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FCL-Neuzugang Marius Müller ist zurück in seinem Revier

Der neue FCL-Torhüter Marius Müller (26) hat hohe Ambitionen. Grund dafür ist vor allem sein alter Arbeitgeber.
Daniel Wyrsch
Vom Bankdrücker zum Stammgoalie: Marius Müller will «möglichst oft zu null spielen». Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 11. Juli 2019)

Vom Bankdrücker zum Stammgoalie: Marius Müller will «möglichst oft zu null spielen». Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 11. Juli 2019)

Marius Müller ist beim FC Luzern sehr willkommen. Das spürte der neue Keeper in den Vorgesprächen mit den Verantwortlichen. Zuerst am Telefon, dann in Gesprächen unter vier Augen. Der Mann aus der 32000-Einwohner-Stadt Lampertheim in der Nähe von Mannheim ist ein gründlicher Mensch, er wollte nichts dem Zufall überlassen. «Ich bin nach Luzern gefahren, um alles anzuschauen. Und ich wollte mit Herrn Meyer persönlich reden.» In den Gesprächen wurde sein erster Eindruck bestätigt: «Sportchef Remo Meyer und Trainer Thomas Häberli gaben mir zu spüren, dass sie mich wollen. Dieses Vertrauen zu bekommen, ist für mich nicht selbstverständlich.»

Für Marius Müller war nach dem Besuch klar: «Ich will zum FC Luzern wechseln.» Seine Berater habe er angewiesen, die Transferabsicht diskret zu halten. Nichts ist nach aussen gedrungen. Auch vom FCL nicht. «Chapeau, den Verantwortlichen! Es zeigt mir, dass ich mich auf sie verlassen kann.»

Kredit wie kein anderer Goalie in den letzten Jahren

Für Sportchef Meyer hat der neue Goalie «das nötige Rüstzeug und die Qualität, um der Mannschaft helfen zu können». Trainer Häberli sagte in Biel nach dem Einstand von Müller gegen Crystal Palace: «Wir sind froh, Marius bei uns zu haben.» So viel Vorschusslorbeeren hat kein Schlussmann in den letzten Jahren in Luzern bekommen. Nicht das Eigengewächs Jonas Omlin (aktuell bei Basel) und schon gar nicht Mirko Salvi (nach dem Leihjahr zurück bei GC).

Müller, der gestern Freitag seinen 26. Geburtstag gefeiert hat, tut der Kredit gut. In den Saisons 2016/17 und 2018/19 bei RB Leipzig kam er nur zu einem Pflichtspiel. Das war in der Europa-League-Qualifikation Anfang August des vergangenen Jahres in Schweden beim BK Häcken (1:1). Obwohl er gut gespielt hatte, war er danach wieder dritter Torhüter. Kein Wunder, ist er jetzt glücklich mit seiner Situation in Luzern. Er sagt: «Für mich gibt’s nichts Grösseres, als zu spielen.»

Gespielt hat Müller insgesamt 72 Partien in der 2. Bundesliga für seinen Ausbildungsverein, den 1. FC Kaiserslautern. Beim vierfachen deutschen Meister brachte er es vom Balljungen und U10-Junior bis zum Stammtorwart der Profis. In der Saison 2017/18 wurde er von Leipzig an Kaiserslautern ausgeliehen – und zuerst von den eigenen Fans angefeindet, weil sie ihm den Wechsel zum finanzstarken Dosenklub nicht verziehen hatten. «Geliebt, gehasst und dann wieder geliebt», sagt er über seine Erfahrungen bei seinem Herzensverein. Denn Müller war der konstanteste und beste Spieler bei den «Roten Teufeln» vom Betzenberg, die schliesslich – extrem bitter für den Traditionsklub – in die 3. Liga abstiegen.

