Interview

FCL-Flirt des Krienser Trainers – jetzt redet der SCK-Sportchef

Der SC Kriens startet gegen den FC Winterthur (Samstag, 17.30, Kleinfeld) in die Challenge-League-Rückrunde. Geschäftsführer und Sportchef Bruno Galliker spricht im Interview über Trainer Bruno Berner und Veränderungen in der Mannschaft.

Turi Bucher
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Sind Sie enttäuscht?

Bruno Galliker: Wieso meinen Sie?

Weil Ihr Trainer Bruno Berner in der Winterpause mit dem FC Luzern ver­handelt hat.

Ich bin überhaupt nicht enttäuscht. Unser Trainer macht seit zweieinhalb Jahren beim SC Kriens einen hervorragenden Job, hat die sportlichen Ziele erreicht. Dass andere Clubs an einem Trainer, der derart erfolgreich arbeitet, interessiert sind, ist ganz normal. Das spricht für die Arbeit des Trainers und auch für die Arbeit des SC Kriens.

Trotzdem: Zuerst Berners Bekenntnis, beim SCK am 3. Januar das Training aufzunehmen, dann das Treffen mit dem FC Luzern. Nicht gerade die feine Art, oder?

Bruno stand am 3. Januar bei uns auf dem Trainingsplatz, es war also kein Lippenbekenntnis. Eines ist klar: Der Schritt nach oben wird für ihn kommen. Wann? Das entscheidet in erster Linie er selber. Wir gönnen es jedem Spieler, wenn er sportlich aufsteigen kann, und wir gönnen es auch unserem Trainer.

Bruno Galliker im Stadion Kleinfeld.

Bruno Galliker im Stadion Kleinfeld.

Bilder: Patrick Hürlimann, 21. Januar 2020

Wann wussten Sie, dass Berner definitiv in Kriens bleibt?

An dem Tag, als bekannt wurde, dass René van Eck nicht FCL-­Trainer wird, hat Bruno mir mitgeteilt, dass auch er nicht zum FC Luzern wechselt. Da weilte er schon mit seiner Familie in Österreich.

Trainer Berner sagte im «Blick», es sei ein Kennenlerngespräch gewesen. Er und FCL-Sportchef Remo Meyer hätten über ihre Familien und ihr Leben gesprochen. Und es sei sehr angenehm gewesen. Das klingt ja richtig weih­nachtlich…

Genau so bin auch ich von Bruno informiert worden. Es gab zu keiner Zeit eine konkrete Offerte des FC Luzern, sondern nur die Bitte, mit ihm sprechen zu dürfen. Der FCL hat sich danach nicht mehr bei mir gemeldet.

Wer wäre Kriens-Trainer geworden, wenn sich Berner verabschiedet hätte?

Ich kann Ihnen sagen, ich habe kein einziges Telefon mit einem möglichen Nachfolger geführt. Logisch, dass ich Namen von Trainern im Kopf habe. Es ist ja mein Beruf, auf solche Situationen reagieren zu können.

«Erkenntnis vor Ergebnis»

Von den vier Testspielen konnte der SC Kriens nur eines gewinnen (Rapperswil), dafür waren allerdings die Gegner hochkarätig (Lugano, Xamax, Tallinn). «Erkenntnis kommt vor Ergebnis», sagt Kriens-Trainer Bruno Berner zu den Testresultaten. «Wir sind physisch und mental parat. Klar, gab es in den Testspielen Momente der Unkonzentriertheit. Dann ist es meine Aufgabe als Trainer, die Spieler darauf aufmerksam zu machen.» Vor dem Heimspiel gegen Winterthur am Samstag (17.30, Kleinfeld) ist beim SC Kriens Abwehrchef Jan Elvedi (Fussgelenk) fraglich; Anthony Bürgisser fällt verletzt aus (Knie).


Testspiele: Kriens – Flora Tallinn (EST) 4:4. Kriens – Xamax 1:2 (3-mal 40 Minuten). Lugano – Kriens 1:0. Kriens – Rapperswil 4:2.

Dann bleibt Bruno Berner jetzt also bis Sommer 2020 «Grün-Weiss»?

Wir haben bei unserem gemeinsamen Mittagessen im Dezember beiderseits Bereitschaft signalisiert und Bekenntnis deponiert, dass wir über diesen Sommer hinaus weiter zusammenarbeiten wollen. Im Februar folgen erste Ge­spräche, dann dauert es vielleicht noch ein paar ­Wochen bis zur Vertragsverlän­gerung.

