Interview

Ex-FCL-Profi Valeriane Gvilia zum laufenden Spielbetrieb in Weissrussland: «Ich bin ehrlich gesagt überrascht»

In Weissrussland rollt der Ball weiter – trotz europaweiter Corona-Pandemie. Ex-FCL-Profi Valeriane Gvilia hat früher im Land zwischen Russland und Polen gekickt und äussert sich zur aktuellen Lage.

Simon Wespi
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Der Georgier Valeriane Gvilia im Dress des FC Luzern.

Der Georgier Valeriane Gvilia im Dress des FC Luzern.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 22. April 2018)

Es mag erstaunen. In Weissrussland wird trotz europaweiter Corona-Krise weiterhin Fussball gespielt. Präsident Alexander Lukaschenko spielt die Pandemie herunter und sagt: «Ich nenne dieses Coronavirus nichts anderes als eine Psychose und lasse mich auch nicht davon abbringen». Der 65-Jährige gilt als letzter Diktator Europas. Nun hat die Liga neue Fernsehverträge mit TV-Anstalten aus zehn Ländern, darunter Russland, Israel und Indien an Land gezogen.

Valeriane Gvilia, der ehemalige Spieler des FC Luzern, kennt die weissrussische Liga bestens. Er spielte bei FK Minsk und Bate Borisov. Seit letztem Sommer steht der 25-Jährige bei Legia Warschau unter Vertrag. Der Georgier ordnet die Dinge in Weissrussland ein und schildert die aktuelle Situation in Polen.

Wie geht es Ihnen? Sind Sie gesund?

Valeriane Gvilia: Vielen Dank. Mir geht es gut. Ja, ich bin gesund und verbringe meine Zeit zu Hause.

Wie ist die Situation für Sie, ohne Fussball?

Es ist nicht einfach. Ich vermisse den Fussball sehr. Nicht zu trainieren und zu spielen, ist schon sehr hart. Auch die Jungs nicht treffen zu können, macht es nicht einfacher. Wir können im Moment nur warten bis es weitergeht.

Sie standen bei FK Minsk und Bate Borisov unter Vertrag. In Weissrussland spielen sie weiterhin Fussball. Was ist Ihre Meinung dazu?

Ich bin ehrlich gesagt schon etwas überrascht. Sie spielen und trainieren weiterhin. Ich hoffe, sie haben keinen Corona-Fall und halten sich an die Regeln.

Die oberste Fussballliga Weissrusslands konnte sich TV-Rechte mit zehn ausländischen Sendern sichern. Was denken Sie darüber?

Alle wollen, dass die Meisterschaft zu Ende gespielt wird. Natürlich auch die Sponsoren. Es ist es legitim, weitere Verträge abzuschliessen. Die Klubs wollen ja schliesslich ohne Verlust durch die Krise kommen.

Sie haben bestimmt noch einige Freunde aus Ihrer Zeit in Weissrussland. Was sagen die Spieler zur Situation?

Es herrscht keine Panik. Und solange es sicher ist zu spielen, geht es normal weiter. Die Stadien sind inzwischen fast leer. Es sind nur noch wenige Zuschauer vor Ort.

Wie ist die Lage in Polen?

Jeden Tag werden die Regeln härter. Wir haben eine Ausgangssperre. Nur noch Lebensmittelläden und Apotheken haben geöffnet, nicht einmal mehr Tankstellen. Aber es herrscht keine Panik. Alles ist ruhig in Warschau.

In diesem Fall trainieren Sie zu Hause?

Ja genau. Wir haben Pläne bekommen, die unsere Trainer uns gegeben haben. Auch Velos und Hanteln hat uns der Verein zur Verfügung gestellt. Dazu tauschen wir uns regelmässig in Online-Meetings aus und machen auch Übungen via Videostream zusammen.

Was denken Sie. Wann wird wieder Fussball gespielt in Polen?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Wir müssen von Tag zu Tag, von Woche zu Woche schauen. Auf jeden Fall erst, wenn es die Situation wieder zulässt.

Zum Schluss die Frage: Haben Sie noch Kontakt zu Spielern beim FC Luzern?

Ja, natürlich. Ich tausche mich regelmässig mit Otar Kakabadse aus. Und auch die Spiele verfolge ich wenn immer möglich. Es ist toll zu sehen, dass die letzten Resultate stimmten. Ich hoffe, wenn es dann weitergeht, dass sie weiter so erfolgreich spielen.