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Interview

FCL-Goalgetter Pascal Schürpf über sein Verhältnis zum Trainer: «Ich sprach mich mit René Weiler aus»

Der FC Luzern beendet am Sonntag (16 Uhr) die Vorrunde mit dem Heimspiel gegen den FC St. Gallen. Für Linksaussen Pascal Schürpf (29) geht das bislang erfolgreichste Jahr seiner Karriere zu Ende. Der torgefährliche Basler sagt, was ihn so stark macht.
Daniel Wyrsch
Pascal Schürpf trifft gegen Basel zum 1:0 für Luzern: Sein sechstes Saisontor und der 16. Treffer des Jahres 2018.(Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 25. November 2018))

Pascal Schürpf trifft gegen Basel zum 1:0 für Luzern: Sein sechstes Saisontor und der 16. Treffer des Jahres 2018.
(Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 25. November 2018))

Pascal Schürpf, ist das zu Ende gehende Jahr das bisher beste Ihrer Profi-Karriere?

Das mit Abstand beste Jahr. 2014 bin ich mit Vaduz in die Super League aufgestiegen, in der ersten Saison im Oberhaus erzielte ich 7 Tore, aber wir schossen total nur 28 Tore.

Sie waren für einen Viertel der Treffer verantwortlich.

Wenn man es aus dieser Perspektive anschaut, waren es viele, ja. (schmunzelt) Das war mein erstes Super-League-Jahr, in dem ich wirklich auch gespielt habe. Anschliessend war ich eineinhalb Jahre verletzt (Knorpelschaden; Anm. der Redaktion). Wieder zurück spielte ich noch ein halbes Jahr für Vaduz, bevor ich Ende Februar 2017 zu Luzern kam. Hier erlebte ich eben dieses besondere 2018.

In den letzten zwölf Monaten haben Sie in 28 Ligaspielen 16 Tore geschossen und 7 Assists gegeben. Das ist eine schöne Bilanz. Eine kleine Sensation ist aber, dass Sie in allen bisherigen 17 Ligapartien der Vorrunde auf dem Platz gestanden sind.

Das ist für mich das Herausragende. Leuten, die mir sagen, du hast ein super Jahr, eine super Vorrunde gespielt, antworte ich: Nicht darauf bin ich besonders stolz, sondern, dass ich mich für jeden Match in die Mannschaft gekämpft habe, auch das ich körperlich gesund bin. Das macht mich am glücklichsten, das ist auch die Voraussetzung, um spielen zu können. Nach meiner Verletzungsgeschichte schätze ich es sehr, fit zu sein.

Gibt es Gründe, warum der Körper weniger Probleme macht?

Beim FC Luzern habe ich, was einen professionellen Lebensstil angeht, eine enorme Entwicklung gemacht. In Vaduz war es schon besser nach der Verletzung. Aber vorher hatte ich zwar wie ein Profi gelebt, aber es ging einfach, ohne viel dafür zu tun.

Wer hat geholfen?

Ich bin froh, lernte ich beim FCL Konditionstrainer Christian Schmidt kennen. Mit ihm arbeite ich in Bereichen, denen ich vorher weniger Beachtung geschenkt habe. In Sachen Kraft im Oberkörper und in den Beinen mache ich alles, nun arbeite ich, wie ich eigentlich als junger Spieler hätte arbeiten sollen.

Das überrascht, kamen Sie doch vom Vorzeigeklub FC Basel.

Wir arbeiteten damals mehr im Bereich Stabilisation. Damals war das ein anderer Fussball, der Fussball hat sich geändert. Er wird immer athletischer. Basel kann man da keinen Vorwurf machen, der FCB brachte viele eigene Spieler heraus und hat alles richtig gemacht.

Was unternehmen Sie, um in diesem athletischen Sport mitzuhalten?

Ich mache viel für den Erfolg; ernähre mich gut, vor jedem Training wärme ich mich auf, nach jedem Training fahre ich auf dem Velo im Kraftraum aus, mache Stretching und gehe ins Eisbad. Das sind alles Dinge, die ich manchmal nicht gerne mache. Doch wenn ich nachdenke, was dabei herauskommt und was ich dem Körper Gutes tue, ist es das Beste.

Hätten Sie beim Wechsel von Vaduz zum FCL geglaubt, dass Sie für die Innerschweizer in total 49 Ligaspielen 20 Tore und 11 Assists erzielen?

Zu jenem Zeitpunkt bot sich mir mit dem Transfer zu Luzern eine grosse Chance, dabei dachte ich nicht an eine bestimmte Anzahl Tore, die ich schiessen könnte. Ich war froh, beim FCL zu sein.

Sie erzielen die Treffer mit links, mit rechts und mit dem Kopf – sind beidfüssig und kopfballstark. Sind Sie mit 29 Jahren bereit, noch einen Schritt zu machen, vielleicht zu einem grösseren Club zu wechseln?

