FCL-Neuling Bürki: «Wir laufen nicht mit Mundschutz herum»

Der 26-jährige Berner fühlt sich bei den «bodenständigen Innerschweizern» wohl – und seinem Bruder Roman Bürki gönnt er den Erfolg.

Daniel Wyrsch
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Marco Bürki (rechts): «Ich bin ein spielstarker Verteidiger.»

Marco Bürki (rechts): «Ich bin ein spielstarker Verteidiger.»

Martin Meienberger/Freshfocus (Thun, 22.Februar 2020)

Wie haben Sie davon erfahren, dass das Heimspiel vom Sonntag gegen Basel wegen des Corona-Virus verschoben worden ist?

Marco Bürki: Erst kurz vor diesem Interview sind wir vom Verein über den Entscheid der Swiss Football League informiert worden. Jetzt müssen wir das Wochenende neu planen. Auch der nächste Match vom Mittwoch im Cup zu Hause gegen YB ist verschoben.

Der deutsche Drittligist 1860 München hat angeordnet, dass die Mitarbeiter wegen des Corona-Virus auf das Händeschütteln zwischen Mitarbeitern verzichten. Sie gaben mir soeben die Hand – gibt es beim FCL ebenfalls Vorsichtsmassnahmen?

Wir haben in der Kabine Blätter aufgehängt, die das richtige Händewaschen illustrieren. Hygiene und Desinfektionsmittel sind wichtig, und wir schütteln uns nicht fünfmal am Tag die Hände. Aber wir laufen nicht mit Mundschutz herum. Das wäre doch etwas übertrieben.

Trotzdem muss es ärgerlich sein, dass der FCL ausgerechnet in dieser erfolgreichen Phase aussetzen muss.

Selbstverständlich hätten wir Lust gehabt, gegen den FC Basel und YB zu spielen. Unsere Resultate stimmen, das Selbstvertrauen haben wir. Aber der Entscheid ist nun einmal so gefällt worden. Wir haben ihn in der Mannschaft hingenommen und nicht gross diskutiert.

Ihr Bruder Roman hat vor zwei Jahren mit Dortmund einen Anschlag auf den Teambus erlebt. Das Champions-League-Heimspiel gegen Monaco musste verschoben werden. Ist dagegen dieses Virus ein Bagatelle?

Dieser Anschlag hatte eine ganz andere Tragweite, unsere Spielverschiebung und jene von damals in Dortmund kann man nicht miteinander vergleichen.

Dass Sie immer auf den drei Jahre älteren Bruder und Dortmund-Goalie Roman angesprochen werden, ...

... ist kein Problem! Ich bin stolz auf ihn, mag Roman den Erfolg von Herzen gönnen. Wir tauschen uns täglich aus, entweder per Whatsapp oder via Telefon.

Warum haben Sie den belgischen Erstligisten Zulte Waregem nach 1,5 Jahren verlassen?

Ich wollte eine Luftveränderung, weil ich mich dort nicht mehr weiterentwickelt habe. Es hätte auch ein anderer Klub im Ausland sein können. Schliesslich war der FCL für mich aber die beste Lösung.

Hat der FC Luzern Sie verpflichtet, weil Sie als Verteidiger technisch in der Lage sind, sauber hinten herauszuspielen?

Die Verantwortlichen wissen, dass ich ein spielstarker Verteidiger bin. Das ist eine meiner Stärken, die ich einbringen will. Doch auch meine Abwehrkollegen können das Spiel auslösen.

Im Moment spielen Sie eher linker Verteidiger und nicht Innenverteidiger. Welche Position bevorzugen Sie?

Ich kann beides spielen, ich gebe auf jeder Position mein Bestes, wo mich der Trainer aufstellt. Mit Fabio Celestini habe ich in den letzten Wochen viel gesprochen, dabei ging es vor allem um die Umsetzung seiner Taktik.

Erleben Sie in Luzern etwas anderes als bei Ex-Klubs?

Die Mentalität ist ähnlich wie in Bern, die Innerschweizer sind ebenfalls bodenständig. Der FCL hat ein super Stadien, ist ein gut organisierter Verein. Ich will mich hier weiterentwickeln und dazulernen, mich mit meiner Art und Mentalität einbringen. In der Tabelle will ich mit Luzern so weit wie möglich nach vorne kommen.

Sie gehörten am 28. April 2018 dazu beim YB-Meisterspiel gegen Luzern. Wie erlebten Sie diesen Titel?

Zwar nur als Ersatzspieler, der an der Seitenlinie beim Einlaufen war, aber die erste Meisterschaft für YB nach 32 Jahren bleibt für immer ein unvergessliches Erlebnis. Kürzlich habe ich ein Video von diesem Match gesehen, ich bekam Hühnerhaut und Tränen. Als Berner «Giel» war dieser erste Titel nach so langer Zeit etwas Aussergewöhnliches. Während der ganzen Saison hatte alles gestimmt.

Mit dem FCL könnten Sie gegen YB in den Cup-Halbfinal einziehen und Luzerns Traum vom ersten Titel seit 1992 weiterleben lassen.

Das wird für mich sicher ein spezielles Spiel. Im Cup herrscht stets eine andere Gefühlslage – und 1992 ist nicht so lange her wie damals die 32 Jahre bei YB.