FCL-Heimgegner vom Sonntag steckt in Schieflage - «Mission Impossible» für GC

Die Grasshoppers stecken in einer hoffnungslosen Situation, der Abstieg ist nicht mehr zu vermeiden. Trotzdem könnten die Zürcher am Sonntag (16 Uhr, Swisspor-Arena) für den FCL ein unberechenbarer Gegner sein.

Daniel Wyrsch
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GC-Trainer Uli Forte spricht am Mediengespräch vor dem Auswärtsmatch in der Super League am Sonntag in Luzern. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Niederhasli, 10. Mai 2019))

GC-Trainer Uli Forte spricht am Mediengespräch vor dem Auswärtsmatch in der Super League am Sonntag in Luzern. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Niederhasli, 10. Mai 2019))

Wenn die Grasshoppers am Sonntag in Luzern antreten, könnten sie bereits abgestiegen sein. Falls Neuchâtel Xamax am Samstag zu Hause gegen den FC Zürich mindestens einen Punkt gewinnt, hat GC auch theoretisch keine Chance mehr, Platz 10 doch noch abzutreten und damit den direkten Abstieg zu vermeiden.

Die Situation des früheren Renommiervereins ist sowieso hoffnungslos. 17 Spiele haben die Zürcher nicht mehr gewonnen, den letzten Sieg errangen sie Ende November gegen St. Gallen. Jetzt müssten sie die letzten vier Spiele gewinnen und Xamax müsste stets leer ausgehen. Zudem ist das Torverhältnis schlechter als jenes der Neuenburger. Die Ausgangslage ist für den Rekordmeister (27 Titel) zu schlecht, nach 70 Jahren Erstklassigkeit wird er nächste Saison in der zweitklassigen Challenge League antreten müssen.

Notarzt Rietiker setzt auf Cupsieger-Coach Forte

Trotz der «Mission Impossible» gibt es Durchhalteparolen vom neuen Vereinsboss: «Der Ligaerhalt ist äusserst schwierig geworden. Ungeachtet dessen wird die Mannschaft bis zum Schluss kämpfen. Das sind wir unserem Publikum und den Fans schuldig», erklärt GC-Präsident Stephan Rietiker. Der Notarzt und Unternehmer Rietiker hat den serbelnden Traditionsverein vor wenigen Wochen vom glücklos agierenden Präsidenten Stephan Anliker übernommen. Rietiker wechselte bald den kurz zuvor von Anliker geholten Nachfolger von Thorsten Fink, Tomislav Stipic, aus. Uli Forte kehrte zu seinem Ex-Verein zurück, mit dem er 2013 Cupsieger geworden war.

Doch auch Motivationskünstler Forte konnte den freien Fall nicht aufhalten, dazu reichten die drei Unentschieden in vier Partien nicht. Die 0:1-Heimniederlage am letzten Samstag gegen St. Gallen besiegelte das GC-Schicksal, weil tags darauf Xamax in Thun mit 2:0 gewann.

Forte muss das Vertrauen im Hinblick auf die Challenge-League-Saison konservieren

Forte muss nun schauen, dass sein Team nicht vollends einbricht. Für den Italo-Schweizer geht es darum, das Vertrauen von Rietiker zu wahren, damit er seinen weiterlaufenden Vertrag nächste Saison auch in der Challenge League erfüllen kann. Dagegen sind 13 von 28 Spieler Ende Saison ohne Vertrag. Gemäss Medienberichten gibt es bei GC in der Zweitklassigkeit Lohnreduktionen von bis zu 50 Prozent.

Der Vertrag des österreichischen Nationaltorhüters Heinz Lindner, dem einzigen Profi des Absteigers mit konstant guten Leistungen, läuft aus. Er wäre ablösefrei zu bekommen. Der FC Luzern, der in Zukunft eine neue Nummer 1 für David Zibung (35) benötigt, will Lindner nicht holen. Man wolle auf einen jüngeren Goalie als den 28-jährigen Lindner setzen, begründet Sportchef Remo Meyer. Der aktuelle Trainer Thomas Häberli hat als Mitglied der vierköpfigen Transferkommission (neben Meyer, Verwaltungsrat Marco Sieber und Interims-CEO Philipp Studhalter) direkten Einblick in das Spielerbudget des FCL. Häberli bestätigt: «Wir können uns einen Torhüter mit dem Lohn von Lindner schlichtweg nicht leisten.»

Wegweisendes Spiel für Luzern-Coach Häberli

Für Thomas Häberli hat das Heimspiel gegen GC enorme Bedeutung. Der Auftrag bei seinem Amtsbeginn am 21. Februar war, den FCL aus der Abstiegszone zu führen. Falls die Innerschweizer gegen den designierten Absteiger verlieren sollten, würde die Gefahr steigen, doch noch in die Barrage gegen den Zweiten der Challenge League (heuer mit Lausanne oder Aarau eine echte Herausforderung) zu geraten. Mit einem Sieg aber könnten die Luzerner einen grossen Schritt zum Klassenerhalt machen – und dazu den Blick in Richtung europäisches Geschäft schweifen lassen.

Auf den Pflichtsieg gegen die «Hoppers» angesprochen, meint Häberli leicht säuerlich und mit Ironie: «Wir müssten eigentlich siegen, wie wir jedes Spiel gewinnen sollten.» Der Respekt vor GC sei gross. «Das ist ein schwieriger Gegner mit vielen guten Einzelspielern.» Aus seiner Sicht mangelt es den Zürchern vor allem an der Effizienz. Unklar sei, wie GC mit der Situation umgehe, gerade wenn der Abstieg besiegelt wäre.

Übrigens ist die Sicherheitsstufe für das Heimspiel «rot – wie immer gegen GC», sagt FCL-Medienchef Markus Krienbühl.