Zuerst fahrig, dann furios: Der EV Zug bezwingt den HC Fribourg-Gottéron mit 5:0

Erst ein Slapstick-Tor bringt den EV Zug auf die Siegerstrasse gegen tapfere Freiburger. Grégory Hofmann und Yannick Zehnder zeichnen sich als Doppeltorschützen aus. Goalie Leonardo feiert seinen fünften Saison-Shutout.

Philipp Zurfluh
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Gute Laune bei Torhüter Leonardo Genoni und Topskorer Grégory Hofmann nach dem souveränen 5:0-Heimsieg.

Gute Laune bei Torhüter Leonardo Genoni und Topskorer Grégory Hofmann nach dem souveränen 5:0-Heimsieg.

Bild: Claudio Thoma / freshfocus (Zug 15. Februar 2020)

Die Zuschauer in der Bossard-Arena taten immer wieder ihren Unmut kund und verwarfen die Hände. Sie ärgerten sich über den Auftritt ihrer Mannschaft. Beim Tabellenführer passte in den ersten 30 Minuten wenig zusammen, Fehler hüben wie drüben. Spielwitz und Lockerheit, die die Zentralschweizer in den vergangenen Wochen ausgezeichnet haben, waren plötzlich weg. «Der Schlüssel zum Sieg war Geduld», meinte EVZ-Trainer Dan Tangnes nach dem Spiel. Er glaubt nicht, dass die Niederlage gegen Bern das Team verunsichert hatte. «Es ist immer eine grosse Herausforderung, ein Mittel gegen eine defensiv eingestellte Mannschaft zu finden», sagte Dan Tangnes weiter. «Das erste Tor löste den Knoten und war eine mentale Befreiung.»

Der EVZ-Trainer sprach den glücklichen Zuger Führungstreffer Mitte des zweiten Drittels an. Fribourg-Gottéron half tüchtig mit, das unruhige Zuger Publikum zu besänftigen. Einen Schuss von Verteidiger Santeri Alatalo konnte Gottéron-Goalie Reto Berra noch parieren. Der Puck prallte anschliessend vom Schlittschuh des Verteidigers Jérémie Kamerzin an den Pfosten. Beim Versuch den Puck wegzuspedieren, stocherte der Freiburger den Puck ins eigene Tor – Slapstick pur. Mit diesem Tor endete eine Durststrecke gegen die Saanestädter: 109 Minuten hatten die Zuger zu Hause gegen die Freiburger nicht mehr getroffen. Beim letzten Heimspiel am 1. November kassierten die Zuger gar eine bittere 0:4-Schlappe.

Nach der Führung spielte der EV Zug befreiter auf. Kurz vor Ablauf des zweiten Drittels mussten die Schiedsrichter nach einem Treffer von Zugs Oscar Lindberg Videostudium betreiben. Sie aberkannten den Treffer des Schweden, da nach Meinung der Unparteiischen Reto Berra durch Zugs Jérôme Bachofner behindert wurde. Ein strittiger Entscheid.

Leonardo Genoni in Bestform

Dass zu diesem Zeitpunkt die Freiburger noch kein Abschlussglück hatten, lag an Meister-Goalie Leonardo Genoni. Der 32-Jährige vereitelte Anfang des zweiten Drittels mit zwei starken Paraden die Führung der Gäste. Wie in den letzten Spielen strahlte der Nati-Goalie eine heroische Ruhe, als könnte ihn nichts und niemand aus der Bahn werfen. Für den Meister-Goalie war es der fünfte Saison-Shutout. Damit ist er in dieser Statistik die Nummer 1 aller National-League-Goalies. Insgesamt verzeichneten die Zuger fast doppelt so viel Torschüsse, doch Gottéron setzte immer wieder Nadelstiche.

