FCL-Coach Häberli und sein Team brauchen einen Befreiungsschlag

Der FC Luzern und sein angezählter Trainer Thomas Häberli müssen heute Samstag (19.00) beim FC Zürich diverse Widerstände überwinden.

Daniel Wyrsch
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Hat einen einsamen Job, wenn es nicht läuft: FCL-Trainer Thomas Häberli. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Luzern, 9. November 2019)

Hat einen einsamen Job, wenn es nicht läuft: FCL-Trainer Thomas Häberli. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Luzern, 9. November 2019)

FCL-Trainer kann ein einsamer Job sein. Unter anderem muss der Coach den Medien mindestens zweimal pro Woche Rede und Antwort stehen. Zwei Tage vor dem nächsten Spiel und direkt danach. Wenn wie jetzt die Position des Übungsleiters gefährdet ist, steht dieser erst recht im Fokus. Fünf Journalisten waren am Donnerstag nach Luzern gereist, nur um zu erfahren, wie es dem 45-jährigen Thomas Häberli vor dessen Schicksalsspiel in Zürich geht – und wie er mit Luzern die drohende vierte Niederlage in Serie abwenden will.

Überraschende neue Erkenntnisse haben die Gespräche mit Thomas Häberli und dessen Innenverteidiger Stefan Knezevic nicht gebracht. Der 23-jährige Profi ist ebenfalls auf der Hut, er gibt nicht im Ansatz preis, was derzeit in der Kabine läuft.

Von guter Stimmung spürt man auf der Allmend nichts

«Die Stimmung ist wie immer gut», sagt Knezevic mit leiser Stimme. Das ist bei einer Profitruppe im Tief nicht vorstellbar und widerspricht den Eindrücken auf der Allmend. Spielerisch hätten sie es nicht schlecht gemacht, findet Knezevic, «bei den Gegentoren haben wir manchmal dumm ausgesehen.»

Häberli befindet sich nach 14 Spieltagen nicht nur wegen den wenigen Siegen (4), Punkten (15) und Toren (14) in einer prekären Lage, noch mehr zu schaffen macht ihm die öffentliche Kritik seines Vorgesetzten Remo Meyer. Der 39-jährige Sportchef hatte seine Unzufriedenheit über die Arbeit des Trainers mit dem Team kundgetan. Das Potenzial der zur Verfügung stehenden Spieler sei bisher nicht ausgeschöpft worden. Dieses ungenügende Zeugnis muss für Häberli die Höchststrafe sein.

Während der ersten Woche der Länderspielpause war zudem unklar, ob der Ballwiler gegen den FCZ überhaupt noch an der Seitenlinie steht. Erst dann erklärte Meyer in unserer Zeitung, dass Häberli zumindest eine Galgenfrist für das nächste Spiel bekommt. Von einem Weckruf für Trainer und Mannschaft war die Rede. Doch wirklich klar ist nicht, was passieren würde, wenn der FCL in Zürich unterginge. Und ob der Sportchef überhaupt einen Nachfolger für Häberli bereit hätte. Immerhin bestätigte Meyer, dass er mit den verbliebenen zwei Verwaltungsräten Philipp Studhalter und Josef Bieri einen Trainerwechsel vornehmen könnte.

Häberli hofft, endlich in Führung zu gehen

Die Vorgabe von Meyer an Coach und Mannschaft lautet: «Dass sie im Endspurt der Vorrunde mit Leistungen und Punkten überzeugt.» Ist gar nicht so einfach, wenn die Gegner FCZ (4.), St. Gallen (3.), YB (1.) und Basel (2.) heissen. Häberli gibt sich kämpferisch: «Es spielt keine Rolle, gegen wen wir spielen, falls wir endlich einmal in Führung gehen könnten, würde uns das enorm helfen.» Er weist daraufhin, dass er mit dem FCL bereits Zürich, St. Gallen und YB in Pflichtspielen besiegt hat. Nur Basel war bislang immer stärker.

Zu denken gibt Häberli das Verletzungspech. «Seit September haben wir auf vier Positionen Personalprobleme.» Im zentralen Mittelfeld fallen Marvin Schulz, Tsiy Ndenge und Remo Arnold monatelang aus. Mit Georgiens Nationalteam hat sich nun auch noch Otar Kakabadse verletzt, damit sind mit ihm und Christian Schwegler beide Rechtsverteidiger nicht einsetzbar.

Jetzt hilft Häberli nur der Mut, nach Darian Males einem zweiten 18-jährigen Talent zum Super-League-Debüt zu verhelfen: David Mistrafovic. Er kann im zentralen Mittelfeld und auf allen Abwehrpositionen spielen. «Er ist ein Kandidat, vielleicht spielt er», sagt der angezählte Coach. Er und das Team brauchen einen Befreiungsschlag.