Interview

FCL-Führungsspieler Pascal Schürpf: «Ich spiele mit meiner Verlobten Uno»

Pascal Schürpf ist beim FC Luzern Antreiber und Spassmacher. Der 30-Jährige über nettes Grüssen in der Coronakrise.

Daniel Wyrsch
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Zuletzt fielen Sie auf mit Ihrem Video auf Instagram in der «Stay-at-home-Challenge». Sie jonglierten mit WC-Papier. Geht der Wettbewerb weiter?

Pascal Schürpf: Mit dieser Aktion sind genügend Nachrichten zum Daheimbleiben während der Coronapandemie veröffentlicht worden. Anhand der Reaktionen konnte ich sehen, dass meine Fussballerkollegen und ich damit Leute zum Schmunzeln gebracht haben. Da wir derzeit keine Action auf dem Rasen bieten können, sahen die Leute davon immerhin etwas im Video.

In einem zweiten Video präsentieren Sie sich erneut auf der schaukelnden Wippe, während dessen Sie ein Buch lesen, jassen, gamen, jonglieren und Wasserflaschen heben.

Das gehörte zu einem Projekt meines Ausrüsters Adidas. Ich habe meine Hobbys auf eine lustige Art zeigen können. Die Coronazeit hat bei all ihren negativen Folgen auch ihre guten Seiten: Ich habe mehr Zeit, um öfter ein Buch zu lesen, um zu kochen, auch hin und wieder mal zu gamen oder mit meiner Verlobten Jenny UNO zu spielen.

Das dürfte eine Herausforderung darstellen, Sie und die «Glanz & Gloria»-Moderatorin Jennifer Bosshard scheinen ehrgeizig zu sein.

Stimmt, wir verlieren beide sehr ungern. Allerdings hält sich der Ärger über eine Niederlage zum Glück in Grenzen, wir können uns doch recht gut beherrschen.

Trainieren Sie regelmässig auf der Schaukelwippe?

Ich übe fast nicht mehr damit. Mein Bezug zur Schaukelwippe kam vor Jahren beim FC Basel zu Stande. Damals war ich ein halbes Jahr verletzt ausgefallen. Ich erinnere mich noch genau, wie Scott Chipperfield mich tagtäglich aufzog, ob ich mit ihm zum Teamtraining komme, ich aber im fensterlosen Fitnessraum des St.-Jakob-Parks Stabilisationsübungen machen musste und auf der Wippe jonglierte. Nach sechs Monaten ist mir das Gleichgewicht geblieben und ich kann jonglieren...

An Kreativität mangelt es Ihnen nicht. Haben Sie in dieser Zeit zu Hause schon neue Ideen ausgeheckt?

Ich sitze nicht daheim, um zu überlegen, was ich machen könnte. Wenn es einen Anlass gibt, dann will ich diesen mit Kreativität füllen. So entsteht ein lustiges Video aus Spontanität. Alles andere würde nicht zu mir passen.

Sie sind in Luzern bekannt als fleissiger und kampfstarker Spieler, andererseits gelten Sie als Spassmacher im Team. Wie schaffen Sie es, Seriosität und Humor unter einen Hut zu bringen?

Das ist etwas vom Schwierigsten: Ich bin Captain gewesen und der Spassmacher – ich musste in der Kabine ernste Dinge ansprechen. Es gibt den Garderoben-Pasci, dem das Zwischenmenschliche wichtig ist, der Spässe und seinen Mitspielern Mut macht. Und es gibt den Pasci auf dem Platz, der gewinnen will, ehrgeizig ist und der, wenn’s nicht läuft, hässig wird.

Und trotzdem kommt Ihnen wie nach dem Eigentor im Dezember zur 0:1-Niederlage bei YB ein lustiger Spruch in den Sinn; mit mehr Hüftspeck hätten Sie den Ball nicht an Goalie Marius Müller vorbeigebracht.

Ja, im Spiel oder gleich hinterher fällt mir oft ein Spruch ein, das gehört zu mir. Ob beim Eigentor in Bern oder jetzt in der nicht leichten Situation mit Corona versuche ich stets, etwas Positives zu sehen.

Keeper Marius Müller tröstet nach der unglücklichen 0:1-Niederlage bei den Berner Young Boys Luzerns Eigentorschütze Pascal Schürpf.

Keeper Marius Müller tröstet nach der unglücklichen 0:1-Niederlage bei den Berner Young Boys Luzerns Eigentorschütze Pascal Schürpf. 

Martin Meienberger/Freshfocus (Bern, 7. Dezember 2019)

Wie verläuft derzeit Ihr Tag?

Wichtig ist mir ein geregelter Tagesablauf. Das heisst nicht ausschlafen, sondern spätestens zwischen 8 und 9Uhr aufzustehen. Frühstück, Mittag- und Abendessen einzuhalten, das ist wichtig. Mit dem vom FCL vorgegebenen Trainingsprogramm beginne ich zwischen 10 und 10.30Uhr. Ich wechsle ab, wann ich die Kraft- und Stabilisierungsübungen und wann ich Lauftrainings mache, ich will nicht in einen gleichen Trott kommen.

Sie proklamieren beim Laufen auf Abstand halten.

Das ist richtig, andererseits finde ich es auch bei den Läufen im Wald wichtig, dass man sich in einer Zeit, in der es wenig Gelegenheit gibt, um sich mit anderen Menschen auszutauschen, freundlich grüsst, einander ein Lächeln schenkt oder sich wenigstens zuwinkt. Gerade heute habe ich zwei ältere Damen gegrüsst und ihnen einen schönen Tag gewünscht.

Was vermissen Sie zu Hause am meisten an Ihrem Beruf?

Wenn die Saison läuft, ist das Ziel das Wochenende, dann geht es um alles. Am Samstag oder Sonntag musst du parat sein und liefern. Das habe ich als Fussballer verinnerlicht, darum vermisse ich die 90 Minuten des Spiels brutal. Den Fussballinteressierten dürfte es ähnlich gehen, ihnen fehlt wohl der Matchbesuch am Wochenende.

Wegen eines Knorpelschadens fielen sie vor einigen Jahren bei Vaduz zehn Monate aus. Hilft Ihnen diese leidige Erfahrung, nun geduldig zu bleiben?

Man kann diese zwei Zwangspausen nicht miteinander vergleichen. Ich finde es schlimmer, wenn ich eine lange Zeit verletzt bin und die Kollegen spielen. Da kann ich die Corona-Pause einfacher hinnehmen.