen Gründen auch immer. Aber ich habe bis zuletzt mein Bestes gegeben.

Was ist beim EV Zug anders als in Langnau?

Zryd: Im Training stehen der Headcoach, die zwei Assistenten, der Goalietrainer und der Skills-Coach auf dem Eis – also fünf Trainer. Sie können dir schon während des Trainings individuelle Feedbacks geben. In Langnau waren nur der Headcoach und der Assistent dabei, eine solche Einzelkritik war daher gar nicht möglich.

Albrecht: Die Bedingungen in Zug sind wirklich sehr professionell.

Der EVZ will ja ein Spitzenteam sein und um den Meistertitel spielen. Können Sie mit dem Druck umgehen?

Albrecht: Das werden wir sehen. Druck haben alle im Leben, man darf ihm nicht aus dem Weg gehen. Druck macht einen auch besser. Ohne ihn landet man schnell in einer Komfortzone und entwickelt sich nicht mehr weiter.

Zryd: Auch in Langnau hatten wir Druck, einfach auf eine andere Art ...

Albrecht: ... es war eigentlich fast noch schlimmer, weil wir immer gegen den Abstieg kämpfen mussten. Wir haben also schon einige Erfahrung im Umgang mit Druck.

In Zug ist der Konkurrenzkampf aber grösser als in Langnau. Möglich ist, dass Sie mit weniger Eiszeit und einer untergeordneten Rolle leben müssen.

Zryd: Als ich beim EVZ unterschrieben habe, wusste ich, dass so etwas passieren kann. Aber natürlich will ich möglichst viel spielen.

Albrecht: Gerade in einer talentierten Mannschaft wie Zug muss man jeden Tag ans Limit gehen. Ich bin überzeugt, dass mich dies im Endeffekt besser machen wird.

Kritiker monieren, der EVZ habe auf die neue Saison nur Ergänzungsspieler verpflichtet, die den eigenen Talenten den Platz wegnehmen. Was entgegnen Sie solchen Aussagen?

Albrecht: Ich verstehe diese Sichtweise. Aber man muss auch wissen, dass es von den Junioren oder der Swiss League noch ein grosser Schritt in die National League ist. Miro und ich haben nun schon einige Jahre Erfahrung in der obersten Spielklasse und sind auch schon für die Schweizer Nationalmannschaft angetreten. Ausserdem glaube ich nicht, dass wir den Jungen den Platz wegnehmen. Wenn einer besser ist, soll er es zeigen. Dann wird er bestimmt eine Chance erhalten – gerade unter dem neuen Headcoach, der stark auf Leistung setzt.

«Ich glaube nicht, dass wir den Jungen den Platz wegnehmen. Wenn einer besser ist, soll er es zeigen. Dann wird er bestimmt eine Chance erhalten.»

Yannick-Lennart Albrecht

Bei Trainer Dan Tangnes müssen sich auch die alteingesessenen Spieler neu beweisen, niemand soll einen Bonus erhalten. Vereinfacht das die Ausgangslage für Sie?

Albrecht: Ein Neustart für alle ist sicher kein Nachteil.

Im Nationalteam konnten Sie sich bisher noch keinen Stammplatz erkämpfen. Sehen Sie den EVZ auch als Sprungbrett für den internationalen Durchbruch?

Albrecht: Ziel ist, eines Tages eine WM zu spielen. Dafür braucht es konstant gute Leistungen im Klub. Die Chancen dafür sind in Zug sicher nicht schlechter als in Langnau.

Zryd: Beim EVZ ist das Niveau extrem hoch, entsprechend stärker wird man in den Trainings gefordert. Dabei kann man auch viel von den Mitspielern lernen. Das sind ideale Voraussetzungen, um den nächsten Schritt in der Karriere zu machen.

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