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FCB-Star Marc Janko bricht sein Schweigen: "Da sind scharfe Pfeile geflogen"

Mit dem FC Basel brillierte er, mit Österreich erlitt er an der EM Schiffbruch: Marc Janko, eigentlich ein gesprächiger Zeitgenosse, zog sich ins Schneckenhaus zurück. Bis jetzt.

Sebastian Wendel
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Marc Janko kann wieder lachen: Die enttäuschend verlaufenen EM mit Österreich ist abgehakt.

Marc Janko kann wieder lachen: Die enttäuschend verlaufenen EM mit Österreich ist abgehakt.

KEYSTONE/APA/HERBERT PFARRHOFER

Es gehe ihm so gut wie lange nicht mehr, sagt Janko gegenüber der APA (Österreichische Presseagentur). Eine Aussage, die angesichts der letzten Wochen überrascht. Zumindest mit Blick auf seine Auftritte als Fussballer (Janko wurde vor kurzem erstmals Vater, privat dürfte also alles bestens sein): Nachdem er in den ersten drei Saisonvierteln im FCB-Trikot Tor um Tor erzielte, verletzte er sich im Frühling. Also kurz vor der Europameisterschaft in Frankreich. Zwar war er rechtzeitig zum ersten Spiel gegen Ungarn wieder fit - doch sowohl für die ganze österreichische Nationalmannschaft als auch für Janko persönlich endete das Turnier im Fiasko.

Als Geheimfavorit reisten die "Ösis" nach Frankreich, als Tabellenletzter schieden sie schon in der Vorrunde aus. Janko spielte dabei nur zu Beginn gegen Ungarn von Anfang an und danach nur noch wenige Minuten im letzten Spiel gegen Island. Gerüchte kamen auf: Janko sei verletzt. Oder: Er habe sich mit Nationaltrainer Marcel Koller überworfen. Beim abschliessenden Teamessen seien Teller geflogen.

Nach dem Out ging Janko auf Tauchstation. Auch nach der Rückkehr ins FCB-Training schwieg er eisern. Die Vermutungen, dass rund um die EM irgendetwas Gravierendes vorgefallen sei, schienen sich zu bewahrheiten. Alles falsch. Sagt Janko, der den Maulkorb abgelegt hat und seine Sicht der Dinge gegenüber der APA darlegt.

Zu den Gerüchten um die Streitigkeiten im Team: "Ich habe wieder etwas gelernt über den Umgang mit einigen Medien. Es war eine weitere Erfahrung, wie die Medien-Landschaft in Österreich funktioniert. Das war teilweise sehr enttäuschend, da sind schon scharfe Pfeile geflogen. Aber das hat nichts mit meiner Passion zu tun, Nationalspieler zu sein. Fakt ist, dass Geschichten frei erfunden worden sind, komplett aus der Luft gegriffen. Das ist eine neue Dimension von Journalismus. Natürlich war die Stimmung nicht überragend, aber Spannungen gab es 0,0 Prozent. Wir sind weiter eine harmonisierende Gemeinschaft, daran hat sich nichts geändert."

Zur Aufarbeitung der katastrophal verlaufenen EM: "Wir haben in Frankreich auch schon gesprochen, bei diesem Abendessen, bei dem angeblich Teller geflogen sein sollen. So ein Schwachsinn, das ist frei erfunden. Da wurde normal gesprochen in einem vernünftigen Ton. Dort hat der eine oder andere das Wort ergriffen und gesagt, dass es jetzt wichtig ist, zusammenzuhalten. Ich denke nicht, dass wir uns durch diese Euro unseren Weg schlechtreden lassen. Ich zähle weiter auf die Unterstützung der Fans. Es wird sich zeigen, wer wirklich hinter uns steht, und wer nur ein Schönwetterfan ist."

Zu den Gründen für das österreichische EM-Desaster: "Es hängt immer noch ein bisschen nach. Die Enttäuschung über die Art und Weise, wie alles verlaufen ist, ist groß. Es sind die Details, die auf diesem Level entscheiden. Die Dinge, die so viel hätten möglich machen können, sind nicht für uns gelaufen. Die genauen Gründe erspare ich mir jetzt. Wir als ÖFB-Team haben einiges einstecken müssen, teilweise auch sehr entbehrliche Sachen. Aber da müssen wir drüberstehen als Berufssportler. Einige Medien haben sogar Teamchef Marcel Koller infrage gestellt, das hat mich schon überrascht. Die Beurteilung ist typisch österreichisch gewesen – ein Schwarz-Weiß-Denken. Wir haben im Vorfeld immer wieder darauf hingewiesen, dass es keine leichte Aufgabe ist. Hochmütigkeit können wir uns nicht vorwerfen. Die Erwartungshaltung ist von der Öffentlichkeit gekommen. Die hat uns ja schon als Europameister gesehen. Ich für mich habe das Abschneiden sehr wohl analysiert. Über meine Mitspieler spreche ich nicht, ich kann nur meine eigene Leistung analysieren. Da habe ich Frieden geschlossen."

Zur Zukunft in der Nationalmannschaft: "Ich habe nie mit Rücktrittsgedanken gespielt. Wenn man mit mir weitermachen will, stehe ich gerne zur Verfügung. Wenn ich nicht mehr gebraucht werde und man einen Schnitt machen will, werde ich das auch akzeptieren. Ich bin gerne Nationalspieler, aber über eine Einberufung entscheidet der Teamchef Marcel Koller. Ich spiele ihm da gerne den Ball zu. Ich werde jedenfalls weiter alles probieren, um dem Team zu helfen."

Zu Gedanken, den FC Basel zu verlassen: "Ich habe es nur so analysiert, wie es im Geschäft ist: Dass die Möglichkeit besteht. Ich habe immer betont, dass ich mich sehr wohlfühle in Basel. Ich kann mir vorstellen, meine Karriere hier zu beenden. Wenn wir eine Riesen-EM gespielt hätten, hätte das vielleicht Begehrlichkeiten geweckt. Es hätte aber etwas sehr, sehr Gutes kommen müssen, damit ich überhaupt darüber nachgedacht hätte."

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