FCL-Profi Lucas findet in der Corona-Virus-Spielpause: «In Biel ohne Lohn war’s weniger schlimm»

Die Karriere von FCL-Vize-Captain Lucas Alves ist bewegt. Auch jetzt wieder: Gerade den Vertrag verlängert, ist die Saison unterbrochen.

Daniel Wyrsch
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Lucas hat sich in den letzten zwei Jahren zum Leistungsträger beim FCL entwickelt.

Lucas hat sich in den letzten zwei Jahren zum Leistungsträger beim FCL entwickelt.

Bild: M. Meienberger/Freshfocus (Thun, 22. Februar 2020)

Vor einer Woche hat Innenverteidiger Lucas Alves den Vertrag mit dem FC Luzern vorzeitig um zwei Jahre bis Sommer 2022 verlängert. «Eine intensive Zeit ist damit zu Ende gegangen. Ich bin froh, hat es eine gute Lösung zwischen dem Verein und mir gegeben.» Klar ist es ums Geld gegangen, Lucas ist ein professioneller Fussballer. Er weiss, dass er mit seinen 27 Jahren noch ein paar Saisons vor sich hat, «aber die Zeit der Karriere ist begrenzt», so der Brasilianer.

Lucas stammt aus Osasco im Grossraum von São Paulo. Die Stadt hat über 12 Millionen Einwohner. Als 17-Jähriger durfte der Innenverteidiger mit den Profis von Corinthians trainieren: In der Mannschaft war der zweifache brasilianische Weltmeister Ronaldo il Fenomeno. Der Stürmerstar war damals 33 Jahre alt und nach sehr erfolgreichen Jahren in Europa bei Eindhoven, Barça, Inter, Real und Milan in die Heimat zurückgekehrt. «Es hat mich beeindruckt, wie schnell und torgefährlich er noch immer war», sagt Lucas. Kontakt habe er leider keinen mehr zum WM-Helden der Seleção von 1994 und 2002. «Ronaldo wechselt zu oft seine Handynummer.»

Lucas ist längst in einer anderen Fussball-Welt angekommen. Kleiner und weit weniger glamourös ist sie als diejenige damals im Dunstkreis des Weltstars Ronaldo.

Er mag nicht «Alves» gerufen werden

Der 1,93 Meter grosse und knapp 90 Kilo schwere Lucas wurde in Brasilien Lucão gerufen. Übersetzt: grosser Lucas. Das passte zu ihm. Aber als er vor etwas mehr als sechs Jahren nach Europa zum deutschen Regionallisten VfR Aalen kam, wollte er explizit Lucas heissen. Nur ein Spiel machte er dort – und zwar in der 2. Mannschaft. Anschliessend folgte der Wechsel zum FC Biel in die Challenge League. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in der Schweiz lande», sagt Lucas. Hierzulande rufen die Leute ihn auch «Alves». «Darauf reagierte ich zuerst gar nicht, das tönt für mich so ungewohnt – und ich mag es nicht.» Eine klare Ansage, den Luzerner Vize-Captain künftig nur noch Lucas zu nennen.

Speziell am robusten und fast immer gut gelaunten Abwehrspieler ist auch, dass er nicht über sein Privatleben sprechen möchte. Nur knapp kann man Lucas entlocken, in Emmenbrücke zu wohnen und hier eine Partnerin gefunden zu haben. «In Brasilien wurde uns immer eingetrichtert, nichts Privates zu erzählen. Das hat mit der Kriminalität zu tun.» Prävention gegen allfällige Geiselnahmen und anschliessende Lösegeldforderungen. Lucas ist bewusst, dass dies in der Schweiz anders ist, «trotzdem möchte ich es mit meinem Privatleben weiterhin handhaben wie in Brasilien.»

Seine turbulente Karriere wurde nach anderthalb Jahren beim FC Biel im Frühling 2016 unerwartet gestoppt. Der dubiose Präsident Carlo Häfeli hatte die Löhne nicht mehr zahlen können, Biel ging schliesslich Konkurs. «Das war, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte», stellt Lucas bildhaft fest. «Aber trotzdem war’s in Biel ohne Lohn weniger schlimm als jetzt. Denn das betraf nur unsere Mannschaft, während das Corona-Virus gerade auf der ganzen Welt grassiert.»

Für Lucas ist die Schweiz «ein spezielles Land»

Auf der anderen Seite findet Lucas das Veranstaltungsverbot eine drastische Vorsichtsmassnahme der Behörden: «Da zeigt sich, die Schweiz ist schon ein spezielles Land. In Italien gibt es Spiele ohne Zuschauer, während in Deutschland und Frankreich weiterhin ohne Einschränkungen in vollen Stadien Fussball gespielt wird.» Gleichzeitig stellt er fest: «Trotzdem müssen wir aufpassen, nicht mit diesem Virus angesteckt zu werden.»

Den Profis in der Schweiz bleibt zumindest bis Mitte März nichts anderes übrig, als zu trainieren. «Wir sind schon wieder im Trainingslager», scherzt Lucas. Dabei ist ihm nicht unbedingt zum Lachen zu Mute. Von Montag bis Samstag trainiert das Team von Fabio Celestini während dieser Woche täglich und intensiv. Am Dienstag gab’s dazu ein Testspiel gegen Winterthur (1:0) in der leeren Arena.

Bald jeden dritten Tag einen Match?

Macht sich in der Mannschaft nach 14 Tagen ohne Pflichtspiel Ungeduld breit? «Ein wenig schon. Wir sind Fussballer, wollen spielen. Zudem haben bei uns die Resultate der Rückrunde gestimmt, den Lauf wollten wir nutzen», so Lucas, «vielleicht gibt’s bald jeden dritten Tag ein Spiel.»

FCL siegt 1:0 im Testspiel gegen Winterthur bei trister Atmosphäre

Der Testmatch zwischen dem FC Luzern und dem Challenge-Ligisten FC Winterthur (1:0) war nichts für Fussball-Gourmets. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit musste dieser erste Testkick in Zeiten des Corona-Virus auf behördliche Anweisung durchgeführt werden.
Daniel Wyrsch