Favoritenschreck HC Ajoie will im Cup die nächste Sensation schaffen

Bodigt Ajoie nach Lausanne, Zürich, Biel am Sonntag im Cupfinal auch Davos? Der Horwer Ueli Huber spielt seit dieser Saison bei den Jurassiern. Er rechnet sich im Final gute Chancen aus.

Philipp Zurfluh
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Die Spieler von Ajoie feiern gemeinsam mit den Fans den Einzug in den Cupfinal, nach dem 4:3-Sieg gegen Biel.

Die Spieler von Ajoie feiern gemeinsam mit den Fans den Einzug in den Cupfinal, nach dem 4:3-Sieg gegen Biel. 

Bild: Georgios Kefalas/Keystone (15. Dezember 2020)

Der HC Ajoie aus der Swiss League ist quasi das Ambri der Romandie. Der Dorfklub ist bekannt für seine heissblütigen Anhänger – in Pruntrut wird wahrer Hockeykult gelebt. Ein Spieler, der dieses Gefühl kennt, ist Ueli Huber. Der 24-jährige Horwer steht seit Saisonbeginn bei den Ajoulots unter Vertrag. «Hier geht es sehr familiär zu und her. Die Mentalität ist anders als in der Deutschschweiz», sagt Huber, der diese Saison von Olten zu Ajoie gewechselt ist. «Die Leidenschaft und Hingabe zum Hockey sind einzigartig. Eine ganze Region steht am Sonntag hinter uns.»

Ueli Huber, Stürmer beim HC Ajoie.

Ueli Huber, Stürmer beim HC Ajoie.

Bild: PD

Der Stürmer spricht den Cupfinal gegen Davos an. Es ist das Spiel des Jahres für die Jurassier. Der Weg dorthin war beeindruckend. Mit Lausanne, Zürich und Biel hat Ajoie gleich drei National-League-Vertretern den Zahn gezogen und die Eishockeyszene ins Staunen versetzt.

Die ganze Region steht hinter dem Verein

Diesmal gibt’s aber kein Heimspiel: Erstmals wird der Cupfinal nicht in einem Stadion eines beteiligten Klubs ausgetragen. Der HC Ajoie hätte als unterklassiges Team Heimrecht gehabt. Doch weil die Patinoire de Voyeboeuf den Bedingungen des Schweizer Eishockeyverbandes nicht genügt, findet der Match in der neuen Arena in Lausanne statt. «Für uns ist das ein Nachteil», macht Huber klar. Aber: «Der Rückhalt ist riesig. Aus dem Jura werden viele Fans nach Lausanne reisen.» Die Rede ist von 7000 Anhängern. «Wir spielen nie vor so vielen Zuschauern», erklärt der Profi, der nebenbei die Höhere Fachschule für Betriebswirtschaft in Aarau besucht. «Es wird eine einmalige Kulisse und ein Kontrast zum Alltag in der Swiss League.» Dort spielt das Team auch mal vor weniger als 200 Fans.

Dem HC Ajoie läuft’s rund. Der Klub liegt in der Meisterschaft auf Rang zwei. Trainer Gary Sheehan lässt schnörkelloses, mutiges und offensives Hockey spielen – und setzt auf den 24-Jährigen. Dieser zahlt das Vertrauen mit bislang 14 Toren und 15 Assists in der laufenden Saison zurück. Huber ist teamintern fünftbester Skorer. «Es ist meine mit Abstand beste Saison», sagt der Stürmer. Rückblickend sei der Wechsel von Olten nach Ajoie ein Glücksfall gewesen. «Die Luftveränderung hat gutgetan. Auch mit dem Französisch läuft’s immer besser», scherzt Huber, der während sechs Jahren bei den Eliteteams des EV Zug spielte und dort zum Eishockeyprofi heranreifte. Der Horwer hat noch einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2020/21. Wie es dann weitergeht, sei offen. Er hat den Traum noch nicht aufgegeben, mal bei einem Team in der National League Unterschlupf zu finden. Aber es sei gut so, wie es jetzt ist: «Ich bin glücklich bei Ajoie.»

Ajoie stellt ein überragendes kanadisches Stürmerduo

Dass die Jurassier in der Meisterschaft und im Cup in Fahrt sind, ist vor allem einem kongenialen Stürmerduo zu verdanken. Die Kanadier Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen dominieren die Swiss League. Devos hat bislang 94, Hazen 77 Skorerpunkte gesammelt, ein überragender Schnitt von über zwei Punkten pro Spiel. Übrigens: Die Davoser haben keine guten Erinnerungen an ihren letzten Cupfinal 2018. Die entfesselt aufspielenden Rapperswil-Jona Lakers, die damals noch in der Swiss League spielten, deklassierten die Bündner gleich mit 7:2. Das Rezept für die Sensation? «Unser bestes Hockey auspacken und offensiv eiskalt zuschlagen. Dann ist alles möglich. Wir glauben daran», versprüht Ueli Huber viel Optimismus.

TV-Hinweis: SRF 2 überträgt das Spiel live am Sonntag ab 18 Uhr.