FCL-Abwehrmann Grether vor dem schweren Gang zu YB: «Wir dürfen uns auf keinen Fall aufgeben, sonst gibt’s ein Päckli»

Das Auswärtsspiel des FC Luzern morgen Samstag (19.00) beim Meister YB könnte zu einem sportlichen Himmelfahrtskommando werden.

Daniel Wyrsch
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FCL-Verteidiger Simon Grether (links) duelliert sich mit Roger Assalé von den Young Boys.

FCL-Verteidiger Simon Grether (links) duelliert sich mit Roger Assalé von den Young Boys.

Pius Amrein (Luzern, 1.September 2019)

An der FCL-Medienkonferenz vor dem Meisterschaftsspiel beim Tabellenersten BSC Young Boys vertritt Simon Grether die Mannschaft. Bei der aktuell sehr dünnen Luzerner Personaldecke ist man dazu geneigt, den 27-jährigen Abwehrmann als rare Spezies im Journalistenkreis zu begrüssen. Denn die Liste der abwesenden Spieler ist ausserordentlich lang, total neun Namen stehen darauf: Gesperrt sind Idriz Voca, Silvan Sidler und Blessing Eleke. Nach wie vor verletzt sind Christian Schwegler, Marvin Schulz, Tsiy Ndenge, Otar Kakabadse, Remo Arnold und Salah Aziz Binous. Simon Grether bestätigt: «Wir werden immer weniger. Das ist nicht schön und in diesem Ausmass besonders, so viele Abwesende hatten wir noch nie.»

Trainer Thomas Häberli kündigt an: «In Bern werden junge Spieler das Debüt geben, es geht nicht anders.» Zu den beiden 18-jährigen Darian Males und David Mistrafovic sowie dem 20-jährigen Lorik Emini, der mit einem Teileinsatz am Sonntag gegen St. Gallen (1:4) debütierte, kommen weitere Fussballer aus der U21 zum Super-League-Einstand.

YB mit dem klaren Torschützenleader Nsame

Das ist auch für die übrig gebliebenen Kaderspieler nicht einfach, da im Normalfall höchstens ein, zwei Junge ins Team eingebaut werden. «Wir können nicht kaschieren, dass wir weniger Erfahrung und Qualität haben», ist sich Simon Grether bewusst. Doch er hat schon immer von seinem kämpferischen Naturell gelebt, so stellt er fest: «Die Umstände gilt es anzunehmen – und wir haben nichts zu verlieren gegen YB. Wir müssen noch mehr laufen, noch mehr für die defensive Stabilität tun und als Einheit auftreten. Dann ist auch in Bern alles möglich, das Spiel fängt bei 0:0 an.»

Allerdings haben die Berner die stärkste Offensive der Liga – mit 38 Toren einen Treffer mehr erzielt als die jungen St. Galler Himmelsstürmer – und in der Person von Jean-Pierre Nsame den mit Abstand besten Schützen der Liga (15 Tore) in ihren Reihen. Dazu ist Teamleader Guillaume «Air» Hoarau in Basel (0:3-Niederlage) nach seiner Verletzungspause in die Startelf zurückgekehrt.

«Wir haben nichts zu verlieren in Bern», heisst der Mutmacher.

Das sind keine guten Aussichten für die stark dezimierten Luzerner, welche die letzten fünf Ligaspiele allesamt verloren haben. Geht der FCL in dieser praktisch ausweglosen Lage mit der Absicht ins Spiel, vor allem auf Schadensbegrenzung zu machen, um einer Kanterniederlage zu entgehen? Grether: «Wir haben wie gesagt nichts zu verlieren, dürfen uns auf keinen Fall aufgeben, sonst gibt’s ein Päckli.»

Der frühere Basel-Nachwuchsspieler sieht der Realität ins Auge. «Fakt ist, dass es nicht gut aussieht, wenn man fünf Niederlagen aneinander reiht und zum Abschluss der Vorrunde noch gegen den Leader YB und gegen dessen ersten Verfolger Basel antreten muss.»

Das probate Gegenmittel: Beissen, kratzen und zerren

Grether stellt aber sofort klar, dass solche negativen Ausnahmesituationen dazugehören würden. «Das ist Teil des Geschäfts, wird sind Profis, müssen damit klar kommen.»

Der Faktor Spass am Fussball spiele derzeit eine sehr untergeordnete Rolle, beantwortet Simon Grether eine entsprechende Frage. «Freude kommt erst auf, wenn wir wieder Erfolgserlebnisse haben. Derzeit haben wir keinen Grund, uns zu freuen.» Der als Verteidiger und im defensiven Mittelfeld einsetzbare Wahl-Megger fordert: «Gegenwärtig gibt’s für uns nur eines: Um jeden Ball kämpfen, beissen, kratzen und zerren.»