FCL brilliert in erster Halbzeit – und holt bei der Celestini-Premiere einen 3:2-Zittersieg

Der FC Luzern ist in den ersten 45 Minuten beim Rückrundenstart auswärts gegen den FC Zürich nicht wiederzuerkennen. 3:1 führen die Innerschweizer, müssen aber am Ende über den 3:2-Erfolg glücklich sein.

Daniel Wyrsch aus Zürich
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Die Luzernern jubeln nach ihrem Sieg.

Die Luzernern jubeln nach ihrem Sieg.

Ennio Leanza/ KEYSTONE

Auf der Tribüne und an den TV-Geräten rieben sich langjährige Beobachter des FC Luzern während der ersten Halbzeit die Augen. Ist das wirklich die gleiche Mannschaft, die in der Vorrunde mit harmlosen Auftritten nicht weniger als zehn Meisterschaftsspiele verloren hatte? Die Innerschweizer überzeugten im ersten Match unter dem neuen Trainer Fabio Celestini lange Zeit mit frechem Pressing und tollem Direktspiel. 

Den mutigen Gästen aus Luzern konnte auch ein früher Rückstand in der 5. Minute nichts anhaben, unbeeindruckt spielten und kämpften sie weiter. Selbst der 18-jährige Super-League-Debütant Ashvin Balaruban, der das 0:1 verschuldete, machte unbeirrt weiter. Celestini machte seinem jungen Schützling auch keinen Vorwurf, dass er einen 40-Meter-Pass von Mirlind Kryeziu unterlaufen hatte. «Er ist noch jung, hat wenig Erfahrung, da können Fehler leichter passieren», sagte der Trainer. Er war es schliesslich, der das Risiko mit der Nomination des linken Verteidigers verantwortete. Dankeschön sagte FCZ-Flügelspieler Marco Schönbächler, er verwertete die Vorlage mutterseelenalleine vor Marius Müller zum 1:0.

Celestini führt mit psychologischem Geschick

So überzeugend wie die Luzerner Mannschaft den Rückstand wegsteckte, ging Fabio Celestini mit dem fehlerhaften jungen Spieler in der Folge des Spiels um. Erst in der 52. Minute wechselte er Ashvin Balaruban aus, dabei umarmte er den spielerisch talentierten und schnellen Verteidiger, der erst am Freitag seinen ersten Profivertrag beim FCL bis 2023 unterschrieben hatte. 

Ashvin Balaruban wird bei der Auswechslung von Fabio Celestini umarmt.

Ashvin Balaruban wird bei der Auswechslung von Fabio Celestini umarmt. 

Martin Meienberger/freshfocus

Doch zurück zum bemerkenswerten Angriffsfussball der Blauweissen in den ersten 45 Minuten. Den Anfang machte Idriz Voca in der 13. Minute mit einem satten Schuss aus 20 Metern, der zum 1:1-Ausgleich im Tornetz hinter Zürichs Goalie Yanick Brecher einschlug. 

Idriz Voca, Ibrahima Ndiaye und Silvan Sidler (Luzern) jubeln nach dem Tor zum 1:1.

Idriz Voca, Ibrahima Ndiaye und Silvan Sidler (Luzern) jubeln nach dem Tor zum 1:1.

Martin Meienberger/freshfocus

Doppelschlag innert dreier Minuten durch Matos und Margiotta

Zwischen der 24. und 27. Minute schossen die Luzerner zwei Tore, gingen 2:1 und 3:1 in Führung. Dabei zahlte sich beim ersten der beiden Treffer erstmals das Trainieren der Standards unter Celestini aus. Einen Corner spielte Voca clever zurück auf Francesco Margiotta, der den Ball scharf und flach vors Tor passte, wo Ryder Matos auf gleicher Höhe mit einem Zürcher Abwehrmann ins Tor ablenkte. Beim 3:1 schien sich der FCL kurzzeitig sogar in einen selten gesehenen Rausch gespielt zu haben: Zuerst fing der erstmals als Captain angetretene Lucas Alves einen FCZ-Angriff ab, lief über das halbe Feld, bevor er zu Ibrahima Ndiaye passte. Der rechte Flügel trat eine Hereingabe, die Darian Males direkt für Francesco Margiotta auflegte. Der Italiener schoss den Ball aus der Drehung volley unhaltbar für Brecher ins Netz. Ein Traumtor! 

