FCL geht beim FC Zürich mit 0:3 unter - Häberli steht wohl vor dem Aus

Dem FC Luzern gelingt der angestrebte Befreiungsschlag auswärts gegen den FC Zürich nicht. Stattdessen kassieren die Innerschweizer eine 0:3-Klatsche. Für den bereits vor dem Spiel angezählten Trainer Thomas Häberli dürfte es nach der vierten Niederlage in Serie eng werden.

Daniel Wyrsch aus Zürich
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Für FCL Trainer Thomas Häberli dürfte es nach der erneuten Niederlage eng werden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, 23. November 2019)

Für FCL Trainer Thomas Häberli dürfte es nach der erneuten Niederlage eng werden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, 23. November 2019)

Thomas Häberli ist nicht zu beneiden. Alles läuft gerade gegen ihn und seine Mannschaft. Als ob mit den verletzten Leistungsträgern Marvin Schulz, Tsiy Ndenge, Christian Schwegler und Otar Kakabadse nicht schon genug Ungemach für den Coach und sein Team geschehen wäre, foulte Stürmer Blessing Eleke an der Seitenlinie Zürichs Innenverteidiger Becir Omeragic brutal. Der Nigerianer trat dem Schweizer U19-Internationalen mit der offenen Sohle auf die Wade. Ein Frustfoul des formschwachen Eleke, der in der vergangenen Saison mit 13 Toren und 5 Assists noch Luzerns stärkste Offensivkraft war. 

Häberli sagte zum Platzverweis von Eleke in der 40. Minute beim Spielstand von 0:1: «Die rote Karte war eine schwere Hypothek.» Trotzdem hatten die Luzerner dank ihren beiden einzigen wirkungsvollen Angreifern Ibrahima Ndiaye und Darian Males in der 53. Minute die Chance zum 1:1-Ausgleich: Ndiaye passte von der Grundlinie auf den mitgelaufenen Males, der den Ball aus vier Metern an den Zürchern Verteidigern vorbei an die Lattenunterkante schoss. «Das war unsere Grosschance, die leider von der Torumrandung ins Feld zurückprallte», meinte der niedergeschlagene FCL-Coach.   

Luzerns Blessing Eleke verlässt den Platz nach seiner roten Karte. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 23. November 2019)

Luzerns Blessing Eleke verlässt den Platz nach seiner roten Karte. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 23. November 2019)

Schwache Leistung - keine Reaktion auf Sportchef-Kritik

Die Schützlinge von Häberli zeigten sonst eine sehr diskrete Darbietung, von einer Reaktion, die Sportchef Remo Meyer vor 14 Tagen zu Beginn der Länderspielpause gefordert hatte, war nichts zu sehen. Für den Trainer, der von Meyer nach der 1:2-Heimpleite gegen Aufsteiger Servette angezählt worden war, dürfte es nach der insgesamt vierten Niederlage in Serie und der insgesamt achten Niederlage der Saison eng werden. 

Auf die Frage, wie er denn seine unmittelbare Zukunft als Coach des FC Luzern sehe, antwortete Thomas Häberli: «Jetzt geht es weiter. Der nächste Gegner ist am nächsten Sonntag zu Hause St. Gallen.» Um dann doch etwas konkreter zu werden:  

«Die Frage stellt sich direkt nach dem Spiel nicht - auf jeden Fall für mich nicht», meinte Häberli und lächelte bitter.

Für den FC Zürich war es ein wunderbarer Abend. Der Stadtklub konnte gegen einen desaströsen FCL sein technisches Spiel aufziehen. Regisseur Antonio Marchesano hatte alle Freiheiten, seine langen Bälle zu platzieren. Beim 1:0 und 3:0 gelang ihm das vorzüglich, er überwand damit die Luzerner Hintermannschaft. In der 13. Minute profitierte Rechtsverteidiger Kevin Rüegg von der Vorlage Marchesanos und in der 68. Minute nutzte Linksverteidiger Jagne Pa Modou das Zuspiel von Marchesano, beide verdienten sich einen Assist, indem sie den neuen FCZ-Goalgetter Blaz Kramer bedienten, der zweimal souverän einnetzte.

Dazwischen demonstrierte Zürichs 18-jähriges Talent Simon Sohm seine Klasse mit einem Taumpass in die Schnittstelle, wo Marco Schönbächler kurz vor Ablauf einer Stunde Spielzeit zum 2:0 traf. Der Mist war geführt, der FCL geschlagen. Für das selbstbewusste FCZ-Team von Ludovic Magnin war es der vierte Sieg in Serie.

Sportchef Meyer dürfte am Sonntag Stellung nehmen

Luzern-Sportchef Remo Meyer war nach der Partie für die Journalisten nicht zu sprechen. Am Sonntag müsste er aber zumindest bekanntgeben, wie er die unmittelbare Zukunft seines Trainers sieht. Bekanntlich ist das Restprogramm des FCL delikat: Nach dem erwähnten Heimspiel gegen St. Gallen (3.) müssen die Innerschweizer zum Meister Young Boys (1.) und im letzten Match der Vorrunde wartet in der Swisspor-Arena schliesslich Basel (2.).  

Es ist im Moment mehr als fraglich, ob Thomas Häberli in den verbleibenden drei Partien bis zur Winterpause noch an der FCL-Seitenlinie stehen wird.