FCL-Goalie Marius Müller: «Wir haben einen kompletten Riss erlitten»

Der kriselnde FC Luzern geht nach einer kämpferischen ersten Halbzeit gegen St. Gallen mit 1:4 (1:1) unter.

Daniel Wyrsch
Hören
Drucken
Teilen

FCL-Torhüter Marius Müller spricht die Dinge an, die ihn beschäftigen. Nach der 1:4-Heimniederlage gegen die jungen Himmelsstürmer des FC St. Gallen und der insgesamt fünften Pleite in Serie gab es genug Redebedarf für den 26-jährigen Deutschen, der als einziger Profi bei den Innerschweizern bislang eine tadellose Saison gespielt hat. Angesprochen auf die spielerische Unterlegenheit der Luzerner in den zweiten 45 Minuten – notabene nach einer kämpferisch starken und kompakten ersten Halbzeit und dem 1:1-Zwischenstand –, übte Marius Müller Kritik ohne Rücksicht auf Verluste: «Mentalität und Einstellung fehlten uns in der zweiten Halbzeit. Ich kann nicht verstehen, dass wir uns nach der Pause so den Schneid abkaufen lassen.»

«Wenn ich sehe, wo wir überall herumlaufen, dann tut das weh»: FCL-Goalie Marius Müller.

«Wenn ich sehe, wo wir überall herumlaufen, dann tut das weh»: FCL-Goalie Marius Müller.

Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 1. Dezember 2019)

Der Goalie liess nicht gelten, dass der Gegner spielerisch aufgedreht und die Nervosität abgestreift hatte, er geizte nicht mit Kritik an seinen Vorderleuten: «Ich fand die St. Galler vor dem Seitenwechsel stärker. Doch wir machten in der zweiten Halbzeit individuelle Fehler, die sind brutal, dann kriegt man halt gegen eine Mannschaft mit der Qualität diese Gegentore.»

Itten tanzt vor dem 1:2 gleich zwei Luzerner aus

Der St. Galler 2:1-Führung war ganz eindeutig ein individueller (Doppel-)Fehler vorausgegangen: Der frischgebackene Nationalspieler und frühere FCL-Leihstürmer Cedric Itten narrte die beiden Innenverteidiger Stefan Knezevic und Lucas Alves. Wie ein Paar aus der Rhythmischen Sportgymnastik sahen die beiden Luzerner Abwehrrecken gegen die Finte von Itten aus, der den mitgelaufenen Boris Babic bediente. Für St. Gallens Stürmerentdeckung dieses Herbstes, der letzte Saison noch als Leihprofi auf der Ersatzbank von Challenge-Ligist Vaduz gesessen hatte, war es ein Leichtes, die Gäste in der 67. Minute wieder in Front zu schiessen.

Wie aus dem Nichts war Pascal Schürpf beim nächsten gefährlichen Angriff der Partie fast zum 2:2-Ausgleich gekommen. Von Idriz Voca mit einem Steilpass in Szene gesetzt, traf der FCL-Captain allerdings nur den Pfosten (74.). Weil Voca einen St. Galler Flankenball im Strafraum reflexartig mit dem Arm abwehrte, musste Schiedsrichter Alessandro Dudic nach Intervention des VAR und anschliessender Konsultation der TV-Bilder auf Strafstoss entscheiden. Jordi Quintillà traf vom Punkt aus zum 3:1 für St. Gallen. Das hatte der frühere Barcelona-Junior mittels Penalty schon in der 41. Minute zum 1:0 getan, nachdem Lazar Cirkovic deutlich von hinten in die Beine von Ermedin Demirovic gegangen war. Das 4:1 der Ostschweizer konnte der technisch überragende Quintillà mit einem feinen Vertikalzuspiel auf eben diesen Demirovic einleiten. Der 21-jährige bosnische Mittelstürmer, ausgeliehen von Alavés aus der spanischen La Liga, erzielte im zehnten Spiel sein achtes Tor für das erneut attraktiv aufspielende Team von Peter Zeidler.

Dem Gastgeber aus Luzern dagegen blieb am Schluss das Nachsehen. Zehn Siege hatten die Luzerner in den vorherigen zehn Vergleichen mit den St. Gallern aneinandergereiht. In der elften Begegnung riss die Serie. Stattdessen setzte es eine etwas zu hohe, aber verdiente 1:4-Niederlage ab. Zum einzigen Treffer kamen die Innerschweizer dank eines umstrittenen Handspenaltys: Miro Muheim war nach einem Freistoss der Ball an die Hand geprallt. Pascal Schürpf traf in der Nachspielzeit vor der Pause zum 1:1.

Nächste Partien gegen YB und Basel

Für Marius Müller war nicht nur die Siegesserie gegen die Gäste gerissen: «In der zweiten Hälfte haben wir mit dem 1:2 einen kompletten Riss erlitten.» Ihn tröstete nicht, dass mit Xamax (9.) und Thun (10.) auch die einzigen hinter Luzern stehenden Ligakonkurrenten verloren haben. «Mir ist es egal, wer hinter oder vor uns ist. Wir müssen schauen, dass wir wieder unsere Leistung auf den Platz bekommen.» Der Keeper weiss aber auch, «wie brutal das Spielprogramm mit den nächsten zwei Gegnern ist». Am Samstag geht’s nach Bern zum Meister YB, eine Woche später kommt zum Abschluss der Vorrunde Basel (gestern 3:0-Sieger über Leader YB) in die Swisspor-Arena. Im nächsten Match in Bern werden Mittelfeldspieler Idriz Voca und Verteidiger Silvan Sidler gesperrt neben vier verletzten (Stamm-)Kräften (Schwegler, Schulz, Ndenge, Kakabadse) fehlen. Was sagt Müller dazu? «Es kommt momentan alles zusammen, wir haben die halbe U21 dabei.» Doch er fordert: «Es bringt jetzt nichts, über die Ausfälle zu jammern. Nun gilt es, den Arsch zusammenzukneifen und dagegen anzugehen. Das können auch die Jugendspieler!»

Ob ein Wechsel des Coaches – in diesem Fall von Thomas Häberli – für einen neuen Impuls sorgen könnte? Marius Müller winkte ab, das sei nicht seine Aufgabe, darüber müssten andere Leute entscheiden. «Auch wenn kein Trainer an der Seitenlinie stehen würde, müssten wir anders auftreten.» Und: «Wenn ich sehe, wo wir überall herumlaufen, dann tut das weh.»

Mehr zum Thema