FCL: Häberlis Freistellung mit Ansage

Am Tag nach dem 2:1-Heimtriumph gegen den FC Basel trennt sich der FC Luzern von Trainer Thomas Häberli.

Daniel Wyrsch
Hören
Drucken
Teilen
Thomas Häberli am Sonntag, 15. Dezember 2019, nach dem 2:1-Sieg über Basel. Es war sein letztes Spiel als FCL-Coach.

Thomas Häberli am Sonntag, 15. Dezember 2019, nach dem 2:1-Sieg über Basel. Es war sein letztes Spiel als FCL-Coach. 

Urs Flüeler/Keystone

Kurz vor 12.30 Uhr am Mittag wurde gestern das Mail in der FCL-Geschäftsstelle verschickt. Der Titel der Medienmitteilung konnte niemanden mehr überraschen: «Der FC Luzern und Thomas Häberli trennen sich per sofort.»

Häberli erfuhr gestern Morgen von der Freistellung, sein Vertrag läuft noch bis Ende Juni. Er war Luzerns siebter Trainer in achteinhalb Jahren seit der Super-Ligist im Juli 2011 in die Swisspor-Arena einzog. Der Ex-YB-Stürmer übernahm das Amt im Februar vom entlassenen René Weiler und führte den FCL von Rang 7 auf 5. In dieser Saison lief es nicht mehr so gut: Der FCL ist zur Halbzeit mit 18 Punkten aus 18 Spielen auf Platz 8, vier Zähler vor Xamax und dem Barrage-Rang. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Man habe es sich nicht einfach gemacht, wird Sportchef Remo Meyer in der Medienmitteilung zitiert. Aber die Mannschaft habe sich während eines grossen Teils der Vorrunde nicht so präsentiert, wie man sich das vorgestellt habe. «Mit Blick auf die Rückrunde wollen wir einen neuen Impuls und ein Zeichen setzen.» Weitere Auskünfte, auch über mögliche Nachfolger von Thomas Häberli, gab der FCL gestern mit Verweis auf die heutige Medienkonferenz nicht.

Die Trennung ist nicht überraschend, hatte sie doch eine längere Vorgeschichte. Angefangen hat es mit einem Interview Meyers auf «Zentral Plus»: Am Tag nach der 1:2-Heimniederlage gegen Servette hatte er kritisiert, dass Häberli zu wenig aus dem Potenzial der Mannschaft heraushole. Besonders hart daran war, dass Meyer dem Coach zu Beginn der 14-tägigen Länderspielpause nicht einmal zugesichert hatte, im nächsten Spiel beim FC Zürich an der Seitenlinie zu stehen. Erst nach einer Trainingswoche rang sich der Sportchef dazu durch, in einem Gespräch mit unserer Zeitung zu erklären, dass Häberli zumindest bis zum Match gegen den FCZ weitermachen dürfe. Meyer machte dabei den Eindruck, nicht sicher zu sein, ob er dem Trainer die Verantwortung für alle vier noch ausstehenden Partien bis zur Winterpause geben wolle.

Nach dem Basel-Sieg gab sich Häberli optimistisch

Wie sehr Häberli dieses Spiel mit seiner Person und die öffentliche Blossstellung von Meyer mitnahm, erfuhren vorerst nur die organisierten FCL-Fans. Sie hatten am 14. November in ihrem Lokal Zone 5 einen seit langem geplanten Talk mit dem 45-jährigen Ballwiler abgehalten. Häberli erzählte offen und ehrlich, wie er wenige Tage zuvor von seiner Demontage via Interview erfahren hatte. Per Whatsapp-­Mitteilung war ihm der Artikel zugespielt worden. «Als ich den Bericht las, fuhr mir das ein wie einst bei 9/11», verglich Häberli das Meyer-Interview mit dem Anschlag in New York anno 2001. «Ich weiss noch genau, was ich an diesem Tag gemacht habe.»

Gegenüber den Medien war der Seetaler vorsichtiger. Er liess sich nichts anmerken, verrichtete seinen Job wie gewohnt. Am Sonntag nach dem heroischen 2:1-Heimsieg über Basel sprach er optimistisch davon, wie es im Januar weitergehen würde: «Dann haben wir nicht mehr die grossen Verletzungsprobleme.»