Die drei FCL-Tore im Schnelldurchlauf:

Francesco Margiotta erzielt das Tor zum 3:1 für den FC Luzern.

Francesco Margiotta erzielt das Tor zum 3:1 für den FC Luzern.

Martin Meienberger/freshfocus

Goalie Müller mit mehreren überragenden Aktionen

Doch davor und vor allem später musste sich der FCL immer wieder bei seinem erneut überragenden Keeper Marius Müller bedanken, der mehrere Glanzparaden zeigte. So in der 19. Minute nach einem Corner bei einem Schuss von Nathan aus kurzer Distanz. Oder dann nach der Pause, als er sich zweimal gegen Kopfbälle von Mirlind Kryeziu und Abschlussversuche von Aiyegun Tosin auszeichnete. 

FCL-Keeper Marius Müller zeigte eine starke Leistung.

FCL-Keeper Marius Müller zeigte eine starke Leistung.

Andy Mueller/freshfocus

Ein Fehlpass von Silvan Sidler brachte die Zürcher in der 78. Minute zurück ins Spiel. Der eingewechselte Benjamin Kololli legte für Blaz Kramer auf - und der FCZ hatte mit dem 2:3-Anschlusstor wieder gute Chancen auf mindestens einen Punktgewinn. 

Vier Minuten zuvor hatte der eingewechselte Ex-FCL-Captain Pascal Schürpf Glück, dass ein an seinen Arm gesprungener Ball in eigener Tornähe von Schiedsrichter Urs Schnyder aus Escholzmatt LU nicht als penaltywürdig taxiert wurde. Übrigens: Der Entlebucher Unparteiische machte sonst einen einwandfreien Job an diesem Samstagabend.

Celestini moniert die fehlende Ordnung in den letzten 30 Minuten

Die Luzerner, die sich ab einer Stunde Spielzeit zu stark in die eigene Platzhälfte drängen liessen, mussten nach dem zweiten Tor des FCZ um den Vollerfolg bangen. Fabio Celestini fasste die Leistung seiner Mannschaft mit folgenden Worten zusammen: «Mit der ersten Halbzeit bin ich sehr zufrieden, wir haben unsere Aufgabe mit und ohne Ball sehr gut gemacht. Doch in den letzten 30 Minuten verloren wir doch etwas die Organisation.» Richtig zufrieden war der Coach mit seiner FCL-Premiere am Ende nur bezüglich der Ausbeute: «Die drei Punkte sind natürlich sehr gut.» Froh stimmt Celestini auch die Arbeit mit dem Team und dessen Mentalität.

Zürichs Coach Ludovic Magnin dagegen haderte mit dem fehlenden Glück in diesem Rückrunden-Auftaktmatch: «Ich bin sehr enttäuscht. Nach einem Start nach Mass hatten wir in der heutigen Partie gegen Luzern nicht mehr das Wettkampfglück wie in den letzten Spielen vor Weihnachten.» Seiner Mannschaft habe das Quäntchen Glück im Abschluss gefehlt, sagte Magnin. Das stimmt. Der FCL zitterte sich richtiggehend zum Sieg, in der Nachspielzeit verfehlte ein Kopfball von Nathan das Luzerner Tor nur knapp, das Spielgerät ging um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei. Da hätte auch Müller nichts mehr machen können. 

Müller zeigt Verständnis für seine abbauenden Vorderleute

Marius Müller stellte nach dem 3:2-Erfolg zufrieden fest: «Mich freut es für unsere Truppe.» Der 26-jährige Deutsche hatte Verständnis, dass seine Vorderleute am Schluss physisch abgebaut hatten. «Wenn man 60, 70 Minuten Pressing spielt, ist es normal, dass du um die 80. Minute herum auf dem Zahnfleisch läufst.» Der Einsatz hat sich auf jeden Fall gelohnt, nach der 1:2-Heimniederlage von Xamax gegen Servette beträgt der Luzerner Vorsprung auf den Barrage-Platz (9.) und die Neuenburger nunmehr sieben Punkte.

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