Handball
Ex-Profi Neli Irman dreht bei den Spono Eagles nochmals auf

Die Spono Eagles kämpfen zum Abschluss der Finalrunde beim LC Brühl um Platz eins. Die Slowenin Neli Irman ist in Nottwil eine zentrale Figur.

Stephan Santschi
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In guter Verfassung: die Slowenin Neli Irman.

In guter Verfassung: die Slowenin Neli Irman.

Bild: Freshfocus

Die Affiche ist vielversprechend und wird einen Vorgeschmack auf die Playoff-Halbfinals vermitteln: Am Samstag (17.30 Uhr, handballtv.ch) treten die Spono Eagles am letzten Spieltag der Finalrunde zum Spitzenkampf beim LC Brühl an. Nottwil liegt zwei Punkte vor dem ärgsten Rivalen, ein Remis reicht also, um Platz eins zu wahren. «Ich will niemanden unterschätzen, aber die Qualität spricht für uns. Nun müssen wir das auf dem Spielfeld zeigen», sagt Sponos rechter Flügel Neli Irman und betont: «Wir möchten in dieser Saison von niemandem mehr geschlagen werden.»

Die Slowenin, die am nächsten Mittwoch 35 Jahre alt wird, ist beim Titelanwärter eine zentrale Figur. «Ja, ich bin in Form», sagt sie: «Wieder.» In den letzten Jahren war es für sie nicht einfach, den Spagat zwischen Beruf und Sport optimal hinzukriegen. 2017 wechselte die 115-fache Ex-Internationale vom montenegrinischen Champions-League-Klub Buducnost an den Sempachersee, um das Vollprofitum zu beenden und in ein zweites Berufsleben einzusteigen. «Ich war nicht immer in der Lage, das zu zeigen, was ich als Ex-Profi anbieten kann. Erstmals arbeite ich neben dem Handball, manchmal bin ich einfach müde», so Irman, die in einem Fitnesscenter zu 60 Prozent als Instruktorin angestellt ist.

Berufsverbot beflügelt sie auf dem Handballplatz

Derzeit hält der Bundesrat die Türen der Fitnesscenter mit seiner Coronadoktrin noch immer geschlossen, und so hat Neli Irman erstmals seit langem wieder viel Zeit für ihren Sport und die Regeneration. Die kleinen und etwas grösseren Verletzungen, die sie seit ihrem Wechsel nach Nottwil heimsuchten und auch im Kopf beschäftigten, bleiben aus. Entsprechend positiv entwickelte sich die Leistungskurve, in den letzten Wochen näherte sich die 1,72-Meter grosse Linkshänderin wieder ihrem Spitzenniveau. Egal ob im Gegenstoss, von der Aussenposition oder nach dem Einlaufen an den Kreis – Irman gefiel mit Zug aufs Tor, technisch feinen Abschlüssen und Effizienz.

Zweifel am Entscheid, Ende Saison zurückzutreten, lässt der gute Lauf indes nicht aufkommen. «Ich will aufhören, solange ich noch in Form bin, das war schon immer mein Wunsch», sagt die in Oberkirch wohnhafte Slowenin. Nun sieht sie eine grosse Chance, ihre 17-jährige Laufbahn im bezahlten Handball gebührend zu beenden. Mehrere nationale Titel stehen in ihrem Palmarès, davon eine Meisterschaft (2018) und zwei Cupsiege mit Nottwil (2018, 2019). Zweimal stand sie mit Buducnost im Final-Four der Champions League, dreimal nahm sie an Endrunden teil (EM 2010 und 2016, WM 2017). «Zum Abschluss möchte ich drei weitere Titel gewinnen», sagt Irman, «und ich werde alles geben, um das zu erreichen.» Den Supercup haben sich die Luzernerinnen bereits geholt, offen ist der Ausgang noch in der SPL 1, deren Tabelle sie anführen, sowie im Cup, wo sie im Viertelfinal stehen.

Trennung von Trainer Cabal war «ein Schock»

Nicht nur Neli Irman präsentierte sich zuletzt in guter Verfassung, das ganze Team der Spono Eagles nahm richtig Fahrt auf. Seit dem Blackout in Kreuzlingen Mitte Februar just nach der überraschenden Freistellung von Trainer Ike Cabal treten sie unwiderstehlich auf, reihten in der Finalrunde vier Siege aneinander, zwei davon gegen Zug, einen gegen Brühl. «Als Ike ging, war es ein Schock, leider sah man das in Kreuzlingen auch auf dem Platz. Danach haben wir uns an unsere Ziele erinnert, wir wussten, dass wir etwas ändern müssen. Seither funktionieren wir als Team viel besser», erklärt Irman.

Ende Saison wird die Hunde- und Naturliebhaberin nach Slowenien in ihr kleines Heimatdorf Petrovce zurückkehren und über die Zukunft nachdenken. Neben ihren handballerischen Erlebnissen hat sie ein abgeschlossenes Sportstudium und vier Jahre Berufserfahrung als Fitnessinstruktorin im Rucksack. «Ich werde mir drei freie Monate gönnen, Freunde und Familie treffen und dann sehen, ob ich bleibe oder in die Schweiz zurückkehren werde.»