FCL-KOLUMNE: «Ich hätte auf Neumayr gesetzt»

Roli Schwegler über den Rück­runden-Auftakt des FC Luzern in Basel

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FCL-Debütant Markus Neumayr (links) kam bei der 0:3-Niederlage in Basel erst in der 65. Minute zum Einsatz. Rechts Basels Neuling Renato Steffen. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

FCL-Debütant Markus Neumayr (links) kam bei der 0:3-Niederlage in Basel erst in der 65. Minute zum Einsatz. Rechts Basels Neuling Renato Steffen. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

Für mich war das ein typisches erstes Rückrundenspiel. Die Luzerner haben während der ersten 45 Minuten defensiv gut gearbeitet und die Räume zugetan. Basel kam nur zu zwei Weitschüssen. Allerdings machte der FCL stets den Eindruck, eher auf Sicherheit bedacht zu sein. Mit zunehmender Spielzeit schien es, als ob die Innerschweizer auf das erste Gegentor gewartet hätten. Denn sie ergriffen kaum mehr die Initiative. In Basel hat eine Gastmannschaft nur eine Chance, wenn sie etwas riskiert.

Ich habe überhaupt nicht verstanden, weshalb Luzern-Trainer Markus Babbel seinen Neueinkauf Markus Neumayr über eine Stunde draussen liess. Ich hätte auf den technisch versierten Offensivmann Neumayr in der Startaufstellung gesetzt. Er hätte als hängende Sturmspitze zusammen mit Mittelstürmer Marco Schneuwly bestimmt mehr gefährliche Aktionen kreiert als der farblose Clemens Fandrich.

Im Vorfeld des Spiels hatte Babbel erklärt, dass Neumayr noch nicht in der körperlichen Verfassung sei, um das Tempo über 90 Minuten mitzugehen. Damit wird er recht haben. Allerdings zeigen der FC Basel und Trainer Urs Fischer mit dem Spielmacher Matias Delgado, dass es auch anders geht. Der Argentinier spielt fast nie den ganzen Match durch. Gegen den FCL ist Delgado in der 74. Minute als Mann des Spiels ausgewechselt und gefeiert worden. Er hat ein Tor erzielt und einen Assist gegeben.

Ich bin überzeugt, das Duo Neumayr/Marco Schneuwly hätte die Basler Verteidiger unter Druck setzen können. So aber bleibt nach der klaren 0:3-Niederlage nur festzuhalten: Die Grundausrichtung mit Sicherheit zuerst hat nicht für den erhofften Exploit gegen den Leader gesorgt. Die Basler mussten nicht viel tun, mit der individuellen Klasse und ihrem Selbstverständnis sind sie mit relativ geringem Aufwand zu den drei Punkten gekommen.

 

Zur umstrittenen Penaltyszene, die den Match entschied, stelle ich fest: Das war aus Luzerner Sicht ein sehr unglücklicher Elfmeter. Delgado hatte den FCL-Verteidiger Tomislav Puljic zuerst am Fuss getroffen, und nicht umgekehrt. Aber ein solcher Schiedsrichterentscheid ist symptomatisch für ein Spiel in Basel. Immer wieder kann es vor den vielen fanatischen Zuschauern im St.-Jakob-Park vorkommen, dass die Gastgeber durch einen umstrittenen Penalty bevorteilt werden.

Als Ex-Innenverteidiger habe ich speziell auf François Affolter geschaut, wie er als langjähriger Spieler auf dieser Position nun im defensiven Mittelfeld vor der Abwehr agiert. Die Räume hat er gut zugemacht. Doch im Vorwärtsspiel hat er sich schwergetan. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es für einen Innenverteidiger, der das ganze Spiel vor sich hat, enorm schwierig ist, plötzlich hinter sich die eigenen Abwehrspieler und die gegnerischen Stürmer zu haben. Weder Affolter noch Christian Schneuwly konnten die Bälle aus den Sechserpositionen zufriedenstellend verteilen. Schneuwly gefällt mir offensiver auf der Seite besser.

Ex-Profi Roli Schwegler (34) ist der neue FCL-Kolumnist unserer Zeitung. Als 15-Jähriger hatte er von Hochdorf zu GC gewechselt. Mit den Grasshoppers wurde er 2001 und 2003 Meister. Der Verteidiger wechselte 2007 zum FC Luzern. Für den FCL kam er in drei Jahren zu 74 Einsätzen. Nach zwei Saisons beim FC Vaduz beendete er 2012 seine Karriere. Heute lebt der gebürtige Seetaler mit seiner Familie in Hünenberg See, trainiert den FC Linth (2. Liga inter) und ist bei einer Versicherungsgesellschaft tätig.