FCL-Mittelfeldstratege Marvin Schulz: «Der Einfluss des Trainers wird unterschätzt»

FCL-Mittelfeldspieler Marvin Schulz war fast vier Monate verletzt. Heute Samstag (19 Uhr) in Thun macht er Fabio Celestinis Kader noch stärker.

Daniel Wyrsch
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Fabio Celestini attestiert FCL-Profi Marvin Schulz eine gute Technik und taktische Intelligenz.

Fabio Celestini attestiert FCL-Profi Marvin Schulz eine gute Technik und taktische Intelligenz.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (16. Februar 2020)

Beim 1:0-Heimsieg über Tabellenleader St. Gallen gab Marvin Schulz am vergangenen Sonntag sein Comeback. Der 25-jährige Mittelfeldspieler ist zufrieden mit dem rund 30-minütigen Teileinsatz. «Ich fühle mich topfit, nur die Luft fehlt mit noch etwas.» Das ist verständlich nach einer Wettkampfpause von fast vier Monaten. Ein Knochenödem hatte dem Deutschen Kopfzerbrechen bereitet, «weil man bei dieser Verletzung nicht weiss, wie lange sie dauert».

Im Trainingslager Mitte Januar hatte ihn dann ein Muskelfaserriss noch einmal zurückgeworfen. Eine Blessur, die oft vorkommt, wenn ein Spieler nach einer längeren Verletzungspause wieder intensiv mit der Mannschaft trainiert. «Der Muskel hat schlapp gemacht», stellt er fest.

Doch alles in allem sei er gut durch die Zwangsauszeit gekommen, findet Marvin Schulz. «Eine solche Phase muss praktisch jeder Profi mal durchleben, das gehört zum Sport. Ich konnte auf die tolle Unterstützung unseres Physio-Teams und Reha-Trainers Christian Schmidt zählen.» Sie haben den zentralen Mittelfeldmann wieder fit gemacht. Schulz scheint an Kraft sogar zugelegt zu haben. «Ja, ich habe die Zeit genutzt, um etwas gegen meine Defizite zu unternehmen», bestätigt er physische Verbesserungen.

Celestini schätzt die Fähigkeiten von Schulz

Schulz hatte Luzern lange spürbar gefehlt. Nachdem er am 20. Oktober beim 3:1-Heimsieg gegen Sion in der Schlussphase angeschlagen ausgewechselt werden musste, ging beim FCL lange nichts mehr. Sechs Niederlagen in Serie folgten zu Beginn seiner Abwesenheit. Dann erkämpfte sich das Team noch unter Thomas Häberli zum Vorrundenabschluss den heroischen 2:1-Heimerfolg über Basel, bevor im neuen Kalenderjahr vier weitere Siege in Folge dazukamen.

«Die anderen haben es auch sehr gut gemacht», lobt Schulz seine Mitspieler im zentralen Mittelfeld. Tsiy Ndenge kehrte ebenfalls nach einer mehrmonatigen Verletzungspause zurück. Idriz Voca war auf dieser Position der Dauerbrenner, ehe er nach seinem 1:0-Siegtreffer gegen Xamax mit einer Bänderverletzung ausfiel, aber nach dem Aussetzen gegen St. Gallen heute in Thun bereits wieder zu Verfügung steht. In der personell engen Phase hat zudem der 18-jährige Jungprofi David Mistrafovic seine Tauglichkeit für die Super League bewiesen.

Fabio Celestini hat gegen Thun die Qual der Wahl im Aufbauzentrum. Der Trainer selbst beschreibt die Situation anders: «Ich besitze nun mehr Möglichkeiten.» Allerdings ist Celestini ausgesprochen erfreut über die Rückkehr von Schulz: «Marvin spielt sehr gut mit dem Fuss und er ist äusserst intelligent. Für die Umsetzung meiner Ideen ist er ein ganz wichtiger Profi.» Einzig wegen der mangelnden Spielpraxis dürfte der FCL-Coach in Thun noch nicht auf Schulz in der Anfangsformation setzen.

Herzliche Begrüssung zwischen Coach und Spieler

Wie sehr Celestini seinen Spieler Schulz schätzt, konnten die Journalisten am Freitag an der Medienkonferenz beobachten. Der Trainer begrüsste den 1,86 Meter grossen Blonden herzlich. Die beiden hatten sich noch nicht gesehen, da das Training erst am Nachmittag stattfand.

Umgekehrt ist Schulz angetan vom neuen Coach, der sich auch während der Reha-Abwesenheit regelmässig für ihn interessiert hatte. «Der Einfluss des Trainers wird unterschätzt, für die einzelnen Spieler und die Mannschaft ist der Coach bedeutend.» Celestini wolle jeden einzelnen besser machen, er habe stets einen klaren Matchplan. «Weil er selber Profi war, bringt er viel Erfahrung mit.»

Wie vor zwei Jahren in der erfolgreichen Rückrunde unter Gerardo Seoane «stimmt es bei uns momentan».

«Die Mentalität ist top. Jeder ist für jeden da, alle geben 100 Prozent ihres Leistungsvermögens.»

Darüber freut sich Schulz. Thun ist zwar immer noch Schlusslicht, hat aber mit drei Siegen aus vier Partien ebenfalls einen starken Rückrundenstart hingelegt. «Das wird ein schwieriger Match, der Kunstrasen ist vielleicht ein kleiner Vorteil für Thun. Aber trotzdem glaube ich, dass wir noch ein bisschen die bessere Qualität im Kader haben», stellt Schulz selbstbewusst fest.

Über einen Besuch der Fasnacht entscheidet das Spiel 

Ob Marvin Schulz an die Fasnacht geht, ist offen: «Nach 2,5 Jahren in Luzern fühle ich mich hier wie zu Hause. Ob’s heuer zu einem Fasnachts-Besuch reicht, sehe ich dann nach dem Spiel.»

Celestini tanzt auf der Erfolgswelle

Die Leidenschaft des FCL-Trainers

Fabio Celestini ist ein offener, ehrlicher Kommunikator. Im Trainingslager in Marbella hatte er angekündigt, dass er wie an seiner letzten Trainerstation Lugano auch in Luzern zum Salsa-Tanzen gehen werde. «Tanzen ist meine Passion, ein wichtiger Ausgleich, der mir viel Energie gibt.» Das waren keine leeren Worte. Wie unsere Zeitung erfahren hat, ist Celestini regelmässig im «Madeleine» bei Latino-Rhythmen in Aktion zu sehen. «Mit meiner Frau gehe ich oft Mittwoch und Donnerstag dorthin», bestätigt er – und stellt klar: «Von 21 bis 23 Uhr, nicht bis nachts um 3 Uhr.»

Siegesserie gegen Thun ohne Ndiaye fortführen

Die Fans gönnen ihm den Spass – besonders nach vier Siegen aus den ersten vier Spielen. «Die Serie ist fantastisch, weil wir nicht YB, Basel, Juve oder PSG sind», findet Celestini. In Thun fehlt Ibrahima Ndiaye angeschlagen, er verletzte sich gegen St. Gallen. Celestini: «Die Serie wollen wir möglichst fortsetzen.» (dw)

Der FCL ist ein Team der extremen Serien

Gewinnt der FC Luzern am Samstag das Auswärtsspiel in Thun, baut er seine Siegesserie auf sechs Spiele hintereinander aus. Das wäre für die Innerschweizer ein Rekord in der höchsten Liga.
Daniel Wyrsch