Ich muss ehrlich sagen, an so etwas denke ich gar nicht. Ich musste mich mit so vielen anderen Dingen wie Verletzungen beschäftigen, dass ich mir die Worte von unserem Ex-Trainer Gerardo Seoane eingeprägt habe. Er hat uns mitgegeben, immer nur Spiel für Spiel zu nehmen. Das tönt zwar für Journalisten sehr abgedroschen, aber die Grundhaltung ist richtig. Man soll nicht zu weit nach vorne schauen. Ich bin hier in Luzern. Bei René Weiler muss jeder Profi grosse Bereitschaft zeigen, um spielen zu können. Er ist ein Trainer, der viel verlangt. Zurücklehnen kann ich mir nicht leisten. Das ist gut so, ich fühle mich wohl in Luzern.

Stichwort René Weiler: Er war Anfang 2012 Ihr Trainer in Aarau, die Zusammenarbeit verlief damals nicht gut, nach einem halben Jahr verliessen Sie Aarau bereits wieder. Hatten Sie Bedenken, als im letzten Juni Weiler beim FCL übernahm?

Aarau war eigentlich meine einzige Station, an der ich fast nie gespielt habe. Als junger Spieler ist es halt immer schwer, mit solchen Situationen umzugehen. Der Leihvertrag wurde vorzeitig aufgelöst und ich ging zurück zu Basel. Entsprechend war dies eine schwierige Erfahrung für mich, da ich nur wenig Spielzeit bekam. Inzwischen bin ich erwachsener geworden, René Weiler und ich haben uns ausgesprochen. Ich sagte, was ich denke, er sagte, was er denkt, so ist das geregelt worden. Offene Fragen gibt es nicht mehr. Wir sind beides direkte und ehrliche Persönlichkeiten – so gelingt die Zusammenarbeit momentan.

Sie sind ein Mentalitätsmonster. Ohne diesen Willen und die Hartnäckigkeit wären Sie nicht mehr Profi?

Ohne das würde es auf diesem Niveau auch nicht reichen. Das sagt auch René Weiler – ein Spieler kann noch so viel Talent besitzen: Mentalität schlägt Talent.

Wo sehen Sie Ihr Defizit?

Ich glaube, auf den meisten Scouting-Blättern stehen kleine wirblige Flügel, die schnell sind. Dann sieht man mich, den grossen Schlaks, bei dem manchmal alles komisch aussieht. Mir gefällt, wenn mir trotzdem Dinge gelingen und ich eine gute Statistik liefern kann. Ich las schon über mich, ich sei ein «Stolperi». Ich kann darüber schmunzeln, solange ich meine Leistungen abrufe.

Welche Rolle spielt Ihre Verlobte Jennifer Bosshard, bekannt als Moderatorin der TV-Sendung «Glanz und Gloria», in der Karriere?

Besonders im 2018 haben wir gemerkt, dass wir uns gegenseitig gut tun. Sie hat einen Riesensprung gemacht in ihrer Tätigkeit, bei mir ist es das beste Jahr gewesen. Da merkt man, dass man einander enorm unterstützen kann. Darum ist sie ein sehr wichtiger Teil in meinem Leben. Schön, einen solchen Menschen an seiner Seite zu haben.

Sieben Punkte aus acht Heimspielen – warum ist Luzern heimschwach?

Wenn wir das wüssten, würden wir das schon lange ändern. Auswärts sind wir dagegen brutal stark. Zum Glück. Dabei heisst es eigentlich: Zu Hause siegen und auswärts mindestens einen Punkt holen.

Weil Christian Schneuwly gesperrt ist, werden Sie gegen St. Gallen als Stadtbasler Captain der Luzerner sein. Macht Sie das Amt stolz?

Sicher, ich bin in einem Alter, in dem man die Captainbinde tragen kann. Bei René Weiler ist es einfach ein wenig anders, weil er verlangt, dass elf Captains auf dem Feld sind. Einer zieht die Binde an, doch alle müssen Verantwortung übernehmen. Ich bin aber gerne jener, der bei Absenzen von Claudio Lustenberger und Christian Schneuwly die Captainbinde trägt, darauf bin ich stolz.

Der dritte Heimsieg ist gefordert, damit könnte Luzern die St. Galler überholen und mindestens auf Tabellenplatz 5 überwintern.

Jetzt weiss jeder, dass danach Ferien sind. Ich möchte es jetzt nicht verschreien, aber immer, wenn wir anschliessend Nati-Pause hatten, machten wir die besten Spiele. Darum hoffe ich, dass wir die nötige Energie wieder aufbringen können, nachher können wir uns ja erholen. Alles noch einmal raushauen, damit wir dann verdient zurücklehnen können.

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