Farbkleckse für Federer beim Madrid Ausscheiden

Weshalb Roger Federer seine Rückkehr auf Sand trotz Viertelfinal-Aus in Madrid als Erfolg verbucht.

Simon Häring, Madrid
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Ist in Madrid ausgeschieden: Roger Federer. (Bild: Freshfocus (Madrid, 10. Mai 2019))

Ist in Madrid ausgeschieden: Roger Federer. (Bild: Freshfocus (Madrid, 10. Mai 2019))

Roger Federer war schon immer einer, der gerne vom grossen Bild sprach. Davon, dass einzelne Niederlagen oder Siege dieses zwar trüben oder aufhellen mögen, dass sie aber immer nur Teil eines Gesamtwerks seien. Und so mass er weder dem Sieg gegen Gaël Monfils, bei dem er zwei Matchbälle abgewehrt hatte, noch der Niederlage gegen Dominic Thiem zu viel Bedeutung bei. Gegen den 25-jährigen Österreicher, der ihn in Madrid zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum vierten Mal im sechsten Duell besiegte, hatte Federer seinerseits zwei Matchbälle nicht verwerten können. Nach 2:10 Stunden verlor Roger Federer den Viertelfinal mit 6:3, 6:7 (11:13), 4:6.

«Es ist nie schön, wenn man nach Matchbällen noch verliert», aber insgesamt sei es eine gute Woche gewesen. Letztmals hatte Federer vor drei Jahren ein Turnier auf Sand bestritten. Die Erinnerungen an den 12. Mai 2016 in Rom waren noch frisch – und sie waren: schlecht. Drei Monate nach seinem Meniskusriss hatte er Schmerzen im linken Knie, dazu machte ihm der Rücken zu schaffen. In Madrid sagte er:

«Ich hätte niemals spielen sollen. So schlecht wie damals habe ich mich auf einem Tennisplatz noch nie gefühlt.»

Federer verzichtete daraufhin auf seine Teilnahme bei den French Open, pausierte ein halbes Jahr und machte seither einen weiten Bogen um Sandplätze. Sein Gegner damals in Rom war der gleiche wie nun in Madrid: Dominic Thiem. Doch diesmal war es ein Duell auf Augenhöhe. Federer riss die Zuschauer mit seinem Tennis im ersten Satz von den Sitzen, hatte gegen den Mann der Stunde, der zuletzt in Barcelona Rafael Nadal zum vierten Mal in den letzten drei Jahren auf Sand bezwungen hatte, im Tiebreak des zweiten Satzes zwei Matchbälle und kämpfte sich im dritten Satz nach Breakrückstand zurück. Gleichwohl musste Federer den Platz als Verlierer verlassen. Dass der Veranstalter dazu den Hit «Highway to Hell» (Autobahn in die Hölle) seiner Lieblingsband AC/DC spielte, war wohl ein unglücklicher Zufall. Federer selber zog ein positives Fazit. «Ich bin der Meinung, dass ich drei gute Spiele gezeigt habe. Ich war ja zweimal auch nur einen Schlag vom Halbfinal entfernt, insofern bin ich sehr zufrieden», sagte Federer. Vor allem die beiden engen Spiele gegen Monfils und nun Thiem hätten ihn in der Meinung bestärkt, mit seiner Rückkehr die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Vor dem Turnier hatte Federer gesagt, er wolle seine Rückkehr geniessen. Es solle nicht nur Krampf und Kampf sein. Aber er hoffe, auch drei, vier Spiele zu gewinnen. «Denn Siege lösen Pro­bleme. Sie lassen dich die Dinge von der sonnigen Seite betrachten.» Er habe nun die Bestätigung, in den letzten Wochen gute Arbeit geleistet zu haben.

«Der Schock für den Körper war nicht gross. Ich bin körperlich in einer guten Verfassung. Das Rutschen bereitet mir keine Probleme – nicht beim Rücken, nicht bei den Adduktoren, nicht bei der Hüfte.»


Bisher galt es als ausgemacht, dass der Baselbieter nur in Madrid und Paris auf Sand antritt. Nun fühlt er sich aber so gut, dass er eine Teilnahme in Rom in der kommenden Woche in Betracht zieht. Er sagt: «Ich wollte mir alle Möglichkeiten offenhalten.» Entscheiden muss sich Federer bis spätestens am Mittwoch vor seinem ersten Spiel. Federer sagt, er fühle sich so gut, dass es Sinn machen könnte, vor Paris noch ein Turnier zu bestreiten, statt in der Schweiz zu trainieren. «Denn dort präsentiert sich das Wetter nicht gerade rosig.» Auch bei diesem Gedankenspiel hatte Federer das grosse Bild im Blick. Madrid ist für ihn ein weiterer Farbklecks zum Gesamtwerk.

Belinda Bencic im Würgegriff

Schon auf dem Platz flossen die ersten Tränen. Und nachdem Belinda Bencic den Halbfinal von Madrid gegen die Rumänin Simona Halep (WTA 3), die Roland-Garros-Siegerin, in knapp zwei Stunden mit 2:6, 7:6 (7:2), 0:6 verloren hatte, wollte sie so schnell wie möglich weg. An den Flughafen, weiter nach Rom, wo sie in der kommenden Woche spielt. Doch dann besann sich die 22-Jährige eines Besseren, und nachdem sie sich in der Kabine gesammelt hatte, versuchte sie, doch noch eine Erklärung abzugeben, weshalb ihr Madrid-Märchen in Tränen endete.

«Simona spielt wie eine aggressive Ballwand. Sie hatte mich dauernd im Würgegriff. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr, mich daraus zu befreien», sagte Bencic zu dieser Zeitung. «Darum hatte ich einen kleinen mentalen Zusammenbruch. Ach, was sage ich – einen grossen.» Nach dem Spiel habe sie einen Moment für sich gebraucht, um sich wieder zu sammeln. Mit ein wenig Abstand zeigte sie sich glücklich mit dem Turnier in Madrid, dem besten, das sie je auf Sand gespielt habe. Sie besiegte mit der Russin Swetlana Kusnezowa die French-Open-Siegerin von 2009 und in den Viertelfinals bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die japanische Weltnummer 1, Naomi Osaka. Bencic steht bei 26 Siegen, nur die Tschechin Petra Kvitova war noch erfolgreicher (27). In der Weltrangliste hat sich Bencic seit Januar von Platz 54 bis auf Rang 15 vorgespielt. So gut war sie letztmals im Juli 2016 klassiert. Und in der Jahreswertung liegt sie auch nach Madrid mindestens im fünften Rang.