Zittersieg für den EV Zug: Er bezwingt Davos mit 4:3, verliert aber Spielmacher Roe

Der EV Zug gewinnt auch das zweite Spiel innert zwei Tagen gegen den HC Davos. Beim 4:3-Erfolg muss er am Ende aber noch bangen. Spielmacher Garrett Roe scheidet nach einem Check gegen den Kopf aus.

Sven Aregger, Davos
Drucken
Teilen
Zugs Lino Martschini (hinten) wird vom Davoser Inti Pestoni an die Bande gedrückt. (Bild: Jürgen Staiger/Keystone (Davos, 9. Dezember 2018))

Zugs Lino Martschini (hinten) wird vom Davoser Inti Pestoni an die Bande gedrückt. (Bild: Jürgen Staiger/Keystone (Davos, 9. Dezember 2018))

In der nordamerikanischen NHL besteht seit 20 Jahren das Programm «Hockey Fights Cancer». Jeweils im Oktober engagieren sich die Teams für die Krebsforschung, mehr als 20 Millionen Dollar kamen bisher zusammen. Auch Schweizer Klubs schärfen das Bewusstsein für die Krankheit. Im Spiel in Davos machten der HCD und der EV Zug gemeinsame Sache mit der Stiftung Greenhope, die sich für Familien mit krebskranken Kindern einsetzt. Die beiden Teams traten in speziellen Trikots mit grünen Elementen an, was passte, denn Grün ist die Farbe der Hoffnung. Und für den kriselnden HC Davos, der sich nach dem Rücktritt des Kulttrainers Arno Del Curto komplett neu orientieren muss, hat die Hoffnung gerade eine besondere Bedeutung.

Tatsächlich konnten die Bündner bis zum Schluss hoffen, aus diesem Spiel etwas mitzunehmen. Nach einem 1:4-Rückstand kamen sie im dritten Abschnitt auf ein Tor heran und agierten in der letzten Minute mit sechs gegen drei Feldspieler, weil zwei Zuger auf der Strafbank sassen. Doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Nach dem neuerlichen Rückschlag sehen die Bündner Perspektiven wenig rosig aus. Auch im vierten Meisterschaftsspiel unter Interimscoach Michel Riesen blieb der stolze Rekordmeister ohne Erfolgserlebnis, der Abstand auf die Playoff-Plätze beträgt 18 Punkte.

Die Zuger Sven Senteleler, Torhüter Sandro Aeschlimann und Santeri Alatalo, von links in Weiss. bei der Abwehr gegen die Davoser Thierry Bader, Dino Wieser, von links. Der HC Davos und der EV Zug spielen heute nicht in ihren Clubfarben sondern der HCD in grün-blauen und Zug in grünen-weissen Trikots, den Farben der "Greenhope" Stiftung. Die junge Stiftung sammelt Spenden für krebskranke Kinder. Dies ist bereits der dritte Event dieser Art in Davos. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
13 Bilder
Der Davoser Marc Wieser bei seinem 1:2 Anschlusstreffer gegen den Zuger Torhüter Sandro Aeschlimann. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Grosser Jubel bei den Davosern mit Marc Wieser (Torschütze), Magnus Nygren (SE), und Perttu Lindgren (FI), v.L. nach ihrem 1:2 Anschlusstreffer. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Jubel bei den Zugern, v.L. mit Raphael Diazz, Dominik Schlumpf, Sven Senteleler und Yannick Zehnder nach seinem zweiten Treffer zur 1:3 Führung. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Der Zuger Yannick Zehnder umfährt das Davoser Tor nach seinem Treffer zur 0:1 Führung. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Die Davoser kurz vor dem Anpfiff noch mit Greenhope-Zipfelmützen bekleidet. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Die Zuger kurz vor dem Anpfiff noch mit Greenhope-Zipfelmützen bekleidet. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Der Davoser PostFinance-Topscorer Inti Pestoni, rechts, versucht den Zuger Yannick Zehnder aufzuhalten. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Die beiden PostFinance-TopScorer im Zweikampf, der Davoser Inti Peston, links, gegen den Zuger Lino Martschini. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Der Zuger Torhueter Sandro Aeschlimann bei einer Parade vor seinem Kollegen Santeri Alatalol und den lauernden Davosern Anton Roedin und Andres Ambuehl, von rechts. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Der Davoser Head Coach ad interim Michel Riesen, rechts flüstert seinem Assistant Coach und Sportchef Rene Mueller hinter der Bande etwas zu. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Die Zuger Garrett Roe (US) und Thomas Thiry, v.l. jubeln nach der 0:1 Führung und der Davoser Tino Kessler verlässt enttäuscht das Eis. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)
Der Zuger Yannick Zehnder, rechts, bei seinem Treffer zur 0:1 Führung und die davor stehenden Davoser Torhüter Gilles Senn und Dominic Juchli konnten das nicht verhindern. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)

