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FCL-Coach René Weiler: «Taktische Defizite wären schlimm»

FCL-Trainer René Weiler würde sein Spielerkader gerne verkleinern und mit Neuzugängen verstärken. Obwohl der 45-Jährige bekannt dafür ist, Klartext zu sprechen, ist ihm auch eine gute Stimmung im Team wichtig.
Daniel Wyrsch
FCL-Trainer René Weiler (rechts) mit seinem neuen Assistenten Manuel Klökler. (Bild: Andy Müller/Freshfocus (Luzern, 2. Januar 2019))

FCL-Trainer René Weiler (rechts) mit seinem neuen Assistenten Manuel Klökler. (Bild: Andy Müller/Freshfocus (Luzern, 2. Januar 2019))

Seit einem halben Jahr arbeitet René Weiler (45) in Luzern. Noch immer ist der eloquente Cheftrainer für die meisten Leute hier ein Buch mit sieben Siegeln. Das beweisen unter anderem die Journalistenfragen beim Trainingsstart. Weiler wurde gefragt, warum das Trainingslager am selben Ort wie bei seinen Vorgängern Markus Babbel und Gerardo Seoane stattfinde. Der FCL-­Coach antwortete darauf: «Es ist nicht besonders wichtig, wo das Camp stattfindet, sondern, dass wir es miteinander gut haben.»

Der Coach, der zu Beginn der Saison im Sommer schnell mal zur Meinung gekommen war, dass dieser oder jener Spieler qualitativ nicht genüge, zeigt damit seine andere Seite. Für René Weiler ist die Stimmung und Harmonie in der Gruppe bedeutend. Er ergänzt: «Die Luzerner fühlten sich in der Vergangenheit wohl in Marbella, die Trainingslager sind positiv in Erinnerung geblieben. Also reisen wir nächste Woche erneut dorthin, für mich ist es etwas Neues.» Vom 11. bis 18. Januar logiert der FCL in Mijas bei Marbella in einem Golfhotel mit eigenem Fussballplatz.

Pro Transferzeit wünscht Weiler zwei Wechsel

Doch noch sind bis nächsten Freitag überwiegend physische Einheiten bei wesentlich kühleren Temperaturen in Luzern zu absolvieren. Weiler macht keinen Hehl daraus, dass er gerne etwas weniger als die plus/minus 25 Feldspieler zur Verfügung hätte. «Ein Kader mit 20 Feldspielern und 3 Torhütern wäre ideal», sagt er. Jetzt spricht der Übungsleiter wieder Klartext. Denn im Umkehrschluss heisst das für fünf Profis, dass sie nicht mehr erwünscht sind. «Spieler, die nicht zum Einsatz kommen, sind mit ihrer Rolle wahrscheinlich nicht zufrieden», erklärt Weiler, «darum müssten sie Interesse daran haben, einen Verein zu finden, wo sie auch spielen.» Doch Francisco Rodriguez und Valeriane Gvilia, auf die diese Beschreibung zutrifft, sind seit dem Vorbereitungsstart zur Rückrunde am Mittwoch munter am Kicken mit ihren FCL-Teamkol­legen.

Neue Profis sind dagegen keine auszumachen. Dabei würde sich Weiler eine Blutauffrischung durchaus wünschen: «Ziel einer Transferperiode müsste sein, ein bis zwei Spieler, die kaum mehr eine Einsatzchance haben, durch solche mit besseren Perspektiven zu ersetzen.»

Njau, Neuling aus dem eigenen Nachwuchs

Ein Spieler ist zwar neu zu den Profis gestossen, aber Cleric Njau (20) kommt aus dem eigenen Nachwuchs. Er spielt sonst als Innenverteidiger bei der U21, in Weilers Mannschaft ist er vorerst, um im Super-League-Team zu schnuppern. Mit Stefan Knezevic (22) fällt bekanntlich bis Sommer ein bewährter Innenverteidiger mit Kreuzbandriss aus.

Unaufgeregt ist René Weiler, wenn er zu den beiden prominenten Abwesenden befragt wird. Die Stürmer Blessing Eleke (22) und Tomi Juric (27) haben an den ersten beiden Arbeitstagen im neuen Jahr nicht am Training teilgenommen. «Ich rede lieber über die Spieler, die da sind. Und die Abwesenden sollen ein schönes Hochzeitsfest feiern und gesund werden», sagt er über Eleke, der in seinem Heimatland Nigeria an einer Hochzeit sein soll, und Juric, der sich krank abgemeldet hat.

Weiler ergänzt dann aber, dass er bei deren Rückkehr eine Antwort auf dem Trainingsplatz erwartet: «Sind sie wieder da, müssen sie sich von ihrer besten Seite zeigen.» Der Trainer schmunzelt zwischendurch auf den Stockzähnen, er glaubt den beiden abwesenden Stürmern offensichtlich nicht unbedingt. Würde er jetzt ein grosses Aufheben um die beiden Ferngebliebenen machen, würde das nichts bringen, ist Weiler überzeugt.

«Halbstrafe» für Eleke, als er gegen YB zu spät kam

Schon einmal hat er so gehandelt, als Eleke fünf Minuten zu spät zur Abfahrt für das Auswärtsspiel in Bern gegen YB erschien. Weiler wies den Chauffeur des Mannschaftsbusses an, ohne den nigerianischen Stürmer an Bord nach Bern zu fahren. Eleke musste daraufhin selber anreisen, war zuerst Ersatz, bevor er noch zu einem halbstündigen Teileinsatz beim 3:2-Sieg kam. Bei den meisten Trainern hätte der Sünder an diesem Tag nicht mehr gespielt, Weiler geht in diesen Dingen anders vor. Eleke zahlte ihm das entgegengebrachte Verständnis mit sieben Toren und drei Assists in seinen 16 Vorrundenpartien zurück.

Noch einmal zeigte sich in der Fragerunde der Reporter, dass viele in Luzern noch nicht wissen, wie der Trainer tickt. Ob denn der neue Assistenzcoach Manuel Klökler seine Sicht der Dinge einbringen könne, wurde Weiler gefragt. «Ich mag keine Ja-Sager um mich herum. Er muss das sagen, was er sieht und denkt», antwortet Weiler. «Am Schluss muss ich entscheiden, was ich mit der Meinung meiner Assistenten mache.» Als dann ein Journalist fragt, ob ihm Co-Trainer Klökler taktisch helfen könne, bricht es aus Weiler heraus: «Das wäre schlimm, wenn ich taktische Defizite hätte!» Nein, Klökler soll dem Cheftrainer wie Thomas Binggeli im Training assistieren. Klökler ist ausserdem für das Videostudium der Gegner verantwortlich. Ein Spezialgebiet des Konstanzers soll im zwischenmenschlichen Bereich liegen. Weiler: «Er führt Einzelgespräche mit den Spielern.»

Das könnte wichtig sein, gerade dann, wenn der Chefcoach mal wieder sehr direkt war in seiner Ansprache.

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