Ex-FCL-Spieler Nicolas Haas aus der Quarantäne in Italien: «Wir vermissen soziale Kontakte»

Der frühere FCL-Profi Nicolas Haas erlebt in Frosinone die italienische Ausgangssperre.

Daniel Wyrsch
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Nicolas Haas (links) am 29. Februar 2020 im gelb-blauen Dress von Frosinone Calcio gegen Salernitanas Sofian Kiyine.

Nicolas Haas (links) am 29. Februar 2020 im gelb-blauen Dress von Frosinone Calcio gegen Salernitanas Sofian Kiyine.

Bild: Francesco Pecoraro/Getty Images

Nicolas Haas hat einen mutigen Weg für seine Fussballer-Karriere gewählt. Der 24-Jährige aus Mauensee wechselte im Sommer 2017 vom FC Luzern zu Atalanta Bergamo. Beim aufstrebenden Serie-A-Klub schaffte der zentrale Mittelfeldspieler den Durchbruch bisher noch nicht. Dafür spielt er leihweise in der Serie B bei Palermo und seit dieser Saison bei Frosinone.

Die Stadt Frosinone zählt 46'000 Einwohner und liegt 86 Kilometer südöstlich von Rom. Nicolas Haas geniesst bis vor kurzem ein aktives Leben, er ist gefordert von seinen ambitionierten Zielen als Profi. Der Luzerner möchte im Sommer zurück zu Atalanta, der Klub steht erstmals in den Viertelfinals der Champions League. «Das ist ein schwieriges Unterfangen nach dem grossen Sprung, den das Team gemacht hat», weiss Haas dessen Vertrag mit Bergamo noch bis Sommer 2021 läuft. Schon beim FCL lotete er immer seine Grenzen aus. «Ich will mein ganzes Potenzial ausschöpfen», lautet seine Maxime.

Der Trainer Weltmeister und Sieger der Königsklasse

Bei Frosinone Calcio hat er seit dieser Spielzeit einen prominenten Coach: Alessandro Nesta, der heute 44-Jährige zählte früher zu den weltbesten Innenverteidigern; er ist Weltmeister von 2006 mit Italien und zweifacher Gewinner der Champions League mit Milan. Haas entschied sich mitunter wegen des Trainers für die Leihe nach Frosinone. Er erklärt, was Nesta ausmacht: «Er hat Ausstrahlung, Winnermentalität und lässt sich durch die äusseren Bedingungen nicht beirren, sondern ist überzeugt von den eigenen Fähigkeiten.»

Gerade die Bedingungen haben sich kürzlich in einem dramatischen Ausmass verändert. Nicht nur für Fussballer. Nicht nur in Italien, wo das neue Corona-Virus erstmals ausserhalb von China entdeckt wurde, sondern praktisch auf dem gesamten Globus. Unser südliches Nachbarland ist der Vorreiter der Ausgangssperre, die man hier seit 75 Jahren und dem Ende des 2. Weltkriegs nur vom Hörensagen kennt.

Seit anderthalb Wochen allein zu Hause

Seit 1,5 Wochen gilt in Italien die Ausgangssperre. «Nici» Haas, wie er von den meisten genannt wird, ist seither allein zu Hause. «Wir vermissen die sozialen Kontakte», stellt er in seiner Wohnung am Handy fest. Er spricht in der Mehrzahl, weil er spürt, dass die Menschen sich sehnen nach Begegnungen mit anderen Menschen. «Die Italiener vermissen es, ins Café zu gehen und sich auszutauschen.» Die Ausgangssperre bedeutet eine sehr starke Einschränkung der Bewegungsfreiheit jedes Einzelnen. Anders als bis jetzt in der Schweiz dürfen die Leute nur rausgehen, um entweder im Supermarkt und in der Apotheke einzukaufen oder zur Arbeit zu fahren.

Für Haas gibt es bis auf weiteres keinen Grund mehr, zur Arbeit zu fahren. Mannschaftstrainings sind in Italien bereits seit Dienstag letzter Woche untersagt. Selbst für die Fahrt zum Laden muss er ein Dokument ausfüllen, damit die Polizei bei Kontrollen sofort sieht, von wo er kommt und wohin er fährt. «Ich mache einen Einkauf pro Woche», sagt der ehemalige Junior des FC Sursee. «Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs sind genügend vorhanden.» Aber auch in Italien gebe es Leute, die sich durch die Corona-Krise verrückt machen lassen und Hamsterkäufe tätigen.

Nicolas Haas während seiner Zeit in Palermo im Frühling 2019.

Nicolas Haas während seiner Zeit in Palermo im Frühling 2019. 

Bild: PD

Kein permanenter Blick zum Corona-Liveticker

Nicolas Haas versucht, sich nicht ständig mit dem beherrschenden Thema dieser Tage und Wochen zu befassen. «Die Berichterstattung in den Medien ist mir zu negativ. Ich muss nicht wissen, wie viele Tote es mit nachgewiesenem Corona-Virus gerade gibt.» Stattdessen will er sich fit halten. «Vom Klub bekommen wir individuelle Trainingspläne, zudem bin ich erfinderisch und es gibt zum Glück Youtube-Videos mit zahlreichen coolen Trainingsideen.» Er könne in den eigenen vier Wänden intensive Übungen machen, allerdings sei es auf dem engen Raum einfach an der Kraft zu feilen. «Ausdauer zu trainieren ist dagegen schwieriger.» Er sei auch schon draussen joggen gegangen, «dabei wurde ich aber glücklicherweise von der Polizei nicht gesehen.»

Sein Credo ist, das Beste aus der Situation zu machen. «Das Ganze hat auch Chancenpotenzial. Es bringt nichts, schlecht gelaunt durch den Tag zu gehen.» So habe er nun reichlich Zeit, sich seinem Fernstudium in Psychologie zu widmen. Wie alle anderen wisse er nicht, wie es weitergeht, wann wieder Fussball gespielt wird, für welchen Klub er nächste Saison tätig ist. Er glaubt ans Positive: «Ich freue mich jetzt schon, wieder mit meinen Teamkollegen auf dem Rasen zu stehen, die Fans wahrzunehmen und Emotionen zu spüren.»

HINWEIS: Am vergangenen Donnerstag, 12. März 2020, interviewte Radio Pilatus/Tele 1 Nicolas Haas über Skype aus Italien. Der Bericht und das Interview. 

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