Die Zuger Sven Senteleler, Torhüter Sandro Aeschlimann und Santeri Alatalo, von links in Weiss. bei der Abwehr gegen die Davoser Thierry Bader, Dino Wieser, von links. Der HC Davos und der EV Zug spielen heute nicht in ihren Clubfarben sondern der HCD in grün-blauen und Zug in grünen-weissen Trikots, den Farben der "Greenhope" Stiftung. Die junge Stiftung sammelt Spenden für krebskranke Kinder. Dies ist bereits der dritte Event dieser Art in Davos. (Bild: KEYSTONE/Juergen Staiger, 9. Dezember 2018)

Spitzenreiter nach Verlustpunkten

Ganz anders ist die Situation beim EVZ, der sich am Wochenende schadlos hielt und weiter in Tuchfühlung mit Leader Bern bleibt. Nach Verlustpunkten führen die Zentralschweizer die Tabelle sogar an.

Allerdings kann sich der EVZ auf die Leistung am Sonntag nicht allzu viel einbilden. Er stellte zwar das Team mit der reiferen Spielanlage und kontrollierte in den ersten 40 Minuten das Geschehen. Aber im letzten Drittel häuften sich die Unkonzentriertheiten im Zuger Spiel, was von Davos fast noch bestraft worden wäre. «Das war keine Partie, an die wir anknüpfen wollen», sagte Trainer Dan Tangnes hinterher. «Beim Davoser Powerplay am Schluss hatten wir das nötige Glück, zeigten aber auch grosses Herz. Und manchmal sind es solche Faktoren, die nach einem schlechten Auftritt zum Sieg führen.» Yannick Zehnder sah es pragmatisch: «Letztlich zählen die drei Punkte.» Der 20-jährige Stürmer, der vor wenigen Tagen seinen Vertrag in Zug um zwei Jahre verlängert hatte, traf im zweiten Drittel im ­Powerplay zum 3:1. Dieses Tor war für den EVZ besonders wichtig, weil Davos 62 Sekunden zuvor mit einem Shorthander den Anschlusstreffer realisiert hatte. Zehnder war schon das Führungstor in der 7. Minute zugeschrieben worden, er stellte aber nach dem Spiel klar: «Nicht ich, sondern ein Davoser hat den Schuss von Thomas Thiry entscheidend abgelenkt.»

Bei den Bündnern avancierte Marc Wieser zum tragischen Held. Der Stürmer reüssierte zwar zweimal, liess sich aber vor dem vierten und letztlich entscheidenden Zuger Treffer die Scheibe von Reto Suri abluchsen.

Überschattet wurde der Zuger Sieg vom Ausfall des Spielmachers Garrett Roe. Der amerikanische Center verletzte sich im zweiten Drittel nach einem Check gegen den Kopf und blieb benommen in der Kabine. «Es besteht der Verdacht auf eine Hirnerschütterung», sagte Trainer Tanges. Gegenspieler Sven Jung kassierte für das Vergehen zwei Minuten plus eine zehnminütige Disziplinarstrafe.

Roe war erst Mitte November nach einer Rückenverletzung in den Meisterschaftsbetrieb zurückgekehrt. Ein neuerlicher Ausfall des Centers wäre für den EV Zug ein herber Verlust, zumal auch der schwedische Flügel Carl Klingberg (Halswirbelverletzung) bis zu drei Monate fehlen wird. Sportchef Reto Kläy hat angekündigt, dass er den Markt nach einem Ersatz für Klingberg sondieren wird.

Der EVZ hatte in der laufenden Saison immer wieder Pech mit Verletzungen bei den Ausländern. Kläy musste bereits einen zusätzlichen Importspieler verpflichten: Dennis Everberg ersetzt seit Mitte November den in die russische KHL abgewanderten Viktor Stalberg.