FCL plant trotz drohendem Saison-Abbruch bis dato immer noch mit dem Liga-Neustart am 4. April

Die letzten Hiobsbotschaften aus dem Eishockey und Fussball setzen den Luzerner Protagonisten zu. Immer wahrscheinlicher wird das lange Zeit unvorstellbare Szenario eines vorzeitigen Saisonendes.

Daniel Wyrsch
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Es scheint gerade mehr als fraglich, ob es in dieser Saison wenigstens noch zu Spielen ohne Publikum wie am vergangenen Samstag im Testmatch zwischen Luzern und Zürich kommt.

Es scheint gerade mehr als fraglich, ob es in dieser Saison wenigstens noch zu Spielen ohne Publikum wie am vergangenen Samstag im Testmatch zwischen Luzern und Zürich kommt. 

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 7. März 2020)

Die FCL-Spieler gingen am Donnerstag mit gesenkten Köpfen über den Vorplatz der Swisspor-Arena. Wäre dem Beobachter nichts bekannt von der Corona-Pandemie, müsste er annehmen, die Luzerner Fussballer stecken in einer sportlichen Krise. Dabei hat der FC Luzern aus fünf Spielen 13 Punkte gewonnen und stellt das erfolgreichste Team der Rückrunde.

Allerdings fand der letzte Pflichtmatch am 22. Februar in Thun (1:1) statt. 21 Tage sind seither vergangen. Selbst der sonst meist gut gelaunte Marius Müller hat ein betrübtes Gesicht. Die Ungewissheit macht dem für Luzern überragend spielenden und bei den Fans beliebten Torhüter zu schaffen. Der 26-jährige Deutsche hat am Rand des Trainings natürlich auch mitbekommen, dass nach den deutschen und österreichischen auch die Schweizer Eishockey-Playoffs abgesagt worden sind. Am Mittag wird bekannt, dass Real Madrid in Quarantäne ist, die spanische Liga den Betrieb einstellt, Juve-Spieler Daniele Rugani und weitere Profis mit dem Corona-Virus infiziert sind. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen.

Corona-Virus schlägt viel stärker zu als erwartet

Marius Müller meint, dass er mit solch drastischen Auswirkungen auf den Sport und das Alltagsleben nicht gerechnet habe. Wie dem Profifussballer geht es in diesen Tagen vielen Menschen. Auch FCL-Botschafter und Klublegende Kudi Müller ist deutlich ruhiger als üblich. «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Meisterschaft jemals so lange ausgesetzt hat und das öffentliche Leben auf diese Weise beeinträchtigt war», sagt der bald 72-jährige ehemalige Nationalstürmer.

Gefasster als die beiden prominenten Müller des FC Luzern wirkt Fabio Celestini. Der Trainer spricht mit einem städtischen Mitarbeiter. Es geht um den Trainingsrasen auf Platz 6. Später beantwortet der 44-jährige Celestini abgeklärt unsere Frage zur Stimmungslage in der Mannschaft während dieser unsicheren Zeit: «Für uns hat sich nichts geändert. Es ist die gleiche Situation wie in einer laufenden Meisterschaft – wir wollen den Rhythmus hochhalten.» Derzeit seien es halt Testpartien. Die nächste morgen Samstag (14.00 Uhr, Swisspor-Arena) gegen Challenge-Ligist FC Vaduz unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Celestini ist kein Schauspieler, er stellt schliesslich fest: «Etwas komisch ist das Ganze schon.»

Celestinis Ex-Klub Lugano darf nicht trainieren

Seine Mannschaft sieht der Coach trotz Testspielrhythmus im «zweiten Rückrundentrainingslager». Konditionstrainer Christian Schmidt sorgt dafür, dass die Spieler in Form bleiben.

Anders beim Ligakonkurrenten FC Lugano: Da im Tessin Notstand herrscht, dürfen die dortigen Teams nicht mehr trainieren. «Falls die Liga am 4. April neu startet, würde ich als FC Lugano die fehlende Trainingszeit ganz sicher monieren», betont Celestini. Der Ex-Coach von Lugano hat Recht: Das wäre Wettbewerbsverzerrung.

Warten auf den neuen Bundesratsentscheid

Allein dieser Umstand deutet auf einen Abbruch der Saison hin. Erst recht, falls das Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Notstand auf die ganze Schweiz ausweiten sollte. Dann ist der Entscheid von heute Freitag über die Verlängerung des Veranstaltungsverbots über den 15. März hinaus überflüssig. FCL-Medienchef Markus Krienbühl: «Wir warten jetzt die weiteren Entscheide des Bundesrats ab, planen aktuell aber immer noch mit dem Liga-Neustart am 4. April.»