Ex-Zuger Reto Suri kämpft mit Lugano um Playoff-Teilnahme: «Wir haben das Messer am Hals»

Für Lugano-Stürmer Reto Suri zählt jeder Punkt im Playoff-Kampf. Seinem Ex-Verein Zug zollt er Respekt – und traut ihm Grosses zu.

Philipp Zurfluh
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Lugano-Stürmer Reto Suri möchte heute gegen die Zuger zubeissen.

Lugano-Stürmer Reto Suri möchte heute gegen die Zuger zubeissen.

Bild: Marusca Rezzonico/Freshfocus (Lugano, 3. Januar 2020)

Während der EV Zug die Tabelle der National League anführt und bereits Richtung Playoffs schielen kann, kämpft «Grande Lugano» um deren Teilnahme. Die Bianconeri durchlebten einen schwachen Saisonstart, dümpeln im hinteren Tabellendrittel herum und liegen derzeit knapp über dem Strich.

Die ungenügenden Auftritte hatten die Entlassung des finnischen Trainers Sami Kapanen zur Folge. «Es ist nie schön, wenn der Trainer gehen muss. Letztlich haben wir Spieler die Leistung nicht gebracht», sagt der ehemalige EVZ-Spieler Reto Suri, der seit dieser Saison für Lugano aufläuft.

«Es wurde fast alles auf den Kopf gestellt und gab einen Neustart.»

Auf Kapanen folgte der Schweiz-Kanadier Serge Pelletier. Für ihn war es eine Rückkehr an seinen Karrierestart als Trainer in der Schweiz. 1989 begann er als Juniorentrainer in Lugano.

Suri ist unzufrieden mit seiner Torausbeute

Seit Pelletier das Zepter übernommen hat, haben die Luganesi zur Winner-Mentalität zurückgefunden. Sechs Siege in den letzten achten Spielen untermauern den Umschwung. «Wir sind defensiv solider geworden, haben das Messer aber immer noch am Hals», erklärt Suri. «Viele gaben uns nach Weihnachten nicht mehr viel Kredit und haben uns schon abgeschrieben. Wir dürfen uns keine Niederlagenserie mehr erlauben. Jeder Match ist für uns ein Playoff-Spiel.»

Jesse Zgraggen ist wieder einsatzbereit

(pz) Verteidiger Jesse Zgraggen wurde am 11. Dezember 2019 im Viertelfinal-Rückspiel der Champions Hockey League gegen Mountfield HK von einem Puck am Hals getroffen und erlitt dabei eine Schildknorpelfraktur. Nun meldet er sich zurück: Der 26-Jährige bestritt gestern mit dem Farmteam EVZ Academy gegen Langenthal seinen ersten Ernstkampf. Kann er schmerzfrei spielen, steht einem Einsatz heute Abend gegen Lugano nichts im Weg.

Für Suri ist das heutige Aufeinandertreffen mit dem EV Zug in der Bossard-Arena eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. «Kein normaler Match», erklärt der 30-Jährige. «Ich stelle mich auf eine emotional schwierige Partie ein. Es ist wie ein Heimspiel. Garderobe und Spielerbank kenne ich in- und auswendig.» Als emotionaler Leader hatte der WM-Silbermedaillengewinner von 2013 massgeblichen Anteil am Cupsieg 2019 und den beiden Vizemeister-Titeln des EV Zug. Nach wie vor steht er häufig mit Spielern wie Carl Klingberg und Lino Martschini in Kontakt. «In dieser Woche etwas weniger», scherzt Suri.

Mit drei Toren in 30 Spielen hinkt er in dieser Saison seinen eigenen Ansprüchen hinterher. «Die Bilanz ist unbefriedigend», gibt er unumwunden zu. Doch Suri hat sich mit seinen 20 Assists in den Dienst der Mannschaft gestellt. «Ich konnte Mitspieler in Szene setzen, die offensiv noch mehr Potenzial haben als ich.»

McIntyre steht sinnbildlich für Luganos Aufschwung

Dass es den Luganesi nun wieder besser läuft, hat auch mit Neuzugang David McIntyre zu tun. Der beim EV Zug nicht mehr erwünschte Stürmer hat neues Selbstvertrauen getankt. In Luganos Offensivspiel ist er ein belebendes Element. Zwölf Skorerpunkte in 12 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Während sich der Kanadier beim Tabellenführer nicht mehr wohl fühlte, ist er bei den Tessinern aufgetaut. «Er hat sich von Beginn weg gut integriert. Er ist ein Leader und hat bei uns eine grosse Rolle übernommen», sagt Suri. McIntyre habe zu seiner Spielfreude zurückgefunden. 

«Er ist sinnbildlich für den Aufschwung und bringt Spielwitz, Energie und Feuer in die Mannschaft.»

McIntyre sei auf gutem Weg, zur gewohnten Stärke zurückzufinden. Mit 67 Punkten war der 32-Jährige gleich in seiner ersten Saison 2016/2017 bester Skorer in Zug.

Für Suri kommt es nicht überraschend, dass es den Zugern gut läuft. «Die Mannschaft hat unglaublich viel Talent.» Sie habe eine gute Mischung aus jungen und routinierten Spielern. Es spreche für sich, dass sie nach einem harzigen Start wieder ganz oben stünden. Suri traut dem EV Zug den Meistertitel zu, wenn er das Potenzial ausschöpfe. «Beim Playoff-Start werden aber die Karten neu gemischt.» Und dann möchte Reto Suri auch mit dem HC Lugano ein Wörtchen mitreden.