Müller sagt, dass ihm in jener Spielzeit bei Kaiserslautern praktisch kein Fehler unterlief. «Denn in Leipzig konnte ich enorm viel von Peter Gulacsi profitieren. Bei Piet gibt es keine Faxen, er ist immer voll fokussiert auf Spiel und Training.» Der ungarische Nationaltorwart habe darum eine aussergewöhnlich tiefe Fehlerquote. Das hat Müller inspiriert. In dieser Manier möchte er seine persönliche Bilanz von Kaiserslautern in Luzern fortsetzen. Eines seiner Saisonziele heisst denn auch: «Möglichst oft zu null spielen.»

Bundesliga bleibt 
sein grosses Ziel

Die hohen Ambitionen hat Müller vor allem von RB Leipzig mitgenommen, dort seien alle vom Perfektionisten Ralf Rangnick inspiriert und getrieben worden. Der Sportdirektor und Trainer verlangte Eigeninitiative. «Obwohl drei Fitnesstrainer angestellt waren, wusste jeder Profi für sich, was er zu tun hatte. Der Selbstantrieb hat mich am meisten beeindruckt bei Leipzig.»

Für ihn ging trotz der spärlichen Spielpraxis die Entwicklung weiter. «Die Fussarbeit konnte ich deutlich verbessern.» Dazu haben Müller die platzierten Schüsse im Training von Timo Werner, Emil Forsberg und Co. bestimmt nicht geschadet. Befragt zur topmodernen Infrastruktur in Leipzig stellt der Deutsche fest: «Das ist eine andere Fussballwelt, die auch in der Bundesliga einzigartig ist. Ich komme allerdings aus Kaiserslautern, dort herrschen ausreichend gute Trainingsverhältnisse, die mit jenen in Luzern vergleichbar sind.»

Trotz den in sportlicher Hinsicht enttäuschenden beiden Jahren beim ostdeutschen Spitzenklub, wo er hinter Gulacsi und dem Schweizer Yvon Mvogo die Nummer 3 war, möchte Müller früher oder später in die Bundesliga zurückkehren. In der deutschen Eliteklasse zu spielen, bleibt sein erklärtes Ziel. «Zunächst will ich jetzt meine Karriere in die Hand nehmen, mich hier jeden Tag voll reinhängen. Klar ist: Nur wenn ich mit dem FC Luzern erfolgreich bin, kann ich in Deutschland wieder auf mich aufmerksam machen.»

Die Bedingungen erachtet er als ideal. Von der Mannschaft fühlt er sich hervorragend aufgenommen, zum langjährigen Stammgoalie David Zibung (35) hat er sofort den Draht gefunden. «Dave hilft mir, wo er kann. Er hat viel für den Verein geleistet, ich respektiere ihn sehr.» Dass Zibung weiterhin die Nummer 1 trägt, ist für Müller kein Thema. «Dave hat sich dieses Trikot verdient, er ist eine Klublegende. Ich habe mich für die Nummer 32 entschieden, mit dieser bin ich in meine Profikarriere gestartet.»

Eltern sind Fans von Marius Müller-Westernhagen

Privat ist Marius Müller seit zwei Jahren verheiratet. Ehefrau Vivien ist seit Mittwoch ebenfalls in Luzern. Bald möchte das Paar in eine Wohnung ziehen. Übrigens ist sein Vorname Marius nicht zufällig gewählt worden von den Eltern: Beide sind Fans von Marius Müller-Westernhagen. Den inzwischen 70-jährigen deutschen Rockmusiker findet auch der neue Luzern-Goalie gut. Er war schon an Westernhagen-Konzerten.

Marius Müller, der mit einem Dreijahresvertrag bis Sommer 2022 ausgestattet wurde, möchte das von Meyer und Häberli entgegengebrachte Vertrauen in Form von überzeugenden Leistungen zurückzahlen. Westernhagens Lied «Ganz und gar» könnte für ihn Inspiration bedeuten, sich 100 Prozent auf den FCL einzulassen. Schafft er das, und wird er zum erhofften Rückhalt, könnte der ehemalige Bankdrücker schon bald wie sein berühmter Namensvetter singen: «Ich bin wieder hier in meinem Revier.» Zurück im Tor.

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