FCL-Leihprofi Remo Arnold fast zu Hause – aber nur als Zaungast

Remo Arnold (22) ist seit dem Sommer von Luzern an Winterthur ausgeliehen. Dort läuft es dem Mittelfeldspieler so gut, dass er sogar vom Aufstieg träumen kann. Doch ausgerechnet bei seinem «Heimspiel» am Samstag gegen Kriens (17.30 Uhr) fehlt er gesperrt.

Raphael Gutzwiller
Drucken
Teilen
Spielte eine gute Vorrunde für den FC Winterthur: Remo Arnold. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 4. Februar 2019))

Spielte eine gute Vorrunde für den FC Winterthur: Remo Arnold. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 4. Februar 2019))

Es ist ja eigentlich nur ein unglücklicher Zufall, und doch passt er irgendwie zur Karriere von Remo Arnold. Wenn es gut läuft, passiert etwas Unerwartetes. Der Plan hätte gepasst: Nach abgesessener Sperre beim Rückrundenstart gegen Rapperswil wäre Arnold in Kriens in Winterthurs Startelf zurückgekehrt. Weil aber die Partie am letzten Sonntag gegen Rapperswil abgesagt werden musste, bleibt Arnold am Samstag die Rolle des Tribünengastes. «In Kriens zu spielen wäre wie ein Nachhausekommen gewesen. Dass daraus nichts wird, nervt mich schon», sagt Arnold.

Der unglückliche Zufall, dass Arnold nun ausgerechnet in der Innerschweiz seine Sperre absitzen muss, bringt ihn aber nicht aus dem Konzept. Seit dem Sommer läuft es ihm nämlich richtig gut. Das rechte Knie ist endlich schmerzfrei, auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld ist er gesetzt und sein Team spielt erfolgreich. Mit Winterthur liegt der 22-jährige Schlierbacher auf dem zweiten Rang der Challenge League. Es erstaunt wenig, dass er im Gespräch im Surseer Stadtcafé einen gelösten und offenen Eindruck macht. «Die Ausleihe ist wirklich ein Erfolg», sagt er strahlend. Im Sommer wurde Arnold, auch auf seinen eigenen Wunsch hin, vom FC Luzern an den FC Winterthur ausgeliehen. «Ich habe gemerkt, dass ich mir eine Veränderung und eine Herausforderung wünsche.»

Lange Leidenszeit für Arnold zu Ende

Mit der Leihe wollte Remo Arnold auch einen Schlusspunkt hinter eine lange Leidenszeit setzen. Fast ein ganzes Jahr lang ist er ohne einen einzigen Ernstkampf geblieben. «Darum ist es für mich im Moment das Wichtigste, spielen zu können.» Zudem sei es auch für seine persönliche Entwicklung wichtig gewesen, einmal in ein anderes Umfeld zu kommen; und sei es nur, um zu lernen, selber den Haushalt zu schmeissen. Und sportlich? «In Winterthur konnte ich als fitter Spieler einrücken, ohne dass besondere Rücksicht auf meine Verletzungsgeschichte genommen wurde. Ich musste mich im Konkurrenzkampf durchsetzen.»

Zwar ist Remo Arnold erst 22 Jahre alt, dennoch hat er schon einiges erlebt in seiner Fussballerkarriere. Nach seinen Anfangsjahren beim FC Knutwil und im Nachwuchs des FC Luzern debütierte er bereits als 18-Jähriger in der Super League und zeigte mit seiner ruhigen und zweikampfstarken Spielweise sogleich beeindruckende Leistungen im defensiven Mittelfeld des FC Luzern. Doch durchsetzen konnte sich der 1,93 Meter grosse Arnold nicht. «Ich war zu ungeduldig, habe mich unter Druck gesetzt. Ich habe gedacht: ‹So, jetzt läuft es.› Doch als junger Spieler musst du deine Bestleistung abrufen.» Während Arnold mit sich selbst kämpfte, überholten ihn andere Luzerner Talente: Jugendfreund Nicolas Haas, danach Filip Ugrinic und Idriz Voca im zentralen Mittelfeld sowie Stefan Knezevic in der Innenverteidigung. «Ich habe mich für sie gefreut, aber klar macht man sich schon Gedanken. Danach habe ich jedoch realisiert, dass ich nur meine eigene Leistung beeinflussen kann.»

Arnold kämpfte sich heran, und als man dachte, er könne sich einen Stammplatz beim FCL krallen, meinte es das Schicksal schlecht mit ihm. Im Europa-League-Qualifikationsspiel im kroatischen Osijek (0:2) stand Arnold im Juli 2017 als Innenverteidiger in der Startelf. Nach 17 Minuten verdrehte er sich das rechte Knie. Diagnose: Kreuzbandriss.

Kehrt Arnold zum FCL zurück oder nicht?

In der Folge verpasste Arnold die gesamte Saison, den Aufbau machte er in der U21. Bis heute bleibt die Partie in Osijek seine letzte für den FCL. Ob weitere dazukommen, weiss er nicht. «Klar wäre es schön, wieder beim FCL zu spielen, das ist sicher auch der Plan. Aber im Moment schaue ich nur von Spiel zu Spiel. Ich habe gelernt, wie schnell es gehen kann.» Arnolds Vertrag in Luzern läuft noch bis zum Sommer 2020. Mit FCL-Sportchef Remo Meyer steht er im Austausch, entschieden für nächste Saison sei bisher noch nichts.

Falls es mit der Rückkehr nach Luzern nicht klappt, würde Arnold wohl gerne in Winterthur bleiben. Er schwärmt von der Stimmung auf der Schützenwiese, von den Heimfans in der «Bierkurve» und von einer intakten Mannschaft, die überraschend um den Aufstieg in die Super League mitspielt. «Wenn wir so weiterspielen wie in der Vorrunde, ist vieles möglich», sagt Arnold. «Wir haben vielleicht nicht die besten Einzelspieler, aber wir haben einen super Teamgeist.»

Winterthurs aktueller Gegner Kriens dürfte gewarnt sein – auch wenn Remo Arnold diesmal fehlt.