Langläuferin Nadine Fähndrich steigt mit Selbstvertrauen in die Saison

Die Eigenthalerin Nadine Fähndrich (25) ist ganz nah an der Weltspitze: «Ich laufe los, um die Beste zu sein.»

Jörg Greb
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Für Nadine Fähndrich beginnt an diesem Wochenende in Finnland die Weltcup-Saison.

Für Nadine Fähndrich beginnt an diesem Wochenende in Finnland die Weltcup-Saison.

Bild: Keystone/Eddy Risch (Davos, 5. November 2020)

Das Spezielle dieses Weltcup-Auftakts ist bekannt – und dennoch eine Herausforderung. Nadine Fähndrich erlebte dies bei der Anreise nach Ruka. Ein negativer Coronatest bei der Abreise aus München war Pflicht. Bei der Ankunft in Finnland stand eine Passkontrolle an. Es folgte die Fahrt ins Covid-Drive-in-Center. Sodann ging es ins abgeschirmte Hotel. Zwei Stunden dauerte das Prozedere. Die Luzernerin kann aber auch Erfreuliches berichten: «Es ist kalt und wunderbar verschneit, richtig winterlich.»

Über der Sache stand die 25-Jährige auch grösstenteils während der letzten Monate. Mit der ganzen Unsicherheit und Orientierungslosigkeit im März, die mit dem verfrühten Saisonabbruch endete. Mit dem «komischen Frühling». In den Monaten April, Mai und Juni gab es keine Trainings im Team. Sie hielt sich individuell fit. Dadurch gab sie dem Körper die Möglichkeit zur Regeneration. Das machte sich bezahlt. Ohne Verletzung und Krankheit erlebte sie «einen vorzüglichen Sommer, in dem ich keine Abstriche hinnehmen musste».

Bessere Resultate in den Leistungstests

Viel allein war Fähndrich unterwegs: zu Fuss, mit den Rollski, mit Laufsprüngen und Stockstössen am Berg. Standen keine Kaderzusammenzüge an, lief sie vorwiegend in Allschwil, im Kanton Baselland bei ihrem Freund. «Ich nutzte das coupierte Gelände und konnte sehr effektiv arbeiten.» Einmal erhielt sie für drei Tage Gesellschaft von der B-Kader-Läuferin Lydia Hiernickel. Einmal besuchte sie der neue Frauentrainer Ivan Hudac. Und einmal die Woche fuhr sie zu den Eltern ins Eigenthal. Dabei koordinierte sie sich mit Bruder Cyril, dem B-Kader-Mitglied, gemeinsame Einheiten.

Das gute Gefühl ist das eine, das sie mitnimmt aus dem Sommer. Die im Vergleich zum Vorjahr leicht verbesserten Resultate in den obligaten Leistungstests vor dem Winter das andere. «Jetzt liegt es an mir, das Erarbeitete auf die Ski zu bringen.» Hoch sind dabei die Ansprüche, gerade nach den letzten Resultaten vor Corona. Mit Platz 10 über 30 km klassisch in Oslo verabschiedete sie sich mit einem Spitzenergebnis in einem Distanzrennen. Die Parforceleistungen erbrachte sie aber in den Tagen zuvor, mit Rang 2 im Sprint von Drammen und Rang 3 im Trondheim-Sprint. Endgültig hat sie die Gewissheit erhalten, dass sie zur Allrounderin geworden ist, dass sie ganz nah ist an der Weltspitze.

Den Steigerungslauf und das Selbstvertrauen hat Fähndrich mitgenommen in den ungewohnten Frühling, in den harten Aufbau im Sommer und Herbst und nun in den Winter im dunklen Norden. «Vor allem im Sprint will ich jetzt gewinnen», sagt sie. «Ich gehe nicht mehr an den Start mit der Vorgabe, mein Bestes zu geben. Ich laufe los, um die Beste zu sein.» Der Formaufbau zielt auf die Weltmeisterschaften von Ende Februar/Anfang März in Oberstdorf hin. Unter diesem Gesichtspunkt wäre es falsch, sogleich Erstklassergebnisse zu erwarten. «Ich benötige immer einige Wettkämpfe, um in Form zu kommen.» Trotzdem zeigt sich die Schweizer Teamleaderin ehrgeizig: «In Ruka schaffte ich es noch nie in einen Sprint-Halbfinal.» Das will sie nun ändern.

Das Wissen über die Fortschritte tun gut. Hinzu kommt aber auch ihre Ruhe. Sie sagt: «Ich bin auf einen anderen, schwierigen Winter eingestellt, und das macht mich nicht nervös.» Respekt hat sie vor der Situation, vorsichtig verhält sie sich, aber Angst lässt sie nicht aufkommen. Langlauf-Chef Christian Flury sagt: «Nadine entwickelt sich sehr erfreulich zur kompletten Läuferin. Sie ist voll auf Kurs und auch psychisch bereit für einen nächsten Schritt.»