FCL-Innenverteidiger Knezevic: «Wir haben zu viele unnötige Tore bekommen»

Das diesjährige Trainingslager des FC Luzern in Marbella ist ein Erfolg. Die Mannschaft arbeitet unter dem neuen Trainer Fabio Celestini fokussiert, die Bedingungen sind erstklassig. Herrscht nun eitel Sonnenschein? 

Daniel Wyrsch
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Stefan Knezevic (rechts) und der von einer Verletzung genesene Marvin Schulz auf dem Weg zum Trainingsplatz am Fuss des Pico de la Concha in Marbella.

Stefan Knezevic (rechts) und der von einer Verletzung genesene Marvin Schulz auf dem Weg zum Trainingsplatz am Fuss des Pico de la Concha in Marbella. 

Martin Meienberger, Freshfocus 

Beim FC Luzern ist man sich einig. Das Trainingscamp Marbella 2020 zählt zu den besten, welches die Mannschaft in den vergangenen zehn Jahren absolviert hat. Die Bedingungen auf den Fussballplätzen der Anlage Dama de Noche am Fuss des 1215 Meter hohen Pico de la Concha, dem Muschelgipfel, sind hervorragend. Die Mannschaft arbeitet unter dem neuen Trainer Fabio Celestini höchst fokussiert. 

Doch Garantien gibt es keine, dass die Resultate in der am Samstag nächster Woche beginnenden Rückrunde stimmen werden. Darum herrscht zwar viel Sonnenschein und Harmonie im Trainingslager, das noch bis Samstag dieser Woche dauert, aber offensichtlich ist den Profis des Tabellenachten bewusst, dass der weitere Saisonverlauf kein Selbstläufer wird. 

Innenverteidiger Stefan Knezevic spricht Klartext:

«In der Vorrunde waren wir meistens nicht gut organisiert.»

Und: «Wir haben zu viele unnötige Tore bekommen. Das muss besser werden.»

Der 23-jährige Seetaler gibt offen zu, dass er mit seiner eigenen Leistung im Herbst nicht zufrieden sein konnte. Allerdings war das Eigengewächs nach einem Kreuzbandriss und acht Monaten Pause auf den Platz zurückgekehrt. Erfahrungsgemäss benötigt ein Profi dann viel Spielpraxis, bis er wieder zur gewohnten Stärke findet. 

Massnahmen gegen die vielen Gegentore auf Standards

Knezevic sucht keine Ausreden. Er ist froh, dass die bekannten Defizite der Abwehr von Fabio Celestini analysiert worden sind und der neue Trainer den Spielern auf dem Trainingsplatz akribisch genau Lösungswege aufzeigt. Celestini lässt oft Freistösse und Eckbälle üben, «damit wir defensiv besser stehen und weniger Tore bekommen», stellt Stefan Knezevic fest. Bei den Freistössen stehen die Abwehrleute diszipliniert auf einer Linie, sie verschieben sich im Verbund nach vorne, um auf Abseits zu spielen. Sie bewegen sich beinahe synchron wie ein Ballett.

Mit seinen 54 Super-League-Spielen gehört Knezevic in dieser jungen Mannschaft bereits zu den Routiniers. Er lobt die bisherige Zusammenarbeit mit Celestini: «Bis jetzt läuft es sehr gut mit dem neuen Coach.» Am Anfang hätten sie viele Dinge lernen müssen, erzählt er. Ein Hauptaugenmerk habe Celestini auf das Miteinander in der Abwehr gelegt, stellt Torhüter Marius Müller fest:

«Wir haben die Kommunikation untereinander verbessern müssen.»

Testmatch am Freitag um 15.30 Uhr im Livestream

Stefan Knezevic ist zuversichtlich: «Langsam verstehen wir, was der Trainer von uns will. Jetzt müssen wir auf diesem Weg weiterarbeiten.» Die nächste Gelegenheit, um die gemachten Fortschritte zu beweisen, gibt es am Freitag (15.30 Uhr) im Marbella Football Center gegen Gaz Metan Medias (Liga 1 Rumänien). Der Testmatch wird via Livestream auf der Facebook-Seite des FC Luzern übertragen. 

27 Gegentore hat der FCL in der Hinrunde unter dem Mitte Dezember freigestellten Thomas Häberli kassiert. Das ergibt in 18 Partien einen Durchschnittswert von 1,5 pro Match. Weil Torhüter Marius Müller ein sehr solider Rückhalt war, der dazu mit zahlreichen herausragenden Paraden glänzte, mussten die Innerschweizer nicht mehr Treffer hinnehmen. Gerade im Abstiegskampf, mit derzeit nur vier Punkten Vorsprung auf Neuchâtel Xamax auf dem Barrage-Platz, empfiehlt es sich für Luzern, defensiv weniger anfällig zu sein.   

Allerdings muss das Gleichgewicht zwischen der Defensive und Offensive möglichst optimal gefunden werden. Der Angriff war in der Vorrunde meistens harmlos. Nur 17 Tore erzielte der FCL in 18 Partien, das ergibt nicht einmal einen Schnitt von 1 Treffer pro Match, sondern lediglich 0,94. In den letzten Tagen des Camps habe Celestini den Fokus vermehrt auf die Offensive gelegt, sagt Goalie Müller. Und: «Beim Üben der Standards ist es für die Offensivspieler darum gegangen, möglichst oft zu treffen», erklärt Knezevic den weiteren Zweck dieses Trainingsteils. 

Geburtstagskind Schulz steht vor dem Comeback

Mit Marvin Schulz gibt gegen die Rumänen von Gaz Metan aller Voraussicht nach ein Mittelfeldmann sein Comeback, der für eine ideale Balance zwischen Angriff und Abwehr bekannt ist. Der am Mittwoch 25 Jahre alt gewordene Deutsche hatte sich am 20. Oktober beim 3:1-Heimsieg über Sion am Schienbein über dem Sprunggelenk verletzt. «Die Wundheilung hatte sich unerwartet verzögert», erklärt Schulz. Seit Montag trainiert er wieder mit der Mannschaft. 

Auf die Frage, was er von der Rückrunde mit dem FCL erwartet, lässt sich Stefan Knezevic nicht auf die Äste hinaus: «Ich gehe möglichst positiv in die zweite Saisonhälfte, freue mich auf den ersten Match in Zürich und nehme Spiel um Spiel.» Tönt so abgeklärt wie vor zwei Jahren unter Gerardo Seoane.  

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