FCL-Pechvogel Schürpf fehlt der Hüftspeck

Das mit jungen Spielern gespickte Luzerner Team besteht gegen Meister YB, verliert aber unglücklich 0:1. Teamsenior Pascal Schürpf (30) erklärt das entscheidende Eigentor.

Daniel Wyrsch aus Bern
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Der Luzerner Eigentorschütze Pascal Schürpf (rechts) wird nach dem Spiel von Goalie Marius Müller getröstet.

Der Luzerner Eigentorschütze Pascal Schürpf (rechts) wird nach dem Spiel von Goalie Marius Müller getröstet.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Bern, 7. Dezember 2019)

Ein ungeschriebenes Gesetz im Fussball besagt, dass ein Stürmer im eigenen Strafraum nichts verloren hat. Doch Pascal Schürpf musste in Bern eine ungewohnte Rolle spielen, bei gegnerischem Ballbesitz in einer Fünferabwehr links aussen verteidigen. Deshalb stand der 30-jährige FCL-Captain bei einer Flanke von YB-Verteidiger Ulisses Garcia ganz hinten drin – und drehte sich wie ein Goalgetter Richtung Tor ab. Prompt prallte der Ball an seine Hüfte und ging von dort unhaltbar für Goalie Marius Müller ins eigene Netz.

Bis zu diesem 0:1-Rückstand in der 46. Minute hatten die stark dezimierten Luzerner, die wegen Verletzungen und Sperren auf sechs bis sieben Stammspieler verzichten mussten, nur wenig zugelassen. Die FCL-Spieler rauften sich nach fünf Niederlagen in Serie zusammen, kämpften mit Haken und Ösen, um auf der schnellen Plastikunterlage des Meisters und Tabellenersten nicht vorgeführt zu werden.

Schürpf beweist Selbstironie

Selbst nach der Berner Führung bewiesen die Luzerner Moral, gaben den Young Boys keinen Raum für ihr gefürchtetes Kombinationsspiel. Die Bälle, die dennoch aufs Tor kamen, parierte Müller. Und die Innerschweizer hatten nach den Einwechslungen von Darian Males und Francesco Margiotta sogar noch drei, vier Chancen zum 1:1-Ausgleich. Die beste in der Nachspielzeit durch einen Freistoss von Margiotta, den YB-Keeper David von Ballmoos mirakulös über die Latte lenkte.

Am bittersten ist die knappe 0:1-Niederlage natürlich für Pascal Schürpf. Der Basler erklärte, wie es zu diesem Eigentor kommen konnte: «Marco Burch hat den Flankenball ­abgefälscht, ich konnte hinter ihm stehend nicht mehr reagieren.» Mit einer Prise Selbstironie führte Schürpf weiter aus: «Wahrscheinlich habe ich zu wenig Hüftspeck, der Ball sprang so ungebremst vom Knochen direkt ins Tor.»

Seoane tut sein früherer Luzern-Goalgetter leid

YB-Trainer Gerardo Seoane musste das Siegtor wie ein Déja-vu-Erlebnis vorgekommen sein. Als er den FCL in der Rückrunde der Saison 2017/18 vom vorletzten auf den dritten Platz geführt hatte, war Schürpf sein wichtigster Spieler. In nur elf persönlichen Einsätzen schoss dieser in Höchstform zehn Tore, die einen Grossteil der 34 Punkte unter Seoane brachten. Als Coach des erstaunlich harmlosen Leaders konnte er sich allerdings nicht über Schürpfs Treffer freuen. «Das Tor hat bei mir nicht viel ausgelöst. Schade, haben wir mit einem Eigentor siegen müssen.» Für den unglücklichen Schützen zeigte Seoane Empathie: «Es tut mir leid für Pasci und dessen Team.»

Hatte der Luzerner YB-Teamchef vor dem Match noch gesagt, dass er mit einem 1:0-Sieg zufrieden sein würde, versteckte Seoane danach die Unzufriedenheit über den Mini-Erfolg nicht: «Meine Gefühle sind gemischt, die schnellen Luzerner Spitzen kontrollierten wir, aber in Ballbesitz fehlten mir Kreativität und Ideen.» Er stellte bei seinem Team, das am Donnerstag bei den Glasgow Rangers gewinnen muss, um in der Europa League zu überwintern, eine mentale Müdigkeit fest.

Lob verteilte der langjährige Luzerner U21-Coach der stark verjüngten Mannschaft des Gegners. «Ein Kompliment für die jungen Spieler aus Luzern, sie haben sich gut präsentiert», sagte Seoane. Die Jungprofis Lorik Emini (20), David Mistrafovic (18), Marco Burch (19) und Darian Males (18) durften tatsächlich stolz auf ihren mutigen und kämpferischen Auftritt sein. Diese Meinung teilte auch Pascal Schürpf: «Unsere zahlreichen jungen Spieler ­haben ihre Aufgaben sehr gut erfüllt.»

Der je länger je mehr zutreffende Vergleich mit dem FC Vaduz

Schürpf will nach der sechsten Niederlage in Serie nichts schönreden. «Wir haben viele Bälle erobert, aber diese müssen wir danach einfacher spielen, das gelingt uns kaum.» Ihm gibt zu denken, «dass wir am Ende zwar Chancen hatten, aber keine 100-prozentige».

Auf die ungemütliche Lage mit nur 15 Punkten nach 17 Partien angesprochen, antwortete Schürpf: «Ich bin mich vom FC Vaduz gewohnt, hinten zu stehen.» Oder anders gesagt: Der FCL nähert sich dem Challenge-Ligisten aus Liechtenstein immer mehr an.

Young Boys – Luzern 1:0 (0:0)

25 560 Zuschauer. – SR Bieri.

Tor: 46. Schürpf (Eigentor/Flanke Garcia) 1:0.

Young Boys: Von Ballmoos; Janko, Bürgy, Sörensen, Garcia; Fassnacht, Martins, Aebischer, Spielmann (70. Ngamaleu); Assalé (83. Mambimbi), Nsame (73. Hoarau).

Luzern: Müller; Knezevic, Lucas, Burch; Grether, Mistrafovic, Emini, Schürpf; Matos (77. Margiotta); Ndiaye (90. Tia), Demhasaj (61. Males).

Bemerkungen: Young Boys ohne Lustenberger, Sierro, Sulejmani Camara, Gaudino und Lauper (alle verletzt), Luzern ohne Eleke, Sidler und Voca (alle gesperrt) sowie Schulz, Schwegler, Kakabadse, Ndenge und Binous (alle verletzt). Verwarnungen: 2. Emini (Foul). 30. Matos (Foul). 34. Garcia (Foul). 61. Aebischer (Foul). 76. Burch (Foul). 85. Fassnacht (Foul). 88. Mistrafovic (Foul). 89. Grether (Foul).

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