Ein Vertrag mit der Option, dass der Trainer gehen darf, wenn ein Super-League-­Verein ihn engagieren will?

Das wird sich dann zeigen. Im aktuellen Vertrag existiert eine solche Klausel nicht. Ich bin grundsätzlich dagegen, in solchen Verträgen Geldsummen festzuhalten, die bei Vertragsauflösung zur Überweisung gelangen sollen.

Wieso?

Weil es ein Unterschied ist, ob unser Trainer zum FC Basel oder zum FC Thun wechselt. In sportlicher Hinsicht, aber auch in finanzieller Hinsicht.

Apropos «Wechseln». Es gibt beim SC Kriens offenbar keine Winterpausen-­Transfers. Das ist der tollen Vorrunde geschuldet, oder?

Wenn es noch Spielerabgänge gibt, werden wir reagieren. Aber wir haben momentan keine Anfragen von anderen Vereinen, was unsere Kaderspieler betrifft. Was Zuzüge betrifft, sind unsere Augen und Ohren natürlich offen. Denn wir wollen uns ja verbessern, wenn sich ein realistischer Transfer anbietet. Der Fokus ist im Moment zu hundert Prozent auf den Rückrundenstart gerichtet. Je schneller wir die nötigen Punkte für den Klassenerhalt haben, desto schneller können wir mit der Planung für die Zukunft beginnen. Zum Beispiel wollen wir bald Klarheit, was die ausgeliehenen Spieler betrifft.

Welche Spieler sind gemeint?

Mit Elia Alessandrini, welcher diese Saison von YB ausgeliehen ist, haben wir bereits eine Folgelösung beim SC Kriens. Weiter betrifft es Albin Sadrijaj vom FC Zürich, Pedro Teixeira von den Young Boys sowie Daniel Follonier vom FC Luzern. Durch den Trainerwechsel beim FC Luzern verändert sich womöglich die Ausgangslage von Follonier. Aber Daniel wird die Rückrunde beim SC Kriens bestreiten.

Was ist mit den Verträgen der anderen Spieler?

Das Verhältnis jener Verträge, die auslaufen, im Vergleich mit denen, die über den Sommer hinaus dauern, ist in etwa fifty-­fifty. Auch da wartet Arbeit auf mich.

Kriens startet als über­raschender Drittplatzierter in die Rückrunde. Gibt es trotzdem etwas, das Sie in der Vorrunde gestört hat?

Ich finde, dass wir uns in den Spielen gegen die sogenannten Grossen Lausanne und Grasshoppers schlecht belohnt haben. Wir haben sie gekitzelt, aber wir haben nicht gepunktet. Mein grosser Wunsch ist, dass wir in solchen Partien, wenn wir nahe dran sind, noch effizienter sind.

Und jetzt? Der grosse ­Krienser Angriff auf den Barrageplatz?

Es ist schön, vorne dabei zu sein. Und träumen darf man immer. Aber nehmen Sie es uns nicht übel, wenn wir realistisch bleiben. Neben den beiden erwähnten Grossen sind Clubs wie Winterthur, Vaduz, Aarau für uns weit weg, was die finanziellen Möglichkeiten betrifft. Unser Angriff gilt der 36-Punkte-Marke. Denn mit 36 Punkten, glaube ich, ist der Ligaerhalt gesichert. Wir haben uns seit anderthalb Jahren in der Challenge League ständig verbessert. Das wollen wir weiterhin tun, egal, was dabei rauskommt, solange es erfolgreich ist.

Nun kommt zur Wieder­aufnahme des Meisterschaftsbetriebs gleich Winterthur. Kriens konnte in der Vorrunde den FCW beide Male bezwingen. Das werden sich die Zürcher kein drittes Mal gefallen lassen.

Ja, die werden heiss auf uns sein. Wir haben Winterthur auf dem Weg zum Barrageplatz sechs Punkte abgenommen, die müssen jetzt Gas geben. Und der erste Match der Rückrunde wird entscheidend für Winterthurs Weg sein. Also: eine schwierige Aufgabe für uns.

Für Kriens ist die Partie nicht entscheidend. Denn ehrlich gesagt: Der Ligaerhalt ist längst geschafft, oder?

Voreilige Schlüsse will ich verhindern. Der Grat bleibt weiterhin schmal. Letzte Saison hatten wir neun Spiele vor Schluss 33 Punkte. Und doch ist es noch eng geworden. Deshalb sage ich: Aufpassen!