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Interview

FCL-Präsident Studhalter: «Wir wollen mehr sportliche Kompetenz»

Nach der Entlassung von René Weiler steht der FC Luzern wieder einmal stark in der Kritik. Im Interview äussert sich Präsident Philipp Studhalter zur kostspieligen Entlassung, der Fussballkompetenz des Verwaltungrats und der Sparpolitik des FCL.
Raphael Gutzwiller
Möchte dominanter auftreten: FCL-Präsident Philipp Studhalter. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. Februar 2019)

Möchte dominanter auftreten: FCL-Präsident Philipp Studhalter. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. Februar 2019)

Vor eineinhalb Wochen hat der FC Luzern Trainer René Weiler entlassen. Wie blicken Sie darauf zurück?

Philipp Studhalter: Trotz dem fünften Rang in der Winterpause haben wir festgestellt, dass es mit René Weiler nicht mehr weitergehen kann. Darum mussten wir diesen Entscheid treffen. Es war sicher eine intensive Woche, aber nicht anders, als wir es aufgrund der Sachlage antizipiert hatten.

Es mutet aber schon speziell an, wenn man so viel Vertrauen hat, dass man einem Trainer einen Dreijahresvertrag gibt, und ein halbes Jahr später schickt man ihn weg.

Das stimmt. Aber wir müssen in die Zukunft schauen und den Weg miteinander gehen. Wenn man zum FC Luzern kommt, weiss man eigentlich, was man hier erwarten darf. Wir waren damals der Überzeugung, dass jemand, der davor in Nürnberg und bei Anderlecht war und bereit ist, nach Luzern zu kommen, sich auch entsprechende Gedanken dazu gemacht hat.

Dass Weiler grosse Ansprüche hat, ist aber wenig überraschend. Wie kann so ein Fehler passieren?

Wir wussten, dass dies eine Herausforderung werden kann. Dennoch wollten wir diesen Weg gehen. In den Gesprächen hat er sich klar zum FCL bekannt. Doch wenn die Kritik extern geäussert wird und die Zeitachse in der Zusammenarbeit nicht stimmt, dann muss man handeln. In dieser kurzen Zeit konnten wir uns nicht so schnell verändern.

Von aussen hatte man den Eindruck, es war vor allem ein Streit zwischen Sportchef Remo Meyer und René Weiler. Wo war da die Position des Verwaltungsrates?

Remo Meyer informiert uns nicht jeden Tag – und das musste er auch nicht. Aber er hat uns stets auf dem Laufenden gehalten, er wusste ja von Anfang an, dass es mit René Weiler eine Herausforderung sein könnte. Wir als Verwaltungsrat sind von ihm informiert worden. Bereits im Dezember wussten wir, dass die Zusammenarbeit schwierig ist.

Die Entlassung von Weiler kostet den FCL rund eine Million Franken. Sie sagten danach, dass man ein «Kässeli» dafür habe. Wie ist das möglich, zumal der FCL sonst über finanzielle Schwierigkeiten klagt?

Wir sind in der Lage, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Das liegt auch daran, dass wir einiges in der Organisation geändert haben und besser aufgestellt sind, als dies früher der Fall war. Und es ist wie im Privaten: Wer entlassen wird, streicht als erstes die Ferien.

Dass es oft zu Trainerwechsel kommen kann, weiss man. Ludovic Magnin ist beim FC Zürich ein bisschen mehr als ein Jahr im Amt und zweitdienstältester Trainer der Liga. Warum gibt man einem Trainer einen Dreijahresvertrag?

Wenn ein Mensch mit diesem Background ein solches Commitment abgibt und die Gespräche gut sind, dann haben wir Vertrauen. Und man darf auch nicht vergessen, dass wir vor kurzem mit Markus Babbel selber den dienstältesten Trainer hatten. Dies hat uns bewiesen, dass wir ruhig bleiben und lange an einem Trainer festhalten können. Wir haben einen mehrjährigen Plan, der auf 2021 gerichtet ist, dann muss man dies auch beim Trainer so machen. Allerdings sind auch wir nicht vor Fehlentscheidungen gefeit.

Nun vollzieht der FCL bei der Anstellung von Thomas Häberli, der nur bis Ende Saison unterschreiben durfte, eine Kehrtwende. Warum?

Bei Häberli haben wir aus der Situation heraus einen Vertrag bis Ende Saison gemacht. Er ist eine ganz andere Person als Weiler. Wir brauchen jemanden, der versucht, das Beste aus dem Team herauszuholen. Häberli geben wir die Chance, erstmals in der Super League zu arbeiten, er hat aber enormen Hunger und das Ziel, langfristig beim FCL zu arbeiten.

Sportchef Remo Meyer wird stark kritisiert. Wie fest sitzt er im Sattel?

Sehr fest. Er hat seinen Fehler zugegeben, das ist vergessen. Von unserer Seite gibt es keine Kritik, aber natürlich steht er als Sportchef unter öffentlichem Druck. Doch man darf nicht vergessen: Wir sind letzte Saison Dritter geworden mit einer Mannschaft, die mehrheitlich er zusammengestellt hat.

(Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. Februar 2019)

(Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. Februar 2019)

Auch Sie und die anderen Mitglieder des Verwaltungsrats müssen nun für den Fehler geradestehen.

Natürlich, denn alle im Verwaltungsrat haben den Entscheid mitgetragen. Wenn man sagt, wir seien blauäugig gewesen, dann darf man dies. Dennoch möchte ich festhalten: Wenn an unserer sportlichen Kompetenz herumgenörgelt wird und gefordert wird, dass im Verwaltungsrat eine Person sitzt, die aus dem Fussball kommt, dann liegt man falsch. Zwischen dieser Person und dem Sportchef gäbe es eine grosse Diskrepanz, da derjenige im Verwaltungsrat dem Tagesgeschäft zu fest reinreden würde.

Trotzdem bräuchte es mehr ­Fussballkompetenz im Verein.

Wir wollen auch auf operativer Ebene mehr sportliche Kompetenz – eine Option ist sicher, dass wir das Team um Remo Meyer weiter ausbauen werden oder ein zusätzliches Bindeglied zwischen operativer und strategischer Ebene einbauen. Doch es ist falsch, wenn man denkt, es funktioniere alles, nur weil man jemanden in den Verwaltungsrat nimmt, der vom Fach ist. Denn der Verwaltungsrat spricht sportlich ja gar nicht rein, sondern wird lediglich informiert.

Dennoch: Im Verwaltungsrat sitzen sechs Männer, die von Fussball wenig verstehen. Da ist es logisch, dass man nach mehr Fussballkompetenz verlangt.

Das Engagement des Verwaltungsrats im Sport ist stark reduziert. Das trifft auch auf Marco Sieber, den sportlichen Delegierten, zu. Ich weiss, dass Sieber stets kritisiert wird. Doch seine Position wird in der Öffentlichkeit falsch dargestellt. Er leistet innerhalb des Verwaltungrats extrem viel Überzeugungsarbeit, damit der FC Luzern sportlich Erfolg haben kann. Sieber vertritt zum Beispiel klar die Aufassung, dass wir besser unsere eigene Mannschaft zusammenhalten sollen, wenn dies irgendwie möglich ist, statt die Spieler schnell zu verkaufen – auch wenn Letzteres auf den ersten Blick lu­krativer sein kann. Und diese Message vertritt er im Verwaltungsrat.

Doch mit Fussball haben alle im Verwaltungsrat wenig am Hut. Meine Behauptung: Der gesamte Verwaltungsrat wäre bei einem Handballverein, wenn dies die Sportart Nummer eins wäre. Was entgegnen Sie darauf?

Klar ist es so, dass der Fussball Menschen anzieht, die Anerkennung wollen. Für mich geht es darum, dass wir auch eine Plattform schaffen, bei der derjenige, der investiert, eine gewisse Anerkennung erhält. Denn der Schweizer Fussball lässt es leider nicht zu, dass wir unabhängig von Mäzenen oder Aktionären funktionieren können.

Mit der harten Sparpolitik vergraulen Sie aber das Publikum.

Natürlich haben wir keine Lust, irgendwo im Mittelmass platziert zu sein. Ich will immer gewinnen. Dasselbe trifft auf die Spieler zu. Dennoch müssen wir die Rahmenbedingungen akzeptieren. Budgettechnisch gehören wir nun mal zwischen die Ränge vier und acht. Das heisst aber nicht, dass es nicht unser Anspruch wäre, besser platziert zu sein und wenn irgendmöglich auch mal einen Titel zu holen. Damit dies gelingen kann, muss ich die Aktionäre dazu bringen, auch in Zukunft mitzumachen.

Wie soll dies gelingen?

Zunächst war es einmal unser Anspruch, die Kosten in den Griff zu bekommen. Und die Aktionäre haben gemerkt, dass wir das auf der Geschäftsstelle ernst nehmen und uns an die Vorgaben halten. Jetzt geht es darum, dass wir operativ Rahmenbedingungen erarbeiten, die eine Skalierung nach oben ermöglichen. Das Schwierige ist aber: Es ist anders als in der Wirtschaft. Der Erfolg kann zwar auch in der Wirtschaft bei Investitionen nicht garantiert werden, aber die Volatilität ist im Fussball natürlich um einiges höher.

Ein Kritikpunkt bei den Verwaltungsräten ist stets auch, dass viel von Zahlen gesprochen wird, man aber zu wenig Herzblut spürt. Wie gross ist Ihr Fussballinteresse?

Für mich ist insbesondere die Leidenschaft für Menschen das zentrale Element, das mich auch im Fussball antreibt. Ich werde mich aber hüten, sportlich mehr dreinreden zu wollen. Das wäre nicht professionell. Zudem muss ich natürlich als Präsident anders auftreten als ein Mehrheitsaktionär. Dennoch wird man merken, dass ich nun offensiver und dominanter auftreten werde.

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