Fribourg-Gottéron war der erwartet hartnäckige Gegner. Die Romands kämpfen um die Playoff-Qualifikation und sind so etwas wie das Team der Stunde. Die Drachen – das Wappen des Klubs ziert ein solches Fabelwesen – konnten in den vergangenen Wochen das Feuer neu entfachen. Mit viel Selbstvertrauen und fünf Siegen aus den letzten sechs Partien im Gepäck nach Zug gereist, wollten sie ihren Lauf fortsetzen. Grossen Anteil daran hat ein schwedisches Stürmer-Duo. Einerseits Daniel Brodin, der diese Saison von Djurgarden Stockholm zu den Freiburgern wechselte. Brodin hat in den letzten drei Partien sieben Skorerpunkte erzielt und strahlt Torgefahr aus wie kaum ein anderer. Der andere Spieler, der massgeblich dazu beiträgt, dass Fribourgs Playoff-Hoffnungen in Takt sind, ist der Ex-Zuger Viktor Stalberg. Sieben Skorerpunkte in den letzten drei Spielen sprechen Bände. Doch die beiden Schweden waren an diesem Abend höchstens eine Randnotiz wert.

Hofmann und Zehnder treffen doppelt

Die Gästefans, die sich im Schlussdrittel eine Reaktion und Schlussoffensive ihrer Mannschaft erhofft hatten, wurden enttäuscht. Der unangefochtene Tabellenführer nahm Fahrt auf, gespielt wurde nur noch Einbahnhockey. Zugs Topskorer Grégory Hofmann erzielte seine Saisontreffer Nummer 21 und 22 und auch Yannick Zehnder durfte sich als Doppeltorschütze auszeichnen lassen. 

Gottéron-Stürmer Samuel Walser war nach dem Spiel sichtlich enttäuscht: «Wir wollten defensiv kompakt stehen, das ist uns über weite Strecken gut gelungen. Wir haben uns dann durch Strafen aus dem Spiel genommen.» Die offensive Durchschlagskraft, welche das Team zuletzt auszeichnete, habe gefehlt. Trotzdem ist der Stürmer optimistisch, dass Fribourg die Playoffs erreicht «Wir müssen das Spiel abhacken und uns auf das nächste fokussieren.»

Mit sechs Punkten Vorsprung auf Davos und die ZSC Lions nehmen die Zuger die letzten sechs Spiele der Qualifikation in Angriff. Diese komfortable Situation würde die Möglichkeit bieten, zu rotieren und Spieler die bis anhin viele Einsätze hatten, etwas weniger stark zu forcieren, erklärte der EVZ-Trainer Dan Tangnes. Doch er will kein Laissez-faire. «Wir haben das Ziel, nach 50 Spielen auf Rang 1 zu stehen.»

Zug - Fribourg-Gottéron 5:0 (0:0, 1:0, 4:0)
7030 Zuschauer. - SR Müller/Kaukokari, Obwegeser/Kehrli. - Tore: 31. Alatalo (Leuenberger) 1:0. 42. Zehnder (Klingberg) 2:0. 51. Hofmann (Kovar, Klingberg) 3:0. 57. (56:49) Zehnder (Zgraggen) 4:0. 57. (56:58) Hofmann (Kovar) 5:0. - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Zug, 4mal 2 Minuten gegen Fribourg-Gottéron. - PostFinance-Topskorer: Hofmann; Stalberg.
Zug: Genoni; Diaz, Morant; Schlumpf, Geisser; Thiry, Alatalo; Zryd, Zgraggen; Martschini, Lindberg, Martinsen; Klingberg, Kovar, Hofmann; Simion, Albrecht, Bachofner; Langenegger, Leuenberger, Zehnder.
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Stalder; Kamerzin, Furrer; Abplanalp, Marti; Rossi, Boychuk, Brodin; Sprunger, Schmutz, Stalberg; Vauclair, Walser, Marchon; Lauper, Schmid, Lhotak.
Bemerkungen: Zug ohne Thorell (überzähliger Ausländer), Schnyder und Senteler. Fribourg-Gottéron ohne Chavaillaz, Mottet, Bykow (alle verletzt) und Boychuk (überzähliger Ausländer). - 26. Lattenschuss Morant. - 38. Tor von Klingberg wegen Torhüterbehinderung aberkannt.