Super League
Ein Spitzenkampf im Sandwich: Der FCB empfängt zwischen den Bröndby-Spielen die Berner Young Boys

Zwischen den so wichtigen Bröndby-Spielen kommt es für den FC Basel ausgerechnet auch noch zum Duell mit YB. Gegen die Berner soll ein Achtungserfolg her - und dieser eine Initialzündung sein.

Céline Feller
Drucken
Nach dem Duell mit Bröndby und dem Ex-Basler Blas Riveros (l.) ist für den FCB und Wouter Burger vor dem Spitzenspiel gegen YB.

Nach dem Duell mit Bröndby und dem Ex-Basler Blas Riveros (l.) ist für den FCB und Wouter Burger vor dem Spitzenspiel gegen YB.

Freshfocus

Bröndby, Bern, Bröndby. Dann Lugano. Es geht Schlag auf Schlag auf Schlag beim FC Basel. So früh in der Saison ist alles so wichtig. Natürlich gab es diesen Rhythmus schon vergangene Saison. Aber da hiess der Gegner in der 3. Qualifikationsrunde zur Conference League nicht Bröndby – beziehungsweise war er nicht von der Stärke der Dänen – und stand zwischen diesem so bedeutenden Hin- und Rückspiel nicht auch noch der Spitzenkampf mit YB an.

Wobei, rein tabellarisch ist es ja kein Spitzenkampf. Die Berner sind mit einem Spiel mehr schon fünf Punkte entflohen. Resultiert am Sonntag eine Niederlage für die Basler, sind es bereits fünf Verlustpunkte. Es sind frühe tabellarische Spielerein, die nur dann verlockend sind, wenn der FCB-Gegner eben YB oder FC Zürich heisst.

Es sind aber auch Spielereien, von denen Alex Frei nichts wissen will. Viel zu früh sei es dafür:

«Denn ich habe mit Ausnahme von Ligen wie Schweden noch nie gesehen, dass im Oktober ein Pokal überreicht wird.»

Wäre der FCB-Coach von Beruf jedoch Fan oder Journalist, ja, dann würde er diese Rechen-Spielchen auch machen, so ehrlich ist der 43-Jährige.

Das Warten auf die Initialzündung

Dieses Duell zwischen Basel und Bern ist aber auch ohne die Spielereien ein besonderes. Und für den FCB umso mehr, da er doch unbedingt seinen ersten Sieg in der Liga braucht und will. Oder wie Alex Frei es nennt: «einen Achtungserfolg». Ein Sieg gegen YB, das bislang mit Ausnahme vom Remis vergangenes Wochenende wettbewerbsübergreifend alles gewonnen hat, wäre mit Sicherheit ein solcher:

«Und ein solcher Achtungserfolg wäre eine Initialzündung. Dafür, dass das Wettbewerbsglück auf unsere Seite kippt.»

Denn dieses fehlt den Baslern aus Sicht des Trainers zur Zeit noch. Sei es dann, wenn es darum geht, dass sein Team gute Leistungen zeigt wie gegen Bröndby oder Servette und dennoch schlecht belohnt wird. Oder wenn es um Schiedsrichterentscheide geht. Bereits drei Elfmetersituationen zählt Frei, die gegen den FCB entschieden wurden.

Die jüngste ist die Szene, in der Dan Ndoye in der Nachspielzeit in Kopenhagen gefoult wird, ein Elfmeterpfiff jedoch ausbleibt und ein Eingreifen des VARs nicht möglich ist, weil die Uefa in der Conference League darauf verzichtet.

Dieses ausbleibende Wettkampfglück fällt in jene fünf Prozent hinein, die Alex Frei nicht gefallen haben vom Hinspiel in Dänemark, wenn er sagt: «95 Prozent von dem, was wir uns vorgenommen haben, haben wir umgesetzt.» Vor allem im ersten Durchgang sah er sein Team als «taktisch sehr stark». In der Summe sei es «sehr zufriedenstellend». Jetzt müssen neben dem Wettkampfglück einfach noch die Resultate stimmen.

Nur Bröndby schlägt David Degena uf den Magen

Sorgen muss sich Alex Frei aber noch keine machen. Und das tut er auch nicht. Weil er spürt, dass sein Chef David Degen zufrieden ist. «Natürlich hätte er auch lieber bereits sechs Punkte als nur zwei. Aber er ist zufrieden mit der Entwicklung – vor allem einzelner Spieler.» Auf den Magen schlage Degen nur Bröndby, nicht Bern.

Denn während eine allfällige Niederlage gegen YB im Laufe einer langen Saison anderweitig kompensiert werden könnte, wäre ein Aus gegen Bröndby fatal. Vielleicht fühlt sich dieser Spitzenkampf im Sandwich der Bröndby-Spiele auch ob der Bedeutung dieses Weiterkommens noch nicht so gross an, wie er das eigentlich sollte. Weil eben nicht nur David Degen, sondern alle wissen, dass die Einnahmen und die Wertsteigerung des Teams an der Teilnahme am europäischen Geschäft hängen.

Dass ein Dabeisein in der Conference League ein wichtiger Faktor für die Beurteilung der Saison sein wird, ist selbstredend. Härter aber ist der Faktor Zeit, so betont es Frei immer wieder. Zeit, die der FCB zwar benötigt, aber im aktuellen Match-Takt nicht hat. «Aber wir im Verein wissen alle, dass es diese Zeit braucht. Dass dem so ist, macht es sehr angenehm zu arbeiten.»

Frei wäre nicht Frei, würde er apropos Zeit nicht auch noch an die Adresse der Young Boys einen kleinen Seitenhieb mitgeben. An die Berner, die alle aktuell loben, und denen alle unter Neo-Coach Raphael Wicky einen schnelleren, reibungsloseren Prozess attestieren, die auch wirklich gut auftreten, aber beispielsweise international nicht ein Kaliber wie Bröndby zu bespielen haben. So sagt Frei:

«YB brauchte etwa 35 Jahre, um eine Mannschaft zu finden, die Titel gewinnen kann. Ich werde keine 35 Jahre hier Zeit bekommen, das weiss ich. Aber wir werden unsere Zeit dennoch brauchen.»

Das beste Team der Schweiz zu Gast

Dass jetzt drei Heimspiele in Serie anstehen, passt dem nach dem Sieg suchenden FCB gut ins Programm. «Heimspiele sind da, um sie zu gewinnen», sagt Frei. Und fügt an: «Wir waren vielmals nahe dran.» Ob gegen YB aus einem «nahe dran» ein «erreicht» wird, wird sich weisen. Einfach wird es allemal nicht. Denn, und dessen sind sich wohl alle mit Frei einig: «YB ist Stand heute die beste Mannschaft der Schweiz. Sie haben eine unglaubliche Power nach vorne, eine Torgefährlichkeit und Dynamik. Das wird eine grosse Aufgabe für uns.» Die zweite von vieren innerhalb von nur zehn wegweisenden Tagen.