Ex-FCL-Captain Schürpf hat bei Celestini schlechte Karten

Der FC Luzern tritt am Sonntag (16 Uhr) bei Xamax an. Dort sah der FCL zuletzt schlecht aus, doch nun herrscht interner Konkurrenzkampf.

Daniel Wyrsch
Hören
Drucken
Teilen
Pascal Schürpf (links) im Zweikampf mit dem YB-Angreifer Marvin Spielmann.

Pascal Schürpf (links) im Zweikampf mit dem YB-Angreifer Marvin Spielmann.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 1. Februar 2020)

Das Übel hatte seinen Anfang auf dem Kunstrasen in Neuenburg genommen. Das gilt für die beiden letzten FCL-Trainer René Weiler und Thomas Häberli. Weiler verlor fast genau vor einem Jahr am 10. Februar in der Maladière mit 1:2 gegen Xamax, anschliessend setzte es hintereinander gegen Sion und Lugano Niederlagen ab – und schon war der Zürcher in Luzern Geschichte. Häberli unterlag am 26. Oktober mit 0:2 bei Xamax, danach folgten gegen Lugano, Servette, Zürich, St. Gallen und YB weitere fünf Niederlagen in Serie. Der Ballwiler durfte den FCL zwar noch beim 2:1-Sieg gegen Basel coachen, aber seine Zeit in der Swisspor-Arena war Ende der Vorrunde abgelaufen.

Spielt Häberlis Nachfolger Fabio Celestini am Sonntag in Neuenburg ebenfalls bereits um seinen Job beim FCL? Das wäre eine übertriebene Darstellung. Doch dem Waadtländer ist durchaus bewusst, dass er mit einer Pleite beim Vorletzten der Super League einiges vom erarbeitenden Startnimbus einbüssen würde. Schon nach dem wundersamen 2:0-Heimerfolg am letzten Samstag gegen den Meister YB stellte Celestini klar: «Wir hatten sicher auch das nötige Glück, gegen Xamax wird das ein ganz anderes Spiel.»

Über die Zukunft von Eleke wird weiter spekuliert

Obwohl Celestini nach den ersten beiden Partien und den Siegen gegen YB und Zürich (3:2) eine makellose Bilanz hat, weiss der Trainer gerade aus eigener Erfahrung an der letzten Station beim FC Lugano, wie schnell es vom gefeierten Coach auf Platz 3 und der Europa-League-Qualifikation zur Entlassung fünf Monate und zwölf Runden später auf Platz 9 in der neuen Saison gehen kann.

Für Schlagzeilen und Spekulationen in Luzern sorgt derzeit das Angebot des FC Lugano für Stürmer Blessing Eleke. Sportchef Remo Meyer will sich dazu nicht äussern. Celestini hatte vor dem Match gegen YB die bisherige Zusammenarbeit mit Eleke gelobt. «Blessing engagiert sich sehr, er wird seine Chance bekommen», sagte er über den 23-jährigen Nigerianer. Gegen die Berner kam Eleke zu einem halbstündigen Teileinsatz – und er erzielte in der Nachspielzeit mit seinem dritten Ligator das 2:0 zum Endstand.

Gestern Donnerstag trainierte Blessing Eleke mit dem FCL im Krienser Kleinfeld. Noch immer nicht dabei war der verletzte Mittelfeldmann Marvin Schulz. Stürmer Darian Males musste wegen einer Grippe das Bett hüten.

Dafür demonstrierte Ibrahima Ndiaye seine Schusstechnik. Bei einer Angriffsübung versenkte er den Ball im Winkel zwischen Latte und Pfosten. Mit diesem Schlenzer erinnerte der 21-jährige Senegalese an das Traumtor von Dortmund-Juwel Giovanni Reyna am Dienstag im DFB-Pokal gegen Bremen.

Ndiaye und Matos besitzen Celestinis Vertrauen

Ndiaye steht Celestini am Sonntag in Neuenburg wieder zur Verfügung, nachdem er gegen YB eine Sperre absitzen musste. Mit seiner spielerischen Qualität und Dynamik dürfte der mit fünf Treffern beste FCL-Torschütze gegen Xamax gesetzt sein. Auch der andere Flügelspieler, Ryder Matos, hat unter Celestini Fortschritte gemacht und bekommt deutlich mehr Vertrauen als noch unter Häberli. Der 26-jährige brasilianische Leihspieler von Udinese spielte gegen YB durch und stand bereits gegen den FCZ in der Startelf, in diesem Match gelang ihm zudem sein erstes Tor.

Was passiert aber mit Pascal Schürpf? Der 30-jährige Basler ist für die Mannschaft nach wie vor eminent wichtig. Technisch ist der 1,90 Meter lange Aussenangreifer aber längst nicht so filigran wie seine kleineren Konkurrenten Ndiaye (1,76 Meter) und Matos (1,82 Meter). Schürpf wird wohl wie gegen Zürich lediglich zu einem Teileinsatz kommen. Dabei ist der von Celestini abgesetzte Captain mental einer der Stärksten. Nicht zufällig, dass es Schürpf war, der das entscheidende 1:0 gegen YB, das Eigentor Fabian Lustenberger, erzwungen hatte. Spricht man Celestini auf die Situation von Schürpf an, dann gibt er die Antwort eines Coaches, der sich eigentlich glücklich schätzen kann:

«Wir sind derzeit in einer komfortablen Lage, haben vor allem in der Offensive verschiedene Spieleroptionen und können auf kurzfristige Ausfälle zudem gut reagieren.»

Im Sturm setzt der Trainer auf das Duo Margiotta/Males

Im Angriffszentrum geht es Eleke nicht besser als Schürpf auf der Seite. Francesco Margiotta ist gesetzt. Der 26-jährige Italiener, schon in Lausanne Celestinis Center, ist mit vier Toren und sechs Assists auch der interne Topskorer. Und sein Sturmpartner Darian Males passt besser zu ihm als Eleke, der am liebsten den direkten Weg zum Tor geht. Übrigens: Celestini sieht Eleke auch als Flügelspieler. Wobei: Das macht die Situation von Schürpf nicht leichter.

Mehr zum Thema